Donaueschingen berät über eine Optimierung des Kreuzungsbereichs in Allmendshofen. Als mögliche Lösungen stehen eine Ampelregelung oder eine abknickende Vorfahrt zur Diskussion.
Hier ist immer viel los – gerade Pendler brauchen zu Stoßzeiten Geduld auf der Abfahrt der B27 bei Allmendshofen. Jahrelang diskutiert die lokale Politik in Donaueschingen, wie man das Verkehrsaufkommen und Staus hier möglichst gut regeln könnte.
Eine besonders heiß gehandelte Lösung war die Möglichkeit, einen Kreisverkehr zu bauen. Dieser Idee erteilte das Regierungspräsidium Freiburg (RP) allerdings bereits im Jahr 2023 eine Absage. Seitdem sucht die Stadt Donaueschingen nach einer Alternative, um den Knotenpunkt doch irgendwie entlasten zu können. Nun liegen erste Untersuchungsergebnisse vor. Diese wurden durch das Ingenieurbüro Karajan in der ersten Gemeinderatssitzung des neuen Jahres vorgestellt.
„Für die Verkehrsuntersuchung haben wir die beiden Knotenpunkte, den Zubringer, sowieso den Kreisel zur Friedrich-Ebert-Straße betrachtet und verschiedene Szenarien getestet“, erklärt Jürgen Karajan, Geschäftsführer des Ingenieurbüros.
Vier verschiedene Varianten
Die Verkehrstestung umfasste vier verschiedene Varianten und deren Auswirkungen auf die beiden Knotenpunkte. Karajan erläutert ausführlich die Testergebnisse, die am 21. Oktober 2025 erhoben wurden. „Getestet haben wir die Szenarien eines Rechtsabbiegezwangs, eine abknickende Vorfahrtsstraße, eine abknickende Vorfahrtsstraße mit innen liegendem Einfädelungsstreifen (iLES) und eine Lichtsignalanlage“, so Karajan weiter.
Schnell wird bei Karajans Erläuterungen klar, dass die abknickende Vorfahrtsstraße mit Einfädelungsstreifen der Gewinner des Abends ist und zwar in Kombination mit einem „Vorfahrt gewähren“-Schild. Denn Videoauswertungen hätten ergeben, dass rechtsabbiegende Fahrzeuge ohnehin nicht am derzeitigen Stoppschild halten.
Ampel ist keine Option
Eine Ampelregelung könne den Verkehr nicht so leistungsfähig abwickeln, sei teurer in der Installation und aufwendiger in der Wartung, ist sich der Verkehrsexperte sicher. Auch die abknickende Vorfahrtsstraße sei in Spitzenstunden nicht ausreichend geeignet, eine Entspannung am Knotenpunkt zu bringen.
Erst die vorgestellte Modifizierung mittels innen liegendem Einfädelungsstreifen könne zur gewünschten Verflüssigung des Verkehrs führen. Die angedachte Sonderlösung mutet exotisch an und führt zu einer ausgedehnten Diskussion unter den Räten.
„Ich finde die Lösung mit dem Linkseinfädler attraktiv“, so Niko Reith, FDP-Fraktionssprecher. Er könne sich vorstellen, dass der Geradeausverkehr aus Hüfingen angereizt werde, die Umgehung zu nutzen. Das könne zusätzlich zu einer allgemeinen Entspannung der Verkehrslage in der Stadt führen, vermutet Reith.
Eine innovative Lösung
Auch Marcus Greiner, Sprecher der CDU-Fraktion im Gemeinderat, überzeugt das Ergebnis des Ingenieurs: „Das ist eine innovative Lösung, die sich an den Verkehrszahlen orientiert. Ich sehe das Rechtseinfädeln als kritisch, weil das ungewohnt ist.“
Rückenwind für diese Aussage erhält der CDU-Rat auch von Gottfried Vetter (SPD) und Grünen-Sprecher Michael Blaurock. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, so der Fraktionsvorsitzende Blaurock. Auch er habe Zweifel daran, dass die Verflechtung des Verkehrs nach der Einmündung problemlos gelänge.
Roland Erndle (FDP) sieht in der Verkehrslösung eine Möglichkeit, den Durchgangsverkehr zu verringern, erkennt allerdings auch, dass nicht nur Donaueschinger von der Maßnahme betroffen wären. „Das wird Auswirkungen für die Hüfinger haben, daher würde mich deren Meinung interessieren.“
OB Pauly gibt diesbezüglich direkt Entwarnung und sagt, er habe erst mit dem Hüfinger Rathaus-Chef Patrick Haas telefoniert. „Der war auf den ersten Blick positiv gestimmt von der grundsätzlichen Regelung“, so Pauly.
Keine Kosten für die Stadt
Da die Daten für das Verkehrsexperiment während der Sperrung der B27-Abfahrt Nord erhoben wurden, stellt sich die Frage, wie sich die Öffnung des Kreisverkehrs auf das Verkehrsgeschehen auswirken wird. „Die Verkehrsbelastung während der Sperrung der Abfahrt markiert eine obere Grenze. Wir können davon ausgehen, dass wir mit den Berechnungen auf der sicheren Seite sind. Der Verkehr wird eher zurückgehen, so Jürgen Karajan.
Zur Frage nach den Kosten der Verkehrsmaßnahme kann Dirk Monien beruhigen. „Die Maßnahme ist zunächst als Provisorium vorgesehen. Die Kosten liegen im niedrigen vierstelligen Bereich und werden vom Straßenbauamt getragen.“ Der Stadt entstünden keine Kosten, erläutert der Leiter des Tiefbauamts. Oberbürgermeister Erik Pauly zeigt sich zuversichtlich. „Die vorgestellte Lösung ist erprobt und mit dem RP abgestimmt. Ich bin guter Dinge, das jetzt auszuprobieren.“
Kreisverkehr scheitert
Umsetzung
Seit 2016 verhandeln Regierungspräsidium und Stadt zum Kreisverkehr. Die Umsetzung war für das Jahr 2021 geplant. Damals hatte die Stadt Donaueschingen 250.000 Euro im Haushalt vorgesehen. 2023 hat das Regierungspräsidium vorläufig den Stecker gezogen. Aufgrund von privatwirtschaftlichen Flächen, die den Kreiselbau betreffen, sowie hoher Kosten sei das Projekt nicht realisierbar.