Sind Benimmregeln heutzutage noch gefragt? Gudrun Weichselgartner-Nopper erklärt den Kindern und Jugendlichen, wie man mit Tischmanieren leichter durchs Leben kommt.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, lautet ein bekanntes deutsches Sprichwort. Und deshalb richtet sich das Knigge Seminar am Samstag, 21. Februar, um 17 Uhr im Gasthaus Krone in Lautlingen auch nicht an Erwachsene, sondern explizit an Kinder ab sechs Jahren. Die zertifizierte Knigge-Trainerin Gudrun Weichselgartner-Nopper findet es außerdem sehr schwer, einem Erwachsenen zu sagen, was er falsch macht. Kinder seien da viel zugänglicher und lernen spielerisch, was No-Gos in der Gesellschaft sind.
Wichtige Tipps fürs Leben mitgegeben
Die Seminare bei der Knigge-Trainerin laufen sogar so gut, dass manche durchaus noch ein zweites Mal kommen möchten. Schließlich haben alle sehr viel Spaß dabei. Auch Gudrun Weichselgartner-Nopper selbst. Sie weiß sehr gut, wo der Schuh drückt und findet schnell einen Zugang zu den jungen Leuten. Knigge-Seminare führt sie für Kinder und Jugendliche sowie Berufsstarter durch. Erst neulich hat sie vielen Abiturienten in Köln wichtige Tipps fürs Leben mitgegeben. Denn schließlich entscheidet das richtige Auftreten bei einem Bewerbungsgespräch mintunter darüber, ob man den Job bekommt oder eben nicht.
Bei den Kindern geht es allerdings noch nicht um die ganz große Karriere, sondern erst mal nur um Kleinigkeiten. Wie beispielsweise die Einladung zu einem Kindergeburtstag. Die hat wohl jeder Bub und jedes Mädchen schon einmal erhalten und wenn nicht – dann drängt sich umso mehr die Frage auf, warum? Statt einsam in einer Ecke zu sitzen und zu weinen, sollte man wissen, wie man sich in die Geburtstagsgesellschaft einbringen kann. Und auch der Gastgeber sollte sich ja Mühe geben, dass sich alle Gäste wohlfühlen.
Deshalb erörtert man beim Seminar vielfältige Fragen: Wer begrüßt wen und wie? Wie stelle ich mich selbst vor, wenn mich niemand kennt? Aber übernimmt das nicht der Gastgeber? Was schenke ich und wie bedankt man sich? Und dann geht es natürlich auch um die Bewirtung der Gäste und ob man sich als Gast einfach irgendwo an die Tafel setzt. Und natürlich das Essen selbst. Wo gehört die Serviette hin? Wie sitze ich richtig auf dem Stuhl? Und müssen die Ellenbogen tatsächlich auf die Tischplatte?
Gastgeber und Kellner spielen
Damit das alles nicht so trocken besprochen werden muss, bereitet Gudrun Weichselgartner-Nopper mit den jungen Seminarteilnehmern ein dreigängiges Menü vor und deckt den Tisch ein, bevor sich alle gemeinsam das Mahl munden lassen. Dabei lernt jeder spielerisch, was man mit Buttermesser und Brotteller macht, wieso Olivenöl und Salz auf dem Tisch stehen und wie man das Besteck und das Glas richtig hält. „Wenn man weiß, wie es geht, ist das nicht schwer“, versichert die Knigge-Trainerin. Zudem haben alle viel Freude beim Herrichten. Mit kleinen Eselsbrücken kann man sich das korrekte Eindecken des Tisches gut merken und wird es auch sicher nie wieder vergessen.
Jeder darf eine kleine Rolle übernehmen. Ob Gastgeber, Brotkellner, Wasserkellner oder Butterkellner – die Möglichkeiten sind vielfältig. Der Gastgeber darf eine kleine Rede halten, der Ehrengast spricht einen Toast aus. Und Gudrun Weichselgartner-Nopper weiß aus Erfahrung: „Es gibt sehr begabte Kinder.“ Bis jetzt hat es noch allen gefallen, weiß die Mutter zweier Söhne, die inzwischen selbst schon in den Beruf starten. Das Wording von Teenagern ist ihr damit nicht fremd. Und mit Kindern arbeitet die Ehefrau des Stuttgarter Oberbürgermeisters ohnehin sehr gerne. Zum Schluss gibt es ein Quiz und ein Knigge-Diplom. Und in Lautlingen sogar eine Mappe mit allen Inhalten. Diese wird danach von den Müttern sehr gerne geschmökert, verrät die Knigge-Trainerin augenzwinkernd.
Erfolg und Eloquenz
Warum solch ein Knigge-Seminar überhaupt notwendig ist? Viele Kinder essen inzwischen nicht mehr mittags zu Hause. Die Eltern sind berufstätig, der Nachwuchs sitzt mit vielen anderen gemeinsam in der Mensa. Da kommen Tischmanieren oft zu kurz. Die Wochenenden, an denen die gesamte Familie um einen Tisch sitzt, will man auch nicht mit Maßregelungen verderben. „Es ist immer gut, wenn ein Dritter von außen kommt“, erklärt Gudrun Weichselgartner-Nopper. Die Kinder dürfen ohnehin solch ein Seminar nicht als „Strafe“ verstehen, sondern als Vorteil für das Leben. Richtige Körperhaltung und Gesichtsausdruck können Türöffner sein.
„Denken Sie einfach mal an erfolgreiche Menschen. Sie sind meist sehr höflich, eloquent und freundlich“, lautet der einfache Hinweis der Knigge-Trainerin. Hände aus der Hosentasche und Cap abnehmen. Warum? Gudrun Weichselgartner-Nopper gibt einfache Erklärungen an die Hand. Wer erfolgreich durchs Leben gehen will, sollte ein paar einfache Regeln verinnerlichen. Schon mal darüber nachgedacht? Wer als Bewerber gleich dem Personalchef die Hand zum Gruß hinstreckt, kann schon durch das Raster gefallen sein. Schließlich entscheidet der Einladende, ob man sich mit Handschlag begrüßt. Alles andere gilt als anmaßend, erklärt die Knigge-Trainerin.
Wie sie zum Lautlinger Termin kam? Eine kinderreiche Familie aus der Region wollte einen Privatkurs und hat als Location die Lautlinger Krone vorgeschlagen. So kam der Kontakt zur Inhaberfamilie zustande und letztlich zum Angebot am 21. Februar. Es sind noch einige wenige Plätze frei. Und wer weiß, vielleicht gibt es künftig auch an den Schulen im Zollernalbkreis solche Benimmseminare. Die sind mindestens genauso wichtig, wie das Bewerbertraining im Hinblick auf aussagekräftigen Unterlagen.