Anna Jung, die "Kniepleswirtin" von Ahldorf, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Foto: Familienarchiv

Sie war eine echte Institution im Dorf: Anna Jung, die beliebte "Kneipleswirtin", ist im Alter von 92 Jahren gestorben.

Horb-Ahldorf - Anna Jung wurde 1929 in Ahldorf geboren und war ihr ganzes Leben lang in ihrem Dorf, in ihrer Dorfgemeinschaft und in der Kirchengemeinde verwurzelt. Sie besuchte die Volksschule in Ahldorf und half in der Gast- wirtschaft der Eltern mit, die sie nach dem Tod ihrer Mutter 1968 weiter- führte. 1957 heiratete sie den Elektro-und Maschinenbautechniker Alfred Jung. Tochter Gudrun kam 1958 zur Welt, Sohn Günter 1962. Alfred Jung, der im September 2008 verstarb, machte sich weit über Ahldorf hinaus einen Namen als Kenner der Geschichte Ahldorfs und Kundiger bei der Erforschung der Kleindenkmale.

 

Heimatgeschichte Ahldorfs lag ihr am Herzen

Auch Anna Jung lag die Heimatgeschichte Ahldorfs stets am Herzen. Ihr Mann sei eigentlich durch sie dazu gekommen, verriet sie unserer Redaktion an ihrem 80. Geburtstag. Sie betrieb Ahnenforschung und war ein "wandelndes Lexikon" für viele, die etwas über die Geschichte und die Vorfahren von Ahldorf wissen wollten. Bis ins hohe Alter beeindruckte sie die Menschen mit ihrem phänomenalen Gedächtnis.

"Kneiple" war so etwas wie das Zentrum des Dorfgeschehens

Das "Kneiple" war das letzte Gasthaus in Ahldorf. Noch bis zur ersten Corona-Welle war es geöffnet, auch wenn die Zeiten kürzer wurden und die Gesellschaften kleiner. Für Vereine und Gruppen war die Wirtschaft aber viele Jahrzehnte ein wichtiger Treffpunkt. Es war so etwas wie das Zentrum des Dorfgeschehens. Und Anna Jung war mittendrin. Sie bekam viel mit, sie wusste Vieles und wurde auch gerne um Rat gefragt. Sie stand auch stets parat, wenn jemand Hilfe benötigte. Sie packte immer mit an. "Sie war immer für alle da. Sie liebte die Musik und das Lesen, ging jeden Sonntag zum Gottesdienst. Im Herzen ist sie immer jung geblieben", erzählt Tochter Gudrun Birkenberger. In all den Jahrzehnten war sie stets zufrieden. In die große weite Welt hatte es sie nie gezogen.

Ganz aufgeben wollte sie die geliebte Gaststätte nicht

Auch einen Stammtisch gab es im "Kneiple" viele Jahre noch, auch wenn das in den letzten Jahren abnahm. Die Zeit, in der sich die Männer abends in der Wirtschaft trafen und über die Dorfpolitik stritten, sei halt langsam vorbei, meinte Jung 2009. Auch insgesamt wurde es ruhiger. Die Fasnet fand beispielsweise in der Halle statt. Und auch Anna Jung wollte es etwas ruhiger angehen. Ganz aufgeben wollte sie ihre geliebte Gaststätte aber nicht.