Der Schimmel in Kellern verschiedener Verwaltungsgebäude wird zur Gefahr für Dokumente und Mitarbeiter. Foto: Kreisarchiv

Die Einrichtung eines Archivmagazins in der Tiefgarage des Kreishauses hat der Freudenstädter Kreistag trotz Schimmelbefalls der Akten mit denkbar knapper Mehrheit abgelehnt.

Kreisarchivar Louis-David Finkeldei war fast ein wenig geschockt, als er das Ergebnis der Abstimmung am Ende der Diskussion im Kreistag realisiert hatte.

 

Nur 17 Kreisräte hatten bei 18 Gegenstimmen und drei Enthaltungen für die Einrichtung eines Archivmagazins in der Tiefgarage des Kreishauses in der Landhausstraße 4 gestimmt. Das Vorhaben ist deshalb – aus finanziellen Gründen – abgelehnt.

All die bereits im Ausschuss ausgetauschten Argumente für die Einrichtung des Archivmagazins hatte Landrat Andreas Junt aufgrund der bereits kontroversen Vorberatung vor der finalen Abstimmung im Kreistag noch einmal zusammengefasst. Auch Kreisarchivar Finkeldei gab sein Bestes, um das Gremium zu überzeugen. Am Ende half das trotzdem nicht, die Mehrheit lehnte ab.

Hellstern für altes Krankenhausgebäude

Uwe Hellstern (AfD) war der Meinung, man könne sich die Ertüchtigung der Tiefgarage sparen, wenn man die Akten beispielsweise – zumindest vorübergehend – im alten Krankenhausgebäude einlagere. Junt machte deutlich, dass diese Lösung aufgrund der auch dort zu treffenden Vorkehrungen, das Hochfahren der alten Brandmeldeanlage beispielsweise, definitiv teurer wird. Es sei ja nicht damit getan, die Akten dort einfach abzulegen.

Auf eine Frage von Thomas Staubitzer (FWV) hin betonte Finkeldey, dass die Tiefgaragenlösung die aktuell bereitstehenden Flächen mehr als verdopple.

Gebele: „Das geht einfach nicht“

Elisabeth Gebele (Grüne) führte noch einmal die gesundheitlichen Gefahren für Mitarbeiter aufgrund des Schimmels ins Feld. „Lehnen wir das heute ab, dann bin ich überzeugt, dass der Landrat diesen Beschluss über kurz oder lang wegen Gesundheitsgefährdung wieder aufheben muss“, so Gebele. Mitarbeiter im Schimmel arbeiten zu lassen, das gehe einfach nicht.

Hermann John (FWV) verwies auf die Zeitersparnis aufgrund der Zentralisierung, gerade auch mit Blick auf die Digitalisierung. Deren Vorteile pries auch Peter Rosenberger (CDU), der die Zentralisierung aktuell aus Kostengründen aber dennoch ablehnte. „Nehmen wir das Geld dafür lieber für die Digitalisierung, dann ist es egal, wo die Akten gelagert sind.“

Auch rechtlich relevante Akten betroffen

Aktuell seien mehrere Mitarbeiter täglich – und nicht nur einer ab und zu – von den langen Wegen aufgrund der Auslagerung der Akten betroffen, stellte Finkeldey nach einer Frage von Uta Schumacher (Frauenliste) klar.

Zur entsprechenden Frage von Markus Tidemann (SPD) erklärte der Kreisarchivar, dass es nicht nur um den Bestand historisch bedeutsamer, sondern eben auch rechtlich relevanter Akten wie Baugenehmigungen gehe. Die deshalb erforderliche Schimmelsanierung werde langfristig deutlich teurer als die jetzt vorgeschlagene Lösung.