Kostenaufwand 12.650 Euro, Personalkosten 5460 Euro? War das zu viel für die Abschiedsfeier von OB Peter Rosenberger (rechts)? Sein Nachfolger Michael Keßler verteidigt die Ausgaben. Foto: Jürgen Lück

Horber Eltern werfen dem Rathaus „Selbstbeweihräucherung“ durch zwei OB-Feiern vor. Was OB Michael Keßler dazu sagt.

Nach der Kritik an den Feiern rund um Abschied und Amtseinsetzung des Oberbürgermeisters sieht sich die Stadtspitze mit Vorwürfen konfrontiert, städtische Mittel falsch priorisiert zu haben.

 

Im Interview verteidigt der neue Oberbürgermeister Michael Keßler die Veranstaltungen, spricht über den Umgang mit Ehrenamt und Ortsteilen – und erklärt, warum Horb trotz angespannter Haushaltslage an dezentralen Strukturen festhalten will.

Was sagen Sie zur Kritik an den OB-Feiern?

Wir haben letztes Jahr bewusst bereits auf den Jahresempfang verzichtet. Und auch 2026 hatten wir im Gemeinderat bereits gesagt: Den Neujahrsempfang 2026 machen wir nicht. Damit hatten und haben wir eine Gegenfinanzierung geschaffen. Außerdem: Ein Oberbürgermeister, der 17 Jahre hier in Horb gewirkt hat, dem gebührt ein würdiger Abschied. Und genauso braucht auch eine Amtseinsetzung einen angemessenen Rahmen. Wir haben die gesamte Stadtgesellschaft eingeladen. Es gab – wie bei einem Neujahrsempfang – die Möglichkeit zum Austausch. Die Veranstaltungen wurden positiv wahrgenommen.

Die Eltern kritisieren, das Geld hätte lieber in Kinder investiert werden sollen.

Wir haben eigene Programm-Acts gemacht und versucht, Kosten zu reduzieren. Wenn Nachbarstädte solche Empfänge machen, gilt das als tolle Idee. In Horb wird sofort gefragt, wie wir mit Haushaltsmitteln umgehen. Mit diesen einmaligen Ausgaben hätten wir bei den Kindergärten ohnehin nichts Dauerhaftes gegenfinanzieren können.

Sie hatten über neue Formen der Kommunikation zwischen Ehrenamt und Rathaus nachgedacht.

Wir sind gerade am Überarbeiten der Ehrenordnung. Wir überlegen auch, ob wir die direkte Kommunikation zwischen Rathaus und Ehrenamt in einen Neujahrsempfang und/oder Ehrungsabend übernehmen könnten.

Was ist mit den Ortsteilen?

Wir werden – wie versprochen – das Format des Austauschs mit den Ortsteilen im Sommer definitiv durchführen. Der Plan ist, in jede Ortschaft zu gehen und einen Ortsrundgang zu machen. Einfach mit Ortsvorsteher, Ortschaftsrat und den Bürgern, welche durchs Dorf spazieren und einfach lose Dinge direkt miteinander besprechen wollen.

Zimmermann: Du willst rausgehen, dich auf den Marktplatz stellen. Damit das Rathaus und der Oberbürgermeister wesentlich präsenter draußen in den Ortschaften sind. Eine klasse Idee, neben dem Masterplanprozess sich auch als Stadtspitze den Bürgern zum Feedback zur Verfügung zu stellen.

Wie sollen Horb und die Ortsteile weiter zusammenwachsen?

Wir wollen den Ortsvorstehern auf dem kleinen Dienstweg gewisse Verfügungsmittel an die Hand geben, um eben auch direkt in der Ortschaft draußen mal demjenigen, der den Blumenkübel gießt, ein Stück weit entgegenkommen zu können.“

Eutingen kürzt radikal bei Ortschaftsverwaltungen und zentralisiert. Droht das auch in Horb?

Wir müssen mit unseren Haushaltsmitteln vernünftig umgehen und priorisieren. Am Beispiel Kindergärten: Wir haben aktuell einen Puffer von 28 Plätzen in 22 Einrichtungen. Dieser Puffer sorgt dafür, dass wir Überhänge ausgleichen können. Wenn wir ihn streichen wollen, müssten wir irgendwo eine Gruppe schließen. Eine Zentralisierung würde zwar Geld sparen, aber sie bedeutet Qualitätsverlust, mehr Fahrzeiten für Eltern und den Verlust der Betreuung im Heimatort. Deshalb wollen wir diese und andere bestehende Strukturen vor Ort möglichst erhalten.