Die Stadt kauft die „Krone“ in Neuenburg. Foto: Claudia Bötsch

Der Kauf des Gasthofs und Hotels „Krone“ ist mit einer hauchdünnen Mehrheit im Neuenburger Gemeinderat unter Dach und Fach.

Die Zähringerstadt kostet die Investition rund 1,7 Millionen Euro. Das positive Abstimmungsergebnis belastet den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Städtische Wohn- und Geschäftsgebäude mit einer Kreditaufnahme für die „Krone“.

 

Bürgermeister Jens Fondy-Langela wertete einen möglichen Kauf für die Stadt trotz der Haushaltslage als tragfähig, verwies auf die Pachterlöse von rund 108 000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer und Nebenkosten, dem ein Zinsaufwand von ungefähr 60 000 bis 65 000 Euro gegenüberstünden.

Städtebaulich geht es seiner Überzeugung nach um die „logische Fortschreibung“ des Sanierungsgebiets „Ortsmitte III“ und dessen Abschluss nach einer 20 Jahre lang andauernden konsequenten Zielverfolgung der städtebaulichen Aufwertung. Dazu bemühe man sich um die Aufnahme des „Kronen“-Areals in ein neues Sanierungsgebiet, das auch für einen späteren neuen Eigentümer durchaus von Vorteil sei.

Ziel sei es, eine intensive städtebauliche Aufwertung des Kronenrains und die Baulandgewinnung zwischen Hochgestade und Parkhaus auf den Grundstücken des Gebiets „Am Münsterplatz“, die heute zu den wertvollsten der Innenstadt gehören.

Einfluss auf die Nutzung

Fondy-Langela nannte einen Bodenrichtwert von 530 bis 600 Euro pro Quadratmeter, also einen hohen Kapitalwert für die Stadt, der nahezu alle Flächen zwischen Parkhaus und der ersten Gebäudereihe entlang der Breisacher Straße gehören. „Gibt die Stadt das ,Krone’-Anwesen aus der Hand, dann hat sie nur wenige Einflussmöglichkeiten auf die künftige Nutzung. Dann besteht auch die Gefahr einer deutlichen Abwertung je nach Nutzung“, erklärte der Bürgermeister.

Finanziell abgesichert wird der Ankauf durch das 1942 Quadratmeter große Grundstück mit einem Wert von etwa einer bis 1,2 Millionen Euro. Mit Blick auf ein mögliches „Worst-Case-Szenario“ – sollte also der Pächter aufgeben – verwies Fondy-Langela auf die Immobilie als Sicherheit, die entweder anderweitig verpachtet oder auch an einen geeigneten Käufer veräußert werden könnte, je nach Entscheidung des Gemeinderats.

Kritisch sah Stadträtin Lea Thomas (Freie Wähler) das Projekt. Es sei schwierig, den Bürgern einen Erwerb angesichts der Haushaltssituation und den kommenden Einschnitten in freiwillige Leistungen zu vermitteln. Der Bürgermeister machte auch deutlich, dass mögliche Steuer- und Gebührenerhöhungen nicht geringer ausfallen werden, egal ob die Immobilie erworben wird oder nicht.

Zahlreiche Räte äußern sich

Die Fraktion der CDU werde den Erwerb geschlossen ablehnen, kündigte Rudi Grunau an. Nicht folgen konnte die Fraktion laut Grunau der Kalkulation der Stadtverwaltung, weil aus ihrer Sicht verschiedene Kosten, etwa mögliche Instandhaltungskosten, nicht berücksichtigt seien. Eine wesentliche Kritik aus Grunaus Sicht ist die Haushaltslage der Zähringerstadt.

Nach der Überzeugung Katharina Polzins (Freie Wähler) gibt es nicht nur Risiken durch den Erwerb, sondern auch durch den Nichterwerb. Für Polzin sei dieser Erwerb für die Stadt eine kontrollierbare Situation. Deshalb dürfe man nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt vor Augen haben, sondern auch das künftige Wohlergehen der Stadtgemeinschaft.

Elf zu zehn Stimmen

Wie hin und her gerissen andere Ratskollegen bei der Entscheidung waren, zeigten weitere Äußerungen. „Der Kauf verschafft uns Luft für weitere Planungen“, meinte Stadträtin Daniela Saurer (Freie Wähler). „Ich halte das Vorgehen für grob fahrlässig, weil es kein qualifiziertes Gutachten gibt, das uns Sicherheit für eine Entscheidung gibt“, kritisierte Ratskollege Ralf Brändle (CDU). Am Ende sprach sich eine hauchdünne Mehrheit mit elf Stimmen für den Erwerb der „Krone“ aus, zehn Ratsmitglieder votierten dagegen.