Zusammen mit Michael Kobr hat er den Kommissar Kluftinger ersonnen, jetzt gastierte Volker Klüpfel als Soloautor in Nagold. Foto: Barbara Rennig

Die drei „K“ – Kobr, Klüpfel und der kauzige Kommissar Kluftinger – schienen untrennbar verbunden, doch nun war Volker Klüpfel in Nagold als Soloautor zu Gast.

Schon das munter sinnierende Opening – er habe auf seinen Reisen Nagold bisher wohl ungerechterweise „übersehen“ – erheiterte das Publikum im voll besetzten Kubus, wo Klüpfel im Rahmen der Nagolder Litaraturtage den ersten Band einer geplanten Reihe, „Wenn Ende gut, dann alles“, vorstellte.

 

Was heißt: vorstellte! Es war eine absolut vergnügliche Reise in die Mühen und Freuden eines Autors, dem Klüpfel in Gestalt des Protagonisten Tommi seinen eigenen Stempel aufdrückt, herrlich sekundiert von Schauspielerin Sarah-Lavinia Schmidbauer als Putzfrau Svetlana. Trotz intensiver Zungenküsse der sprichwörtlichen Muse ist Chaot und Möchtegern-Bestsellerautor Tommi, finanziell klamm und im Wohnmobil seines Vaters hausend, auch nach Monaten über 15 Seiten nicht hinaus gekommen. Die kecke Svetlana mit ihrem Faible für wechselnde Haarfarben, ukrainischen Hardrock, russische Klassiker und nicht zuletzt für Krimis, mahnt immer wieder: „Musst du essen Datteln, ist gut für Hirn“ und mischt sich findig ins Werden von Tommis Manuskript zu „Dieseldämon“ ein.

Schauspielerin Sarah-Lavinia Schmidbauer unterstützte den Schriftsteller bei seinem Auftritt in Nagold. Foto: Mario Gotterbarm

Schon das ist im lesenden Dialog der beiden höchst kurzweilig, ehe sie auf einen ersten Exkurs abbiegen: Wie entwickelt man als Autor eine Figur? Und könnte Svetlana nicht ebenso eine Allgäuerin sein? Da tüfteln sie in gemütlichem Allgäuer Dialekt (beiden Darstellenden durch ihre Herkunft bestens vertraut) über einer möglichen Version, dann schwäbelnd oder den „morbiden Charme“ im schleppenden Schmäh eines Nachbarlandes mimend – alles nichts.

Also wieder zurück zur Ursprungsversion und zu Klüpfels Buch selbst – da ist das Publikum schon mehr als angeglüht. Während Tommi Svetlana heimbringt, sieht sie plötzlich ein einsam im Regen laufendes Kind, sie steigen aus, finden dann das stumm bleibende Mädchen, sorgen für dessen medizinische Betreuung, doch wo sind die Eltern?

Exkurse sorgen für Heiterkeit

Im Rucksack entdecken sie noch einen mysteriösen verwaschenen Zettel: „Zwei Wochen, hilf‘ mir!“ Svetlana forscht weiter und richtet schließlich, weil die Vermieter ihrer Souterrain-Wohnung grade weg sind, eine Art Kommandozentrale ein. Während Protagonist Tommi weiter über seinem Manuskript grübelt, bekommt er immer wieder Ansagen aus Svetlanas „Zentrale“.

Auch die Kontakte zum „Café Klatsch“, wo Tommis Vater gern verkehrt, könnten wichtig sein, führen aber zu einem weiteren erheiternden Bruch des Abends, in dem die beiden sich in Wortspielen über ulkige Namen auslassen, zum Beispiel von Friseursalons à la „Haarmonie“ oder „Kopf-Salat“ bis hin zu Anwaltskanzleien à la „Jur thing“ – überhaupt: Wäre kreative Namen finden nicht eine neue Geschäftsidee? Einfach hinreißend, wie Klüpfel und seine Partnerin als Duo immer wieder Neues szenisch-komödiantisch aufmachen und sich dabei flotte Bälle zuspielen.

Natürlich sind die beiden Profis Sarah-Lavinia Schmidbauer und Volker Klüpfel nicht zum ersten Mal gemeinsam unterwegs, doch was sie sich auf der Bühne des Kubus im dynamischen Ping-Pong liefern, wirkt immer wieder, als hätten sie spontanen Wortaustausch. Mehr wollte Volker Klüpfel zu seinem neuen Roman nicht mehr verraten, ehe er gerne Bücher signierte. Beide Gäste freuten sich spürbar über ihre Premiere in Nagold und ließen ein absolut begeistertes Publikum zurück.