Wer in St. Georgen schwimmen gehen möchte, muss künftig mehr bezahlen – im Hallenbad und am Klosterweiher. Die Preise bleiben aber moderat. Die Stadt sieht sich zu dem Schritt gezwungen. Denn die Kosten übersteigen die Einnahmen weit.
Bürgermeister Michael Rieger ist sich bestens bewusst, dass diese Nachrichten in St. Georgen nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen werden. Ein „Gewitter“ sieht er gar auf das Rathaus zukommen. Der Grund: Gemeinsam haben Stadtverwaltung und Gemeinderat in einer Klausursitzung zum Haushalt den Entschluss gefasst, die Gebühren für Hallenbad und Klosterweiher zum 1. Juni zu erhöhen.
In seiner Sitzung am Mittwochabend beschloss der Gemeinderat die neuen Gebühren offiziell. Bereits im Vorfeld, am Mittwochmorgen, nutzte Rieger die Gelegenheit, die Hintergründe der Erhöhung zu erklären. Denn aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Gebührenerhöhung für die beiden Freizeiteinrichtungen unausweichlich.
Grund ist die Haushaltslage, wie Rieger erklärt. Die Einnahmen der Stadt aus Steuern und Zuweisungen seien rückläufig – erst aktuell habe man den Gewerbesteueransatz nach unten korrigieren müssen. Und auch wegen des Zensus 2022 befürchtet die Stadtverwaltung Einbußen im siebenstelligen Bereich. Gleichzeitig steigen die Kosten – auch für den Unterhalt von Hallenbad und Klosterweiher.
Keine der beiden Einrichtungen betreibt die Stadt kostendeckend – bei Weitem nicht. „Solche Bäder sind nie kostendeckend“, sagt Rieger. Und betont: Die Gebühren müssen steigen – ansonsten wäre perspektivisch eine Schließung der Einrichtungen die Alternative. Und das möchten Verwaltung und Gemeinderat unbedingt verhindern. Denn Hallenbad und Klosterweiher seien ein Stück Lebensqualität. „Das ist es uns einfach wert“, sagt Rieger. „Nur muss es den Menschen das auch wert sein.“
Stadt schießt nach wie vor bei jedem Eintritt zu
Für das Hallenbad lag der Kostendeckungsgrad 2024 nur bei gut 13 Prozent. Fast 990 000 Euro mussten aus der Stadtkasse zugeschossen werden. Damit lag der Zuschussbedarf deutlich höher als im Vorjahr und sogar fast 412 000 Euro höher als 2017, dem ersten vollen Jahr nach der jüngsten Erhöhung der Eintrittspreise 2016. Theoretisch müsste eine Eintrittskarte für einen Erwachsenen 37,79 Euro kosten, um die Unterhaltskosten zu decken.
Hallenbad-Eintritt steigt
So hoch wird der Eintrittspreis aber bei Weitem nicht. Stattdessen soll die Einzelkarte für Erwachsene künftig 5,50 statt 4,50 Euro kosten. Der Eintritt für Kinder bleibt unverändert bei 2,50 Euro. Auch weitere Eintrittsoptionen wie Familienkarten, Jahreskarten und Frühtarif werden etwas teurer. Mit diesen neuen Eintrittspreisen erreicht das Hallenbad einen Kostendeckungsgrad von rund 14,3 Prozent.
Klosterweiher: kein Saisonkartenvorverkauf mehr
Etwas deutlicher – zumindest prozentual – ist die Steigerung der Eintrittspreise am Klosterweiher. Diese wurden jüngstens 2019 angepasst. Erwachsene zahlen fortan vier statt 2,50 Euro, Kinder zwei statt 1,50 Euro. Der Preis der Abendkarte steigt von 1,50 auf 2,50 Euro. Auch der Preis der Jahreskarten erhöht sich in der Folge. Und noch eine Änderung gibt es: Der Vorverkauf, bei dem St. Georgener Saisonkarten zum halben Preis erwerben konnten, entfällt künftig. Mit den neuen Preisen sind die Kosten zu rund 16 Prozent gedeckt.
Um nichts mehr zuschießen zu müssen, müsste die Stadt einen Eintrittspreis von 14,43 Euro verlangen. Denn der Kostendeckungsgrad sank seit 2019 von etwa 20,5 Prozent auf nur noch knapp 10,1 Prozent im vergangenen Jahr – während der Zuschussbedarf stieg und 2024 knapp 287 000 Euro betrug.
Die Haushaltslage
Klausurtagung
Das Landratsamt hatte es der Stadt nahegelegt, den Haushalt noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, erklärt Bürgermeister Michael Rieger. Die Frage: Ist die Kommune in Bezug auf die laufenden Kosten noch gut unterwegs? Oder sind Anpassungen notwendig? Zwei Tage lang beugten sich Verwaltung und Gemeinderat über das Zahlenwerk. „Wir haben festgestellt, dass wir auf jeden Fall etwas tun müssen“, sagt Rieger. Die Gebührenanpassungen für Hallenbad und Klosterweiher sind ein Vorschlag , um den Haushalt tragfähiger zu machen. Weitere werden aktuell geprüft, meint Rieger, und sollen im Herbst Thema in einer Gemeinderatssitzung sein.