Seit gut sechs Wochen wurde kein Schlamm mehr aus dem St. Georgener Klosterweiher abgesaugt – der Granatenfund und seine Folgen bremsten die Arbeiten aus. Nun geht es weiter. Doch die Zwangspause hat den Zeitplan ordentlich durcheinandergebracht.
Rudi Steiger vom Unternehmen Amodes sitzt in einem Stuhl unter dem Sprungturm am Klosterweiher in St. Georgen. Mit zwei Steuerknüppeln lenkt er das Amphibienfahrzeug, das einige Meter weiter auf dem See seine Runden dreht und Sediment vom Grund des Weihers in Richtung des Schlammlagers auf dem Bolzplatz pumpt. Normalerweise würde Steiger auf dem Fahrzeug, das den See abfährt, sitzen – doch seit Dienstagmorgen läuft das Absaugen des Schlamms aus dem Klosterweiher per Fernsteuerung.
Das ist nicht nur für Steiger eine Premiere, sondern auch für Amodes, wie Geschäftsführer Carsten Dam sagt. Das Amphibienfahrzeug gibt es in der Republik mehr als hundertmal. Doch dass der Fahrersitz komplett geklont an Land steht, sodass eine Fernsteuerung möglich ist, ist einzigartig.
Der Grund für die Premiere liegt am Boden des Klosterweihers – vielleicht. Denn seit in dem Badesee Anfang August Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden, ruhte die Entschlammung. Nach wie vor verbleibt ein Restrisiko, dass sich weitere Munition im Weiher befindet – die Berufsgenossenschaft erlaubt daher keine bemannten Fahrten mit dem Amphibienfahrzeug. Damit die Entschlammungsaktion am Klosterweiher dennoch weitergehen kann, musste das Fahrzeug auf Fernsteuerung umgerüstet werden.
Keine Sondierung – dann die Überraschung
Obwohl Weltkriegsmunition in Gewässern in Deutschland keine Seltenheit ist, komme man normalerweise nicht in eine solche Situation, erklärt Dam. Denn in Flüssen oder Seen, in denen man Munition erwarte, – etwa im Rhein-Main-Gebiet – werde routinemäßig vor dem Start der Maßnahme eine Sondierung durchgeführt. Die Arbeiten starten in solchen Fällen erst, wenn das Gewässer freigegeben ist. Im Klosterweiher hatte man sich das gespart, da der See bereits in den 1960er-Jahren ausgebaggert worden war. Der Munitionsfund war in der Folge eine große Überraschung – auch für Amodes.
Die ist nun verwunden – und Maßnahmen, welche die Weiterarbeit am Klosterweiher ermöglichen, sind umgesetzt. Zeit hat die Unterbrechung aber ordentlich gekostet: Mehr als sechs Wochen ist es her, dass letztmals vor der Zwangspause Sediment abgesaugt wurde. Das geht am Zeitplan natürlich nicht spurlos vorbei: Ursprünglich sollte die Maßnahme vor dem diesjährigen Wintereinbruch abgeschlossen sein – das wird man nun nicht schaffen, meint Bürgermeister Michael Rieger. Rund 40 Prozent des Schlamms, schätzt Amodes-Geschäftsführer Dam, wurde bislang aus dem Klosterweiher entfernt.
Ist der See nicht gefroren, so kann gearbeitet werden
Nun wird erst einmal mit Hochdruck weitergearbeitet – zumindest so lange, wie das Wetter es zulässt. Wann immer der See nicht gefroren sei, könne man arbeiten, sagt Dam, der nun zusammen mit Rieger und der ganzen Stadtverwaltung auf einen milden Winter hofft.
Perspektivisch könnte die Munition noch einmal Thema werden: Obwohl der Klosterweiher wieder für den Badebetrieb freigegeben ist, da Badegäste nach Einschätzung des Kampfmittelbeseitigungsdiensts nicht gefährdet sind, will die Stadtverwaltung ganz sicher gehen. Man habe ein Angebot eingeholt für eine Maßnahme, bei welcher der See von einem Boot aus auf Metallgegenstände abgescannt werde. „Und immer, wenn etwas gefunden wird, geht ein Taucher runter“, erklärt Bürgermeister Rieger. In der kommenden Sitzung des Gemeinderats solle die Maßnahme, die selbstredend weitere Kosten verursacht, diskutiert werden.