„Betreten der Eisfläche verboten“ – wer dieser Aufforderung nicht Folge leistet, begibt sich in große Gefahr. Foto: Helen Moser

Sinkt die Temperatur, bildet sich auf dem St. Georgener Klosterweiher ein Eispanzer. Das Betreten ist verboten. Dennoch ist die Feuerwehr auf den Ernstfall vorbereitet.

An schönen und kalten Wintertagen füllt sich das Rondell direkt am Klosterweiher mit Menschen: Sie schnallen sich die Schlittschuhe an und drehen auf der Eisfläche, die der Bauhof eigens für diesen Zweck präpariert hat, ihre Runden. Tabu ist hingegen die Eisdecke, die sich an solchen Tagen nur wenige Meter weiter bildet. Für den Klosterweiher gilt: „Betreten der Eisfläche verboten“, wie diverse Schilder rund um den Weiher verkünden.

 

Früher diente der Badesee in den kalten Monaten noch als Eislaufbahn – doch diese Tage sind lange vorbei. Auch, weil die Tage, an denen die Eisdecke wirklich dick genug ist, um sie gefahrlos zu betreten, äußerst begrenzt sind.

Freigegeben werden dürfen Eisflächen auf Naturgewässern nämlich erst aber einer Dicke von 15 beziehungsweise – bei fließenden Gewässern – 20 Zentimetern, erklärt Christoph Kleiner, Kommandant der St. Georgener Feuerwehr. „Die tatsächliche Dicke, Durchgängigkeit und Tragfähigkeit der Eisfläche ist nicht so einfach einzuschätzen. Um die Sicherheit zu gewährleisten, muss sie regelmäßig kontrolliert werden, was personalintensiv ist und in St. Georgen nicht mehr durchgeführt wird.“

Auch wenn sich in St. Georgen also niemand auf die Eisfläche auf dem Klosterweiher begeben sollte, ist die Feuerwehr dennoch auf den Ernstfall vorbereitet, wie Kleiner auf Anfrage unserer Redaktion berichtet. Die Feuerwehrleute würden zum Thema Eisrettung ausgebildet – und wenn es die Eissituation zulasse, würden solche Szenarien auch zusammen mit der Ortsgruppe St. Georgen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) am und auf dem Klosterweiher trainiert. „Hier gibt es eine gute Abstimmung, die auch im Einsatzfall wichtig ist. Personal, Ausrüstung und Maßnahmen von DLRG und Feuerwehr greifen optimal ineinander“, schildert Kleiner.

Nur unter 30 Minuten Zeit

Im Fall eines Einbruchs ins Eis ist genau das auch besonders wichtig. Denn ins Eis eingebrochene Personen kühlen sehr schnell aus. „Die Überlebenszeit liegt bei unter 30 Minuten“, erklärt Kleiner.

Glücklicherweise nur eine Übung: Regelmäßig trainieren Feuerwehr und DLRG, was zu tun ist, falls eine Person auf dem Klosterweiher ins Eis einbricht. Foto: Feuerwehr St. Georgen

Bei aller Eile ist es für die Einsatzkräfte jedoch besonders wichtig, sich selbst abzusichern. „Die Gefahr des Einbrechens des Retters selbst erschwert eine Rettung zusätzlich. Es ist umso wichtiger, dass das Zusammenspiel des Retters am Eisloch und der Unterstützungsmannschaft am Ufer gut aufeinander abgestimmt ist.“

Auch Taucher werden alarmiert

Besonders schwierig wird die Rettung, wenn eine Person nicht nur durch die Eisdecke bricht, sondern darunter gerät. Dann kann sie Kleiner zufolge in der Regel nur noch mit Tauchern gerettet werden. Im Ernstfall werde daher zur Sicherheit immer auch eine Tauchergruppe der DLRG mitalarmiert.

Im Bereich des Zuflusses in den Klosterweiher zeigt sich: Die Eisdecke ist nicht so dick, wie sie vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Foto: Helen Moser

Sollte der Ernstfall am Klosterweiher tatsächlich einmal eintreten, sind die Einsatzkräfte jedoch nicht nur mit dem nötigen Wissen, sondern auch den notwendigen Werkzeugen gerüstet. Die Feuerwehr verfüge über eine Standardausrüstung, die sowohl für Wasserrettung als auch Eisrettung geeignet sei. „Wir können zudem aber auch auf Zusatzausrüstung zurückgreifen, die am Klosterweiher gelagert ist und der DLRG gehört“, berichtet Kleiner. Dazu gehören unter anderem ein Eisretter und verschiedene Schutzanzüge.

Glücklicherweise nur eine Übung: Regelmäßig trainieren Feuerwehr und DLRG, was zu tun ist, falls eine Person auf dem Klosterweiher ins Eis einbricht. Foto: Feuerwehr St. Georgen

Glücklicherweise kommt diese Ausrüstung in St. Georgen meist nur zu Trainingszwecken zum Einsatz. Der Ernstfall ist selten, wie Kleiners Schilderungen zeigen. Aber: „Spontan kann ich mich an zwei Ereignisse am Klosterweiher während meiner Dienstjahre erinnern“, die aber beide schon Jahre zurücklägen. „Bei einem Ereignis wurde in der Folge einem Feuerwehrkameraden und einem Polizisten die Lebensrettermedaille verliehen.“

Was tun im Ernstfall?

Vorsicht
Und was kann jeder Einzelne tun, wenn er jemanden ins Eis einbrechen sieht? „Wichtig ist es, auf jeden Fall sofort den Notruf 112 abzusetzen, um damit die Rettungskette in Gang zu setzen“, nennt Kleiner als erste Priorität. Helfen könne man, indem man dem Eingebrochenen etwa einen Gegenstand vom Ufer aus reiche. Auf die Eisfläche sollte man sich jedoch auf keinen Fall begeben, um sich nicht in Gefahr zu bringen.