Passend zu „Talk“ scheinen Asteroiden über die Bühne zu fliegen. Foto: Thomas Fritsch

Sie lachten, sie tanzten, sie spielten, als gäbe es kein Morgen – Everglow verwandelte den Klostersommer in Hirsau in ein farbenfrohes Fest der Coldplay-Songs

Es gibt Bands, deren Musik wie ein Farbstrahl durch den grauen Alltag bricht. Coldplay gehören mit mehr als 100 Millionen verkauften Alben dazu. Ihre Lieder sind nicht nur Pop-Hymnen, sie sind Klangbilder aus Farben, Licht und Emotionen – mal leuchtend wie „Yellow“, mal schwebend wie „A Sky Full of Stars“.

 

Dieser Musik hat sich auch „Everglow – A Tribute to Coldplay“ verschrieben. Und lässt das Publikum beim Calwer Klostersommer langsam in diese Welt voller gefühlsvollen Balladen und energiegeladenen Hymnen eintauchen, während die Klosterruinen in allen Farben des Regenbogens erstrahlen.

Instrumente haben passenden Anstrich

Verblüffend ähnlich sehen die Musiker ihren britischen Idolen. Der Sänger trägt eine Jacke mit bunten Aufnähern und in allen Farben leuchtenden Schuhen. So gleicht er fast Chris Martin. Ihre Instrumente haben auch ein passenden Anstrich verpasst bekommen. Und sorgen für ein erwartungsvolles Warten des Publikums, ob die vier Künstler auch die Klostergänge musikalisch passend füllen.

Als erstes erklingt „Higher Power“, der Synthesizer pulsiert, Schlagzeug und Bass setzten den rhythmischen Herzschlag, doch der Gesang geht zunächst im Klangmeer unter.

Sein Tanz wirkt ansteckend

Oli Dums, der Frontmann, bewegt sich hauptsächlich zwischen Bühne und Klavier, wo er gelegentlich auf einen Monitor schaut, auf dem der Liedtext eingeblendet ist. Zu Anfang wirkt er ein wenig unsicher, das legt sich aber schon beim zweiten Song, „Adventure of a Lifetime“.

Der markante Gitarrenriff eröffnet das Lied, das Musikvideo läuft im Hintergrund, und Dums beginnt, sich im Takt zu bewegen und Pirouetten im grellen Licht der Scheinwerfer zu drehen. Sein Tanz wirkt ansteckend und ein erstes Lächeln taucht in den Gesichtern der Zuschauer auf, auch wenn bislang nur verhalten mitgesummt wird.

Bei „Speed of Sound“ rückt ein mit buntem Graffiti besprühtes Klavier ins Rampenlicht – eine bewusste Reminiszenz an die farbgewaltigen Auftritte des Originals. Der warme Klang der Tasten verschmilzt mit dem hallenden Schlagzeug. Für wahre Fans eine Kostbarkeit, da Coldplay selber das Lied bei Auftritten kaum vorführt.

Voller Herzblut

Gebannt verfolgt das Publikum auch das Geschehen auf der Videoleinwand wenn passend zu „Talk“ Asteroiden über die Bühne zu fliegen scheinen und die Lichter wie Sternschnuppen in der Dämmerung durch den Himmel zucken.

Ein Song nach dem anderen wird aus dem mittlerweile 18-jährigen Repertoire der Londoner Band gezückt und keines gleicht dem anderen – auch durch das vielseitige Talent der Künstler. Für „Every Teardrop is a Waterfall“ greift der Schlagzeuger zur Akustikgitarre, während Dums voller Herzblut über die Bühne springt und seine Faszination für die Musik greifbar wird.

Das Gegenteil scheint sich im Publikum abzuspielen, in dem nur vereinzelte Zuschauer aufstehen und im Takt der Ballade „Everglow“ dem namengebenden Lied der Coverband, ihre Arme durch die Luft gleiten lassen. Zu Recht merkt der Sänger vor der Pause an, ab jetzt mehr Einsatz vom Publikum zu erwarten, da sie schließlich genauso Fans derselben Band seien und alle hier seien, um die Liebe zur Musik zu teilen.

Es scheint, als habe das gewirkt. Nach der Pause ist die Zurückhaltung wie weggeblasen. „People of the Pride“ scheint vor Energie zu explodieren – die Gitarren bissig, das Schlagzeug treibend, der Refrain wie eine Welle, die über die Klosterruinen schwappt.

Nostalgie wird breit

Es folgen alle namhaften Hits von Coldplay und die Sitzreihen verschwinden hinter den springenden Zuschauern, wenn zu „Yellow“ die Bühne in einen goldenen Schimmer getaucht ist und jeder die Zeilen mitgrölt. Nostalgie wird breit, als im Hintergrund vorherige Konzerte und die Anfänge von Everglow gezeigt werden.

Beim oft vernommenen Publikumswunsch „Viva la Vida“ ist auch die letzte Hürde zum Publikum gebrochen und alle Künstler stehen am Rand der Bühne, um die einzigartige Atmosphäre mit aufzusaugen. Die Zuschauer formieren in Kürze einen Chor und stimmen die Melodie des Liedes immer wieder an.

Everglow schafft an dem Abend das, was Coldplay am meisten ausmacht. Eine Verbindung zu den Menschen herzustellen und Musik als etwas Erlebbares zu gestalten.