Die Darbietung der Spaßtruppe „Eure Mütter“ war nicht ganz jugendfrei. Foto: Thomas Fritsch

Spaßtrio „Eure Mütter“ – nicht immer ganz jugendfrei – und A-cappella-Gruppe „Füenf“ brachten das Hirsauer Auditorium zum Beben.

Die beiden erfolgreichsten Spaß- und Gesangsformationen Süddeutschlands bereiteten einem begeisterten Publikum ein einmaliges, geniales Doppel-Spektakel. Man darf annehmen: So viel wurde in den geschichtlichen Gemäuern selten, wenn nicht gar noch nie gelacht, wie an diesem perfekten Sommerabend. So sehr, dass sogar Lachtränen flossen.

 

Die Ankündigung im Eröffnungssong des Trios „Eure Mütter“ war verheißungsvoll und vielversprechend :„Ihr erwartet so einen A-cappella-Scheiß - dabei wird’s ne richtig geile Show.“ Genau so kam es.

Situationskomik und derbe Witze seit 25 Jahren

„Eure Mütter“ sind seit 25 Jahren bekannt für ihre skurrile Situationskomik und einen derben Witz, über den selbst der prüdeste Hirsauer Zeitgenossen lachen konnte.

Im Klosterareal wurden Andi, Don und Matze einem Ruf gerecht, für den sie deutschlandweit, vom E-Werk in Köln bis zu den Berliner Wühlmäusen bekannt und gefürchtet sind. Denn alles war nicht jugendfrei. Es Schien, dem Stuttgarter Spass-Trio zu gefallen, die Leute ein bisschen zu schocken und ohne Umschreibung derbe Worte rauszuhauen. Die Themenpalette reichte vom „olfaktorischen Phänomen“, also den Geruch einer Bifi im Zusammenhang mit einer zurückgezogenen Vorhaut eines beschnittenen Mannes bis hin zum Sex, wenn die Kinder im Nebenzimmer schlafen.

So sangen sie vom „Bumsen“ um dann von Zuhörern in der ersten Stuhlreihe Stöhnlaute einzuholen. Die „Mütter“ ließen Rammstein aufleben, indem sie mit archaischer Stimme das Fußnägel-Schneiden besangen, während links und rechts der Bühne Funkenfontänen aufstiegen.

Ein typischer Schriftwechsel in einer Whatsapp-Gruppe kam vielen im Publikum sehr bekannt vor. Lachen über sich selbst als Folge der Wiedererkennung zieht immer. Männer im Wartezimmer philosophierten über die Frage, ob „ich mir den Sack rasieren soll“. So verstand man den Sinn der hämischen Anmerkung im Eröffnungssong, „über die Zuschauer in Hirsau, die meinen, Kinder in so eine Show mitbringen zu müssen.“

A-cappella-Gruppe „Füenf“ kamen zu viert

Nicht minder lustig gefiel die Show der A-cappella-Gruppe „Füenf“. Diesmal nur zu viert, weil Mitglied „Justice“ krankheitsbedingt ausfiel, philosophierten die Sangeskünstler über die „Liebe zu meinem Thermomix“.

Pelvis, Memphis, Little Joe und Dottore Basso (der hat wirklich eine sensationelle Bassstimme) ließen hören, dass sie im Gesang ausgebildet sind und gleichzeitig witzig sein können. Mit ihrer perfekten A-cappella-Darbietung entführten sie die euphorisierten Zuhörer in die moderne Küche, ließen aus „Live is live“ „Fleisch ist Fleisch“ und aus „1000 mal berührt“ „Tausend mal püriert“ werden.

Patrick Bopp (Memphis) sang einen feurigen spanischen Unsinn. Nonsens deshalb, weil alles keinen Sinn ergab, sich lediglich spanisch anhörte. Bopp, selbst auch schon als Gesangspädagoge in der Calwer Musikschule tätig gewesen, funktionierte das Hirsauer Auditorium zu einem riesigen Chor um, die eine spanische Fiesta akustisch nachzubilden hatte. Dazu eine gigantische Choreographie mit Aufstehen, Hinsetzen und Wiederaufstehen – mit Erfolg, denn Mitmachen war schon immer ein gutes Mittel, die Stimmung auf den Siedepunkt aufzuheizen.

Das Publikum grölt mit

Bopp am Flügel teilte den Publikums Chor auf, um dreistimmig Maffays „Es war Sommer“ zu grölen. Die Menschen hatten richtig Spaß mit zu singen. Bopp nutzte die Gelegenheit, auf eine Mitsing-Veranstaltung am 11. August vor der historischen Schlossanlage in Wildberg hinzuweisen.

Zum guten Ende durften die Paradestücke der beiden Ensembles nicht fehlen und mussten präsentiert werden. Nach dem „synchronen Haarewaschen“ der Mütter sangen diese gemeinsam mit „Füenf“ und dem elektrisierten Publikum die erfolgreiche Schwaben-Hymne „Mir im Süden“. Nach einem unvergesslichen, lustigen Abend winkte um 23.30 Uhr die glorreichen Sieben ein letztes Mal in dieser magischen Hirsauer Nacht.

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