Reparaturen und Ergänzungen der Balken im Dachstuhl der evangelischen Klosterkirche in der Siebentälerstadt Bad Herrenalb sind dringend erforderlich Foto: Dietmar Glaser

Die Klosterkirche wird saniert. Kosten: etwa 1,2 Millionen Euro. Turm, Dach, Außenfassade und Fenster werden ertüchtigt. Dazu wird die Kirche nach Ostern komplett eingerüstet.

Das Hauptproblem verbirgt sich im Dachstuhl. Dort gibt es Balken, die faulen. Betroffen sind vor allem Balken, welche direkt auf den Außenwänden aufliegen. Probleme gibt es auch dort, wo die Dachfläche einen Knick hat. Balken, die faulen, verlieren ihre Tragkraft.

 

Zwar übernehmen andere Hölzer im Verbund das Tragen, allerdings verteilt sich dadurch die Dachlast ungleich auf die Außenwände. Die Überlastung zeigt sich durch Risse in den Wänden. Das gefährdet die Standsicherheit und darf nicht ignoriert werden.

Umbau im Jahr 1903

Außerdem hat ein Umbau im Jahr 1903 die Längs- und Queraussteifungen des Dachstuhls geschwächt. Hier braucht es zusätzliche Hölzer.

Steinmetze sanieren Fassade Die letzte größere Sanierung der Klosterkirche war in den 1980er-Jahren. Es ist also Zeit, die Außenhülle des Gebäudes zu überprüfen und Fehlstellen am kupfernen Turmhelm, am Ziegeldach und an der Außenfassade zu reparieren.

Die Klosterkirche wird in diesem Jahr für rund 1,2 Millionen Euro saniert. Foto: Glaser

Der Schwerpunkt liegt hier auf der Sandsteinfassade und seinen Fugen. Steinmetze reparieren Stellen mit Auswaschungen, Abplatzungen und Sprüngen an den Steinen. Offene Fugen werden geschlossen. Fugen, die in der Vergangenheit mit falschem Mörtel gefüllt wurden, werden korrigiert. Mit einer sogenannten Steinkartierung hat man im Vorfeld die geschädigten Stellen aufgespürt und auf Plänen festgehalten. Dabei kam auch eine Drohne zum Einsatz.

Fenster mit vielen kleinen Schäden „Eine Sanierung der Fenster war eher ungeplant“, sagte Pfarrer Robert Mađrić-Beer im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ein Fenster-Sachverständiger hat aber viele kleine Schäden festgestellt, die im Zuge der Kirchensanierung nun auch behoben werden.

Dazu werden die Bleiglasfenster ausgebaut, in Werkstätten restauriert und anschließend wieder eingebaut. Das geschieht in mehreren Abschnitten, weil Flächen ohne Fenster vorübergehend mit Holzplatten verschlossen werden. „Die Kirche wäre sonst ganz dunkel“, erklärt Pfarrer Robert Mađrić-Beer.

Die Klosterkirche soll aber für Gottesdienste nutzbar bleiben. Zuletzt bekommen die Fenster eine Schutzverglasung anstatt der bisherigen Schutzgitter.

Rampe zur Toilette Am Ende werden auch die Außenflächen berührt. Das Kopfsteinpflaster unmittelbar an den Außenwänden wird entfernt und durch anderes Füllmaterial ersetzt. Der Grund ist, dass durch Spritzwasser die unteren Bereiche der Außenwände und der Fugen leiden.

„Es gibt offene Fugen, in die man einen Meterstab bis zu 50 Zentimeter tief stecken kann“, erklärte der leitende Architekt Albert Hörz aus Stuttgart. Weil hier in den Boden eingegriffen wird, schauen Archäologen bei den Arbeiten zu.

Zum Abschluss wird die Toilette renoviert. Der Zugang wird mit einer Rampe versehen. Auch wenn die Rampe wegen der örtlichen Verhältnisse etwas steiler sein wird, als es die Norm vorsieht, ist dann das WC barrierefrei erreichbar und behindertengerecht ausgestattet.

Hintergrund Die Hälfte der Sanierungskosten muss die Verbundkirchengemeinde Bad Herrenalb und Bernbach selbst aufbringen. Dieser Eigenanteil ist allein mit Rücklagen und Erlösen aus Grundstücksverkäufen nicht gedeckt.

Es braucht Spenden. Das Stichwort lautet „Sanierung Klosterkirche“. Wer auf der Überweisung seine Anschrift angibt, bekommt ohne Aufforderung eine Spendenbescheinigung zugeschickt.

Nebenbei: Die Sanierung der historischen Klosterkirche, die im 12. Jahrhundert als Teil des Zisterzienserklosters Herrenalb erbaut wurde, erhält einen Zuschuss von 370 000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes.