Gäste aus Kroatien lauschen den Ausführungen von Bernhard Lohner alias Graf von Eberstein. Foto: Zoller

Eine historische Kostümführung zu Ehren des Klostergründers Graf Berthold III. von Eberstein gibt es jetzt in Bad Herrenalb. Start ist am 14. Juni.

In einer Zeit, in der Geschichte oft nur als trockene Fakten und Zahlen im Schulunterricht präsentiert wird, bieten historische Führungen im Kostüm eine willkommene Abwechslung und eine Reise in vergangene Zeiten. Diese spezielle Form der Geschichtsvermittlung erfreut sich zunehmender Beliebtheit, und so werden zum Stadtjubiläum 875 Jahre Bad Herrenalb die bestehenden Nachtwächterwanderungen ergänzt durch eine neue Tour, die den „Schwur des Grafen von Eberstein“ und damit die Ursprünge der Klostergründung beleuchtet.

 

Weltliches Gewand Für alle, die mehr über die Herrenalber Vergangenheit erfahren möchten, schlüpft Bernhard Lohner, bekannt als Stadtführer und Abt Dietrich, dem ersten Oberhaupt des Klosters Herrenalb, nun erstmals in ein weltliches Gewand. Und zwar um Graf Berthold III. von Eberstein, dem Gründer des Klosters Alba Dominorum, Gestalt zu geben.

In seinem imposanten Kostüm schildert Lohner die Motivation seines Namensvetters, das Kloster im Albtal zu gründen, und taucht dabei mit vielen Anekdoten tief in die Geschichte des Mittelalters ein.

Klöster gegründet

Drei Wappen Als Auftakt zur Führung hat Lohner das Rathaus gewählt, denn hier zeigt er drei Wappen, die an der Frontseite prangen und neben dem Zisterzienser-Emblem den doppelköpfigen Adler, das Wappen des Kaisers, ebenso wie die goldene Rose, das Erkennungszeichen der Ebersteiner, zeigt. Als Klostergründer berichtet Lohner alias Graf von Eberstein, dass nicht nur er, sondern auch sein Sohn Eberhard III. von Eberstein und seine Gemahlin Uta ebenfalls Klöster gegründet haben. „Dazu zählen das Kloster Herrenalb, das Kloster Frauenalb, dessen erste Äbtissin Uta meine Tochter war, sowie das Kloster Rosenthal in der Pfalz. Und weil wir so fleißig Klöster gegründet haben, hat uns der Papst diese goldene Rose geschenkt.“

Zweiter Kreuzzug Das schwäbische Adelsgeschlecht, das bis zum Erlöschen der Familie auf der Burg Eberstein in Gernsbach residierte, engagierte sich als Christen in den Kreuzzügen im Heiligen Land. Graf Berthold war einer der Kreuzritter, die vom Zweiten Kreuzzug ins Gelobte Land heil in die Heimat zurückkehrten und in der Folge das Zisterzienserkloster in Herrenalb gründeten.

Die Gründe dafür beschreibt Lohner: „Papst Eugen III. hat 1146 zum Kreuzzug aufgerufen und wir sind mit vielen Heerscharen aufgebrochen.“ Er berichtet über Kämpfe und die Belagerung der Stadt Damaskus: „Das endete kläglich und zum ersten Mal hatte ich Angst um mein Leben. Daher habe ich damals geschworen, wenn ich lebend nach Hause komme, werde ich ein Kloster gründen.“ Doch zwischen seiner Rückkehr und dem Beginn des Klosterbaus verging einige Zeit.

Im Albtal verirrt

Besondere Fügung Recherchen Lohners ergaben, dass es einer besonderen Fügung bedurfte, damit Berthold sein Gelübde einlöste. „Auf einer Jagd im Albtal verirrte ich mich im Wald und war froh, einen Eremiten zu treffen, der mir den Weg aus dem Wald gewiesen hat.“

Dieses Erlebnis mahnte ihn, sein Gelübde aus Damaskus zu erfüllen. Das Hauskloster der Stifterfamilie übergab er den Zisterziensern.

Aus Neuburg im Elsass kamen die Mönche, um das Kloster aufzubauen, und Lohner berichtet Wissenswertes über den Orden und die Lebensweise der Zisterzienser: „Sie lebten nach den strengen Regeln des Heiligen Benedikt und trugen als Kleidung eine einfache und spärliche Verhüllung, bestehend aus einem Unterkleid und einem darüber getragenen knielangen Leibrock mit Ärmeln und Kapuze, der Kukulle.“

Baugeschichte Bei seinem Rundgang durch das Paradies und Klosterareal berichtet er zur Baugeschichte und den ersten Abt des Klosters, Abt Dietrich, dessen Grabplatte noch heute im Chor der Klosterkirche zu sehen ist.

Nach einem Besuch der Sakristei geht es weiter zum einst wichtigsten Raum der klösterlichen Gemeinschaft, dem Kapitelsaal, der neben dem Klostergarten heute nur noch als Relikt durch aufgestellte Säulenbündel zu erkennen ist. Final endet die Führung in der Klosterscheuer, die ein geschichtsträchtiges Bruchstück des einstigen Grabdenkmals von Graf Berthold von Eberstein in einer Bodenvitrine zeigt.

Anmeldung erforderlich Ab Freitag, 14. Juni, starten die Kostümführungen unter dem Titel „Der Schwur des Grafen von Eberstein“ jeweils 14-tägig in Bad Herrenalb (Buchung unter info@badherrenalb.de). Die Kosten belaufen sich auf 15 Euro pro Person. Eine Anmeldung ist erforderlich.