Wilhelm ließ das Kloster 1082 erstellen. Foto: Archiv Hartmann

Das Kloster Hirsau war nicht nur die größte Klosteranlage in Deutschland, sondern auch ein Paradebeispiel dafür, dass das Mittelalter nicht so düster war. Ein Blick auf das Leben und Wirken von Abt Wilhelm von Hirsau (um 1030-1091).

Das Klischee vom finsteren Mittelalter hält sich unverdrossen. Dieses Bild ist dem modernen Forschungsstand der Geschichtswissenschaften zufolge veraltet. Das zeigt sich nahezu exemplarisch in Leben und Wirken von Abt Wilhelm von Hirsau (um 1030-1091).

 

Ausgehend von der burgundischen Abtei Cluny führte Wilhelm die Reform des Klosterlebens in Hirsau weiter. Wie der Rottenburger Konservator Wolfgang Urban schreibt, lebten die Mönche nach den Regeln des heiligen Benedikt. Nach der „Constitutiones Hirsaugienses“ gehörte zu den Leitlinien gegenseitige Rücksichtnahme und Disziplin.

Darüber hinaus war das Wohlfahrtswesen in Hirsau für diese Zeit bestens ausgebaut. Dazu gehörte die Hingabe an die Armen und eine Kultur des Teilens. Das lebte Wilhelm selbst vor. Das Kloster stand allen Ständen offen. So fand dort das starre mittelalterliche Ständesystem seine Grenzen, wie Urban schreibt. Allerdings stand das Leben der Mönche auch unter einer nahezu totalen Kontrolle.

Er legte viel Wert auf geregelten Tagesablauf

Zudem hat Wilhelm darauf geachtet, das nach den Regeln des heiligen Benedikt sich der Tag in acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und acht Stunden Schlaf aufteilen sollte. Für Klaus-Peter Hartmann, Calwer Autor des Buches „Die Hirsauer Klosterlandschaft“, ein Vorbote des europäischen Arbeitsethos.

Bis heute haben die Klosterreformen von Cluny und Hirsau eine europäische Dimension. Schon damals bildeten sich auf dem Kontinent nach dem Vorbild der Reformen neue Klöster. Und es läuft ein Antrag, dass Hirsau und Cluny zum immateriellen Kulturerbe bei der Unesco werden sollen.

Trennung zwischen Kirche und Staat

Das alles hat letztlich eine weltgeschichtliche Dimension. Ausgang der kirchlichen Reformbewegung des 11. und 12. Jahrhunderts, die von Papst Gregor VII. ausging, war der Kampf gegen Ämterkauf, Priesterehe und der Investitur Geistlicher durch Laien. In der Folge wollte Gregor VII. die geistliche Macht aus der Abhängigkeit der weltlichen Herrschaft lösen und fand in Wilhelm einen Verbündeten.

„Der Hirsauer Abt war die Stütze der Gregorianer in Deutschland“, schreibt der Historiker Michael Buhlmann. Letztlich ist auf diese historische Auseinandersetzung die Trennung zwischen Kirche und Staat zurückzuführen.

Die damals größte Klosteranlage Deutschlands

Wilhelm kam als Kind ins Kloster St. Emmeram in Regensburg und erwies sich als hochbegabt. Er galt als herausragender Wissenschaftler auf den Gebieten Philosophie, Astronomie und Musiktheorie. 1082 ließ er in Hirsau ein neues Kloster erstellen. Wilhelm erlebte 1091 die Fertigstellung noch.

Es war die damals größte Klosteranlage in Deutschland entstanden.