Manfred Wörner plant, das Wissen über das historische Gebäude für die Nachwelt zu erfassen soll. Die Kirchengemeinde hofft, das Kloster mehr ins Bewusstsein der Binsdorfer zu rücken.
„Erinnerungen sammeln“ nennt sich das Projekt, das der in Isingen wohnende Manfred Wörner mit Unterstützung der Binsdorfer auf die Beine stellen will. Das Kloster kennt er inzwischen gut: Seit September bietet der zertifizierte Kirchenführer dort auch Führungen an.
Worum geht es dabei?
„Wir suchen Erinnerungen, aber auch Menschen, die mit älteren Einwohnern Gespräche führen und deren Erinnerungen festhalten“, erklärt Wörner. Das Konzept „Oral history“, zu Deutsch: „mündlich überlieferte Geschichte“, kennt er aus der Kirchenführerausbildung. Schriftlich und falls möglich auch als Audio-Aufnahme sollen die Beteiligten Interviews mit Binsdorfern führen, die über ihre persönlichen Erinnerungen an das Kloster und dessen Vergangenheit erzählen.
Auch Erinnerungen in Gestalt von Bilder, Zeichnungen, Gegenständen sind willkommen: „Die Frage ist dann: Überlässt uns das jemand?“ Das muss jeweils vom Interviewer geklärt werden.
Was soll erreicht werden?
Ein zentrales Anliegen sei, dass diese Erinnerungen nicht verloren gehen, sagt Regina Günzel, die gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Deshalb sollen die Berichte der Befragten mit Interview-Protokollen festgehalten werden, die sich später einheitlich auswerten lassen.
Ein weiteres Ziel sei, so Günzel, „das Kloster wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, damit die Beziehung, die früher einmal bestand, heute wieder auflebt.“
Das, ergänzt Wörner, sei auch Anliegen der Erinnerungspädagogik: Aus der gemeinsamen Erinnerung eines Orts soll die Inspiration zu neuen Ideen für diese Stätte gewonnen werden.
Beim Binsdorfer Kloster, der Stätte, um die es bei diesem Projekt geht, sind solche Ideen besonders wichtig: Die Diözese knüpft die weitere Sanierung daran, dass ein Konzept entsteht, wie dieses „Herzstück“ des historischen Binsdorf künftig genutzt werden könnte.
Wann geht es los?
Am Mittwoch, 12. Februar, stellt Wörner ab 19.30 Uhr das Projekt allen daran Interessierten vor. Treffpunkt ist der ehemalige Konventsaal, das sogenannte Markusheim.
Wer kann mitmachen?
Willkommen sind nicht nur Bürger, die „Erinnerungen sammeln“ wollen, sondern auch jene die selbst etwas über das Kloster erzählen können. Für Wörner und Günzel ist wichtig, dass die Gespräche mit letzteren von Einheimischen geführt werden, vielleicht sogar Verwandten: Gegenüber diesen seien die „Erzähler“ vermutlich offener als gegenüber Auswärtigen. Nach der Projektvorstellung soll es einen weiteren Termin geben, bei dem die „Interviewer“ für ihre Aufgabe geschult werden.
Wörner findet: „Es ist hier noch Bedarf an Leuten, die sich engagieren.“ Beispielsweise für den geplanten Förderverein, aber auch um das Baudenkmal bekannter zu machen.
Wie kam alles zustande?
Der gebürtig aus Esslingen stammende Wörner sagt, er habe sich schon immer für Kirchen, Baustile und klösterliches Leben interessiert. Über den Architekten Timo Raible kam er mit dem Kloster Binsdorf in Kontakt und begann beim Tag des offenen Denkmals mit Führungen dort.
Dabei sprachen ihn gleich zwei Binsdorfer an und erwähnten: „Ich hab da noch eine Geschichte...“ So sei aus dem Blauen heraus die Idee zum Projekt entstanden. Er stellte dieses dem Kirchengemeinderat vor – jetzt geht es an die Umsetzung.
Wie geht es weiter?
Etwa ein halbes Jahr lang sollen die Erinnerungen in Wort und Ton gesammelt, ausgewertet und dann öffentlich vorgestellt werden. Aufnahmen, Texte und Bilder könnten irgendwann eine Ausstellung oder ein Buch ergeben. Günzel überlegt, das sanierte Kloster mit QR-Codes zu bestücken, über die Audio-Aufnahmen abgespielt werden können.
Weitere Informationen gibt es bei Manfred Wörner, info@manfred-woerner.com, und Regina Günzel, regina.guenzel@arcor.de.