Professor Claude Krier will sich weiterhin im Klinikum engagieren. Foto: Peter Petsch

24 Jahre war der Klinische Direktor Claude Krier im Klinikum Stuttgart tätig. Nun geht der 65-Jährige mit einem guten Gefühl in den Ruhestand. Ein Gespräch über die Verantwortung, den Umgang mit Fehlern und die Planung des Ruhestands.

24 Jahre war der Klinische Direktor Claude Krier im Klinikum Stuttgart tätig. Nun geht der 65-Jährige mit einem guten Gefühl in den Ruhestand. Ein Gespräch über die Verantwortung, den Umgang mit Fehlern und die Planung des Ruhestands.
Stuttgart - Herr Professor Krier, wie viele Stunden hat Ihr Arbeitstag?
Das ist ein mehr als Acht-Stunden-Tag. Aber ich möchte darüber gar nicht reden, weil sich das immer so anhört, als hätte man den großen Helden gespielt.
Mit welchem Gefühl gehen Sie in den Ruhestand?
Das ist schon eine abrupte Veränderung. Ich werde aber nicht völlig aufhören, mich bei Belangen rund um das Klinikum zu engagieren. Ich werde meine Erfahrung in Projekte einbringen, die ich noch nicht nennen kann. Ich werde aber in dritter Reihe und nicht in erster Reihe wie bisher agieren. Ich habe einen sehr guten Nachfolger, dem ich voll vertraue. Ich werde nicht damit anfangen, gute Ratschläge zu erteilen.
Also haben Sie keine Angst vor einer Leere?
Nein, ich gehe mit einer großen Freude und Ruhe und auch mit einer gewissen Erleichterung. Angst, dass ich ins Leere fallen werde, habe ich nicht. Ich habe mich auf diesen Schritt gut vorbereitet, das ist wichtig.
Wie kann man sich Ihren bisherigen Arbeitsalltag als Klinischer Direktor vorstellen?
Das Aufgabenfeld ist ein sehr vielfältiges: Es geht um strategische Planungen. Darum, wie man das Klinikum im Wettbewerb positioniert. Das geht über Qualität, Patientensicherheit und Personalentscheidungen. Man muss sich mit dem Budget beschäftigen. Es geht aber auch um Baumaßnahmen. Wir haben im Klinikum in den letzten Jahren nie aufgehört zu bauen. Langeweile ist nicht aufgekommen, auch keine Routine. Das hat es spannend gemacht.
Konnten Sie das Spannungsfeld zwischen Patientenwohl und wirtschaftlichem Druck lösen?
Das ist eine schwierige, aber nicht unlösbare Aufgabe. Krankenhäuser mit Maximalversorgung stehen unter einem enormen wirtschaftlichen Druck. Wir haben die Aufgabe der vollumfänglichen Versorgung. Das geht vom frühgeborenen Säugling bis zum polittraumatisierten Patienten. Unser Leitgedanke bleibt, dass wir jedem Patienten zu jeder Zeit eine qualitativ hochwertige Behandlung anbieten.
In welchen Bereichen haben Sie die Qualität verbessern können?
Qualitätssicherung hat damit zu tun, wie man Fehler vermeiden kann. Hier haben wir zum Beispiel ein System eingeführt, bei dem man Beinahe-Fehler anonym melden kann, um daraus zu lernen. Qualitätssicherung bedeutet auch, dass man die Expertise von ganz unterschiedlichen Fachrichtungen für einen Patienten einholt. Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, diesen Gedanken der fachübergreifenden Versorgung eines Patienten zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist die interdisziplinäre Notaufnahme.
Sie waren fast 20 Jahre lang Leitender Notarzt in Stuttgart. Kann man sich diese Arbeit wie in den Arztserien im Fernsehen vorstellen ?
Es muss alles schnell gehen und man muss mit den wenigen Mitteln, die man zur Verfügung hat, eine erste richtige Diagnose stellen und versuchen, den Patienten zu stabilisieren. Es geht häufig um Leben und Tod. Das ist schon stressig. Es erfordert eine gute Ausbildung der Ärzte vor Ort. Und es erfordert eine logistische Leistung, die in Stuttgart sehr gut gelungen ist. Es ist schon eine harte Arbeit, aber das hat mit den Filmen, die man so kennt, wenig zu tun. Das sind Profis und es ist nur halb so aufregend, wie es manchmal dargestellt wird.
Waren Sie erleichtert, als Sie den Operationssaal gegen den Schreibtisch eintauschen konnten?
Nein. Man ist zwar nicht mehr am Patienten selbst tätig, aber man trägt trotzdem eine große Verantwortung. Ich habe den Kontakt zu den Patienten nicht verloren. Deshalb habe ich diesen Schritt auch nie bereut.
Wie geht man mit dieser Verantwortung um?
Indem man etwas tut. Ärzte und Pflegepersonal müssen ordentlich ausgebildet werden, damit Fehler vermindert werden. Man muss dafür sorgen, dass möglichst nie ein Patient zu Schaden kommt. Aber das lässt sich nicht ganz ausschließen.
Was macht man, wenn doch Fehler passieren?
Offensiv damit umgehen. Fehler unter den Teppich zu kehren, ist der falsche Weg.
Welche Aufgaben kommen auf Ihren Nachfolger zu?
Er muss die Bauvorhaben aus medizinischer Sicht begleiten. Außerdem ist es wichtig, weiterhin die Zusammenarbeit zwischen den Fachgruppen, aber auch zwischen Ärzten und Pflegern zu fördern. Die Herausforderung zwischen den immer knappen Ressourcen und der Qualitätssicherung muss er meistern. Nicht alles kann daran gemessen werden, ob es Geld bringt.
Haben Sie Pläne für die Freizeit im Ruhestand?
Ich habe das Golf spielen vor etwa 15 Jahren angefangen, kam aber so selten dazu, dass meine Performance furchtbar ist. Dafür möchte ich gern mehr Zeit haben. Außerdem freut sich die Familie.
Werden Sie in Stuttgart bleiben?
Ich werde in dieser Stadt bleiben, die ich seit 24 Jahren kenne und sehr lieb gewonnen habe. Wir werden jetzt sicherlich viel mehr kulturelle Angebote nutzen können. Ansonsten bin ich auch ein leidenschaftlicher Leser und Hobbykoch, da gibt es also zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten.