Großes Interesse herrscht an der Zukunft des Klinikums in Donaueschingen. Ärzte sprechen sich gegen ein Ende des Hauses aus. Ein Gegengutachten kommt im März heraus.
Die drohende Schließung des Klinikstandorts brennt den Donaueschingern unter den Fingernägeln: Das 250-Betten-Haus gehört seit 2004 zur Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH (SBK). Träger sind der Schwarzwald-Baar-Kreis und die Stadt Villingen-Schwenningen.
Der CDU-Stadtverband hatte am Montag einen Informationsabend organisiert, um Bürger über den aktuellen Stand zu informieren und gemeinsam zu diskutieren. Und das Interesse war enorm.
Der Nebenraum im Hotel „Grüner Baum“ in Donaueschingen war voll besetzt, rund 60 Bürger waren vor Ort. „Dieses zahlreiche Publikum zeigt die Brisanz und Aktualität des Themas“, begrüßte CDU-Gemeinderat Martin Lienhard die Anwesenden.
Eike Walter, CDU-Mitglied und Gemeinderat, war selbst jahrelang Chefarzt am SBK. Er hat sich durch das 80-seitige Gutachten, das unter anderem die finanzielle Situation und Zukunftsoptionen des SBK unter die Lupe nimmt und seit Herbst 2025 vorliegt, gekämpft.
Notfallversorgung in Donaueschingen abgeschrieben
Beim Informationsabend erörtert er die Ausgangslage. „Die Rahmenbedingungen für den Erhalt des hiesigen Standorts sind nicht einfach. Die Notfallversorgung in Donaueschingen ist ohnehin bereits abgeschrieben, diese wird es künftig nicht mehr geben“, warnt er davor.
Es gebe zwei Auslöser für die Entscheidung über eine Schließung des Standorts: zum einen das neue Gesetz zur Krankenhausversorgungsverbesserung (KHVVG), die Krankenhausreform. „Zum anderen ist es notwendig, das Schwarzwald-Baar-Klinikum zukunftsfähig und finanziell solide aufzustellen.“
Zwei Optionen stehen laut einem Gutachten mittlerweile im Raum. Entweder: Der Standort Donaueschingen würde langfristig als orthopädische Fachklinik betrieben. Oder die zweite Option: Der Standort Donaueschingen würde als orthopädische Fachklinik geführt werden bis ins Jahr 2031. Ein Anbau am Standort Villingen-Schwenningen würde realisiert werden – mit einem Zuschuss aus einem Fördertopf, der laut Prognose im Gutachten wohl 70 Prozent der Baukosten deckt. Ab etwa 2031 würden alle Fachabteilungen von Donaueschingen nach Villingen-Schwenningen umziehen.
Erhalt der Arbeitsplätze gefordert
Doch welche Auswirkungen hätte die gefürchtete zweite Option der schrittweisen Schließung bis 2031? Eike Walter appelliert: „Wir müssen die Arbeitsplätze hier bei uns erhalten.“
Guido Wolf, Landtagsabgeordneter der CDU im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen und derzeit Landtagskandidat, moderiert die anschließende Diskussion. Michael Blaurock, Grünen-Fraktionssprecher und selbst Arzt im Ruhestand, der in der Rehaklinik Sonnhalde tätig war, ergänzt: „Nicht nur die Arbeitsplätze im Klinikum würden wegfallen – auch auf die Reha- und Nachsorgekliniken in Donaueschingen hätte die Schließung Auswirkungen, auch diese Arbeitsplätze muss man in die Rechnung mit einkalkulieren“, prognostiziert er.
Mitarbeiter haben bereits gekündigt
Gisela Rösch ist selbst am Donaueschinger Klinikum beschäftigt. Sie plaudert aus dem Nähkästchen: „Zwölf Mitarbeiter haben aufgrund dieser Schließungsdiskussion bereits gekündigt.“ Martina Wiemer, SPD-Mitglied und Ex-Gemeinderätin, appelliert: „Das hiesige Krankenhaus darf man nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewerten. Für viele Donaueschinger hat das Krankenhaus auch einen emotionalen Wert.“ Sie erntet lauten Applaus.
Roland Erndle, Kreisrat und FDP-Gemeinderat, macht deutlich: „Wir haben unsere Hausaufgaben bereits gemacht“, eine ganze Reihe von Klinikstandorten seien im Landkreis in den vergangenen Jahren bereits geschlossen worden. Und er stellt die im Gutachten skizzierte Finanzierung des Neubaus in Villingen-Schwenningen infrage: „Ich halte die Förderquote von 70 Prozent aus dem Transformationstopf für illusorisch und Schönfärberei. Zuerst werden andere Bundesländer aus diesem Bundes-Fördertopf von 50 Milliarden bedient. Für Baden-Württemberg wird da nicht mehr viel übrig bleiben – ich schätze maximal 60 Prozent.“ Guido Wolf stimmt zu: „Diejenigen, die ihre Hausaufgaben bereits gemacht haben, sollten nicht abgestraft werden.“
Probleme bei weiterer Seuche oder im Kriegsfall
Noch einen weiteren wichtigen Punkt bringt Franz Aßbeck, Mitglied beim SBK-Freundeskreis, an: Die Konzentration der stationären Versorgung auf nur einen Standort wurde aus seiner Sicht noch nicht betrachtet. „Wir leben in schwierigen Zeiten. Im Falle einer weiteren Seuche oder im Kriegsfall stehen wir mit nur einem Klinikstandort in Villingen-Schwenningen vor Problemen.“
Die Donaueschinger Gemeinderatsfraktionen von CDU, FDP/FW, GUB und Grünen haben im Dezember 2025 einen gemeinsamen Antrag eingereicht, in dem gefordert wird, das umstrittene Gutachten zur künftigen Klinikstruktur im Kreis von unabhängigen Fachleuten überprüfen zu lassen. Ein Gutachter wurde bereits beauftragt, in den nächsten Tagen soll dessen Ergebnis vorliegen, wie Bürgermeister Severin Graf berichtet. Voraussichtlich im März soll das Gegengutachten öffentlich vorgestellt werden.
So geht es weiter
Krankenhausstruktur
Im Laufe des Jahres 2026 entscheiden der Gemeinderat Villingen-Schwenningen und der Kreistag über die Zukunft des Donaueschinger Standorts. Der Donaueschinger Gemeinderat ist hier kein Entscheidungsgremium. Das Landratsamt, die Stadt Villingen-Schwenningen und das Schwarzwald-Baar-Klinikum laden gemeinsam zu einer Informationsveranstaltung zur Krankenhausstruktur im Schwarzwald-Baar-Kreis ein: am Mittwoch, 15. April, um 18.30 Uhr in den Donauhallen in Donaueschingen. Unter anderem werden beteiligte Fachleute anwesend sein.