Fachleute und Lokalpolitiker äußerten sich in der Donauhalle zum aktuellen Stand der Debatte um die Zukunft des Krankenhauses – mit eindeutiger Tendenz.
Der Klinikstandort Donaueschingen steht weiter auf der Kippe – und doch bleibt er für viele Menschen sichtbar von großer Bedeutung. Rund 200 Besucherinnen und Besucher sind am Mittwochabend, 15. April in die Donauhallen gekommen, um zu hören, wie es mit ihrem Krankenhaus weitergehen könnte.
Auf dem Podium waren Landrat Sven Hinterseh, die Oberbürgermeister Jürgen Roth (Villingen-Schwenningen) und Erik Pauly (Donaueschingen), Klinikgeschäftsführer Matthias Geiser, Chefarzt Matthias Henschen sowie die Gutachter Jonathan Unger (WMC Healthcare) und Marco Bleistein (HSC Partners). Sie stellten das zweite, von der Stadt Donaueschingen beauftragte Gutachten zur Zukunft des Klinikstandorts vor und beantworteten Fragen der Moderation.
Bleistein machte gleich zu Beginn deutlich, dass seine Plausibilisierungsstudie den Kurs des ersten Gutachtens im Kern bestätigt. „Letztendlich sind wir zu der gleichen Einschätzung gekommen, wie das Gutachten von WMC. Wir haben verschiedene Annahmen getroffen – aber selbst im günstigsten Fall ist eine Konsolidierung des hiesigen Standorts und eine Zusammenlegung der Standorte aus wirtschaftlicher Sicht unausweichlich“, sagte er auf der Bühne. Diese klare Aussage markierte den Ton der Veranstaltung, die stark von finanz- und strukturpolitischen Zwängen geprägt war.
Keine eigene Notaufnahme mehr
Ausgangspunkt von Diskussion und Gutachten sind die bereits eingeleiteten Strukturveränderungen im Schwarzwald-Baar Klinikum. Der Standort Donaueschingen wird derzeit zu einer orthopädischen Fachklinik umgebaut, wichtige Bereiche wie das Lungenzentrum mit Intensivmedizin und die Altersmedizin wandern nach Villingen-Schwenningen. Eine eigene Notaufnahme in Donaueschingen soll es künftig nicht mehr geben.
Offen ist politisch weiterhin die zentrale Frage: Bleibt Donaueschingen dauerhaft als spezialisierte Orthopädie-Klinik bestehen – oder werden mittelfristig alle stationären Leistungen nach Villingen-Schwenningen verlagert?
Das ursprüngliche WMC-Gutachten hatte die vollständige Konzentration der Akutversorgung am Hauptstandort als wirtschaftlich beste Lösung beschrieben; das zweite Gutachten bekräftigt dies und beziffert den finanziellen Vorsprung einer Schließungs- und Konzentrationsvariante bis 2035 auch unter veränderten Annahmen weiterhin auf mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag.
Das sagt OB Erik Pauly
Politisch ist die Lage damit alles andere als einfach. Donaueschingens Oberbürgermeister Erik Pauly stellte sich am Mittwoch dennoch klar hinter den Prozess. „Es sind sachliche Entscheidungen, die getroffen werden müssen – auch wenn sie schmerzhaft sind“, sagte er auf dem Podium. Damit spielte er auf die Spannbreite an, die sich zwischen dem Wunsch nach wohnortnaher Versorgung und den harten Vorgaben von Krankenhausreform, Investitionsstau und Personalmangel auftut.
Auch Klinikgeschäftsführer Matthias Geiser verwies auf die Übereinstimmung der Gutachten. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, aber beide Gutachten tendieren in eine Richtung“, sagte er. Er machte zugleich deutlich, dass es nicht nur um Zahlen gehe, sondern auch um die Frage, wie ein modernes Klinikum künftig aufgebaut sein müsse, um medizinisch leistungsfähig zu bleiben und Personal zu halten.
Bundesweite Krankenhausreform
Im Hintergrund der Debatte steht die bundesweite Krankenhausreform mit neuen Leistungsgruppen und strengeren Strukturvorgaben, die auch im Schwarzwald-Baar-Kreis zu einer weiteren Bündelung führen müssen. So muss auch der Standort Donaueschingen innerhalb der nächsten Jahre gesetzeskonform neu aufgestellt werden.
Die neue Plausibilisierungsstudie beschreibt in ungewohnter Klarheit, dass ein Weiterbetrieb selbst als kleine Fachklinik nur unter gleichzeitiger Erfüllung mehrerer unsicherer Bedingungen denkbar wäre. Zusammenkommen müssten unter anderem höhere Fallzahlen, mehr Ambulantisierung, Fördermittel und bauliche Investitionen.
Ohne tiefgreifende strukturelle Änderungen und erhebliche öffentliche Unterstützung bleibe Donaueschingen wirtschaftlich im Minus. Die Konzentration in Villingen-Schwenningen entlaste hingegen die Kasse und steigere die medizinische Schlagkraft am Hauptstandort.
Der Zeitplan
Grundsatzentscheidung
Die Informationsoffensive von Kreis, Stadt Villingen-Schwenningen und Schwarzwald-Baar-Klinikum soll die politischen Gremien auf eine Grundsatzentscheidung im Mai vorbereiten. Dann wollen Kreistag und Gemeinderat Villingen-Schwenningen darüber beraten, ob Donaueschingen als orthopädische Fachklinik bestehen bleibt – oder ob mittelfristig alle Fachabteilungen an den Hauptstandort umziehen sollen. Am 11. Mai findet die Kreistagssitzung statt.