Claudia Bauer-Rabe hat zum 1. Februar den Chefposten im Ortenau-Klinikum übernommen. Bei einer Feierstunde am Mittwoch bekräftigte sie, die Klinikreform Agenda 2030 konsequent weiterzuführen – die Strategie aber an neue Entwicklungen anzupassen.
„Ich darf heute Teil der Familie des Ortenau-Klinikums werden und in die großen Fußstapfen meines Vorgängers treten“, betonte Claudia Bauer-Rabe in ihrer Ansprache. Gemeinsam mit Kathleen Messer (Pflege) und Peter Kraemer (Medizin) bildet sie den Vorstand eines der größten öffentlichen Klinikverbünde in Deutschland, heißt es in einer Mitteilung des Klinikums.
Tatsächlich hat Bauer-Rabe von ihrem Vorgänger Christian Keller nicht nur mit 6000 Beschäftigten die Leitung eines der größten Arbeitgebers in der Ortenau übernommen, sondern auch das Mammutprojekt Agenda 2030.
Die Neuordnung der Ortenauer Kliniklandschaft sieht Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro in die Gesundheitsversorgung im Kreis vor. Bis 2030 sind drei Klinikneubauten und die Einrichtung von Zentren für Gesundheit vorgesehen.
Neue Chefin bringt 29 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen mit
In der Umsetzung der Klinikreform sehe sie die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre. „Hier ist tolle Vorarbeit geleistet worden“, betonte Bauer-Rabe am Mittwoch. Es werde darauf ankommen, die Strategie an neue Entwicklungen anzupassen. In diesem Zusammenhang werde es eine wichtige Aufgabe sein, den Klinikverbund optimal auf die beschlossene Krankenhausreform vorzubereiten wie auch die Medizinstrategie entsprechend in Nuancen anzupassen.
Sie wolle ihre Erfahrung aus 29 Jahren im Gesundheitswesen einbringen, um den eingeschlagenen Weg der Bündelung der Klinikstrukturen erfolgreich weiterzugehen und freue sich „auf das Miteinander in stürmischen Zeiten“. Vor allem in den vergangenen Monaten war das Klinikum wegen seines ausufernden Betriebskostendefizits in finanzielle Schieflage geraten.
Für 2024 rechnet die Verwaltung mit einem Minus von 40 bis 45 Millionen Euro, für das laufende Jahr soll das Defizit ähnlich hoch ausfallen. Kreis und Klinikum sehen das Problem in den steigenden Personalkosten und der fehlenden finanziellen Unterstützung von Bund und Land. Ab 2030 soll das Klinikum insgesamt wieder auf wirtschaftlichen Kurs gebracht werden.
Neue Chefin will zunächst alle Kliniken besuchen
Gegenüber den rund 6000 Beschäftigten des Klinikums kündigte die neue Vorstandsvorsitzende an, in den kommenden Tagen alle Kliniken aufzusuchen, den Dialog mit den Beschäftigten zu suchen und vor allem auch das Gespräch zwischen den Generationen fördern zu wollen.
„Nur zusammen sind wir stark und werden kommende Herausforderungen gemeinsam meistern können“, versicherte Bauer-Rabe. Darüber hinaus kündigte sie an, mit allen Akteuren im Ortenauer Gesundheitsbereich das Gespräch zu suchen und eine enge Vernetzung anzustreben. „Für die Zukunft des Ortenau-Klinikums setze ich daher auf den weiteren Ausbau der Vernetzung der regionalen Gesundheitsdienstleister im Ortenaukreis.“
Landrat findet lobende Worte für neue Chefin
Landrat Thorsten Erny betonte bei der Feierstunde die große Erfahrung und Qualifikation der neuen Vorstandsvorsitzenden: „Wir haben eine erfahrene und hoch qualifizierte Klinikmanagerin für diese verantwortungsvolle Position gewinnen können.“ Er freue sich, dass der Vorstand wieder komplett sei.
Die Klinikleitung sehe er nun wieder exzellent aufgestellt: „Wir sind davon überzeugt, dass die hohe Fachkompetenz von Frau Bauer-Rabe und ihre positive Persönlichkeit ein großer Gewinn für die Weiterentwicklung des Ortenau-Klinikums sind. Frau Bauer-Rabe ist eine ideale Besetzung für diese herausfordernde Aufgabe in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.“ Zur Bewältigung dieser Herausforderungen sagte der Landrat eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Träger – dem Ortenaukreis – zu und wünschte der neuen Vorstandsvorsitzenden „viel Erfolg und stets eine glückliche Hand.“
Peter Kraemer gab einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Gesundheitsversorgung in der Ortenau, „die eine langjährige Erfolgsgeschichte ist“. Heute versorge das Klinikum im Jahr rund 64 500 Patienten stationär und rund 190 000 Patienten ambulant. Die Zahl der stationären Operationen liege bei rund 27 000 und 130 000 Patienten erhielten eine Versorgung in den Notaufnahmen des Klinikums. Diese imposanten Zahlen und Fakten belegten die hohe Leistungsfähigkeit des Klinikums, so Kraemer.
Mehr als 6000 Beschäftigte
Das Ortenau-Klinikum umfasst aktuell noch vier Kliniken mit insgesamt sechs Betriebsstellen. Mehr als 6000 Beschäftigte, darunter rund 680 Ärzte und mehr als 2200 Pflegekräfte, versorgen laut Zahlen des Klinikverbunds pro Jahr rund 64 500 Patienten stationär und über 190 000 Patienten ambulant. In den drei Geburtshilfen des Klinikverbundes kamen 2024 mehr als 3600 Neugeborene zur Welt. Zum Klinikverbund zählt ebenfalls das Pflege- und Betreuungsheim Ortenau mit mehr als 330 Bewohnern. In der Einrichtung werden ältere und pflegebedürftige als auch geistig behinderte, psychisch kranke sowie alkoholkranke Menschen in verschiedenen Wohnformen betreut. Der Kreis als Träger des Klinikums – konkret der Kreistag – hat 2018 die Klinikreform Agenda 2030 beschlossen.