Das Dreiland-Klinikum soll nächstes Jahr seinen Dienst aufnehmen. Foto: sander.hofrichter architekten Gmbh

Die Kliniken GmbH hat am Montag eine neue Baukostenprognose vorgestellt: Demnach steigt das Budget von zuletzt 450 Millionen auf 512,8 Millionen Euro.

Die gute Nachricht: Das Zentralklinikum startet dieses Jahr in die Fertigstellung, schon nächstes Jahr soll das hochmoderne Krankenhaus seinen Dienst aufnehmen. Die schlechte Nachricht: Der Neubau wird nach aktuellem Stand rund 59 Millionen Euro teurer. Die am Montag im Landratsamt vorgestellte Baukostenprognose geht von insgesamt 513 Millionen Euro aus. Im Juni 2019 waren noch 314 Millionen für den Bau des Zentralklinikums im Lörracher Entenbad veranschlagt. Zuletzt lag das Budget bei 450 Millionen Euro, wie Klinikenchef Udo Lavendel beim Pressegespräch erklärte.

 

Thema ist komplex

Man sei davon ausgegangen, im Dezember alle Zahlen und somit eine Prognose vorliegen zu haben. Doch das habe sich verzögert, verwies Landrätin Marion Dammann auf die Komplexität des Themas. Viele Rahmenbedingungen hätten sich im Laufe der Zeit geändert, kommentierte sie die neue Baukostenprognose, an der sich bei einem Vergabestand von 95 Prozent nicht mehr viel verändern werde. „Überraschungen wird es wohl keine mehr geben“, so Dammann weiter, die nach wie vor hinter dem Klinikneubau stehe. „Trotz der verlängerten Bauzeit einzelner Gewerke und notwendiger Anpassungen bleiben wir auf Kurs und eröffnen nach Abschluss der Testphasen und Abnahmen im Frühjahr 2027 ein in jeder Hinsicht hochmodernes Dreiland-Klinikum“, lautete ihre Botschaft.

Mehrere Faktoren

Berücksichtigt wurden erwartete Mehrkosten durch gestiegene Löhne und Baupreise, zusätzliche Anforderungen aus der Medizinstrategie sowie gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsstandards für kritische Infrastrukturen.

Unerwartet entstanden weitere Kosten, nachdem der Generalplaner die Fertigstellungsdauer der Gewerke zur Umstellung auf eine ökologische Wärmeversorgung von sechs auf 18 Monate korrigierte. Als verbindlicher Fertigstellungstermin wurde der 31. Dezember mit den bauausführenden Unternehmen vereinbart, wie weiter zu erfahren war.

Nicht ungewöhnlich

Die Kostensteigerungen seien nicht ungewöhnlich für solche Großprojekte. Im Vergleich zu anderen Klinikneubauten in Deutschland weise man noch eine gute Kosteneffizienz auf, ergänzte Lavendel. Während man in Lörrach bei 700 000 Euro pro Bett liege, seien es bei anderen Projekten mehr als eine Million Euro. „Das tut weh, aber im Gesamtbenchmark liegen wir noch gut“, sagte der Kliniken-Geschäftsführer vor Medienvertretern.

Mit Blick auf die Finanzierung müsse viel mit Eigenmitteln und durch Kredite getragen werden, denn die Länder hätten sich von der dualen Finanzierung der Kliniklandschaft verabschiedet, monierte Lavendel, bevor er auf die Gründe der Kostensteigerung des Neubaus einging.

Krieg hat Folgen

Zwei wesentliche Punkte schlugen ihm zufolge zu Buche: Wegen des Ukrainekriegs stieg der Baupreisindex, was zu einer Verteuerung von 105,4 Millionen Euro führte. Punkt zwei: Mit dem Umstieg auf Geothermie kam es zu Neuplanungen, die eine Kettenreaktion ausgelöst hätten. Das habe zu Mehrkosten von 35 Millionen Euro geführt, so Lavendel, der weitere Faktoren nicht unerwähnt ließ: Neue gesetzliche Sicherheitsanforderungen während der Bauzeit hätten ebenfalls umgesetzt werden müssen. „Wir mussten weitere sicherheitstechnische Redundanzen schaffen. Der Gesetzgeber hat die Anforderungen verschärft.“

Und bei der Digitalisierung habe man eine rasche Entwicklung beobachtet, dementsprechend sei die Infrastruktur angepasst worden. „Wenn wir in Betrieb gehen, müssen wir gerüstet sein“, so Lavendel.

„Die Erfahrung zeigt, dass es wirtschaftlicher ist, bereits während der Bauphase umzuplanen und notwendige Anpassungen vorzunehmen, als später im laufenden Betrieb mit hohem Aufwand umbauen zu müssen – etwa durch das Öffnen von Decken und Wänden“, erläuterte Thomas Schumacher, Direktor Facility Management und Projektleiter. „Alle, die Krankenhäuser im Betrieb umbauen müssen, wissen, wie mühsam, kostenintensiv und zugleich extrem belastend dies für Patienten sowie für die Mitarbeiter ist.“

Politik macht Vorgaben

Was im Zahlenwerk ebenfalls zum Tragen kommt: gesundheitspolitische Vorgaben, eine zunehmende Ambulantisierung und Anpassungen der Medizinstrategie. Diese setzt auf eine Spezialisierung der Fachabteilungen in interdisziplinäre medizinische Organzentren sowie sektorenübergreifende Versorgungsangebote. Dafür seien bauliche Anpassungen der ursprünglichen Planung aus dem Jahr 2017 notwendig geworden. Ohne ein rechtzeitiges Eingreifen hätte man am Ende einen Neubau, der nicht mehr den Vorgaben entsprechen würde, wie Lavendel betonte.

Kreistag gefragt

Nun ist der Kreistag gefragt, der an seiner Sitzung am Mittwoch im Landratsamt über die Übernahme der außerplanmäßigen Mehrkosten in Höhe von 59 Millionen Euro und somit über die Erhöhung des Gesamtbaukostenbudgets auf rund 513 Millionen Euro entscheiden wird. Bereits eingepreist wurden „Chancen“ wie Einsparmaßnahmen, Rückvergütungen durch Schadensersatzansprüche und Vorleistungen für Grundstücke, Versorgungszentrale, Infrastuktur und Außenanlagen für das Zentrum für Seelische Gesundheit auf dem Campus, wie die Landrätin auf Nachfrage erklärte.

Weitere Kosten

Im Baukostenbudget noch nicht enthalten sind erforderliche Vergaben im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des Dreiland-Klinikums, wie zum Beispiel Einrichtung und Ausstattung, lose Medizintechnik und Mobiliar sowie Umzugskosten in Höhe von insgesamt 22,3 Millionen Euro, für die ebenfalls noch die Finanzierung sichergestellt werden muss.

Die Kliniken GmbH schreibt derzeit rote Zahlen, erwartet aber durch den Neubau des Zentralklinikums langfristig wieder schwarze Zahlen. Auf operativer Ebene sollen sich die Mehrkosten nicht negativ auswirken, so Lavendel. Die Abzahlung der Verbindlichkeiten werde sich aber im Gesamtbudget der Kreiskliniken niederschlagen.