"Ja, der Vorführ-Effekt!" Günter Hiller lacht. Obwohl der Anlass für das Gespräch vor den Toren des Nagolder Kreiskrankenhauses alles andere als komisch ist: Hiller will über das Dauerärgernis Behindertenparkplätze reden. Oft stehen unberechtigte Fahrzeuge auf den Plätzen. Und die Anzahl der Behindertenparkplätze sei auch viel zu knapp bemessen – auch wenn heute alle vier hier frei sind.
Nagold - "Das ist eher die Ausnahme", der Vorführ-Effekt eben. Hiller muss alle vier Wochen seinen Schwager Norbert zum Katheder-Wechsel in die Ambulanz der Nagolder Klinik bringen. Norbert sitzt im Rollstuhl, ist ein Komplettpflegefall – darf "keinen Augenblick ohne Aufsicht" bleiben. Günther Hiller ist Norberts "rechtlicher Betreuer in allen Angelegenheiten", kümmert sich – selbst Frührentner – um den schwerbehinderten Verwandten.
Beide Schwager wohnen in Waldachtal, aber Hiller stammt aus Nagold, ist hier geboren, aufgewachsen, hat ein Berufsleben lang als Kraftfahrer edle Polstermöbel aus Nagold in die ganze Welt gefahren – na ja, zumindest "in Deutschland und Resteuropa". Nach einem Bandscheibenvorfall wurde er Frührentner, übernahm in der Folge ab 2005 von Norberts Mutter dessen Pflege-Verantwortung. Weil – "irgendwer musste es ja tun". Und als ehemaliger Berufskraftfahrer war es zum persönlichen Chauffeur von Schwager Norbert nicht so weit.
"Behindertenparkplätze gibt es wirklich zu wenig"
Womit der Ärger auch schon anfängt. "Behindertenparkplätze gibt es wirklich zu wenig!" Nicht nur hier oben am Krankenhaus, sondern überhaupt in Nagold. "Zwei sind es in der gesamtem Innenstadt" – einer hinterm Rathaus, einer beim Vorstadtplatz – Höhe Deutsche Bank. Die zwei weiteren im Parkhaus Weihergässle seien eigentlich nicht verfügbar, weil nicht barrierefrei erreichbar. Hier oben am Krankenhaus seien es immerhin vier Behindertenparkplätze – "theoretisch"; ja, heute auch praktisch.
Aber die Regel sei, so Hiller, dass diese vier Plätze belegt seien – im besten Fall von Autos mit dem blauen Behinderten-Parkausweis, die auf diesen besonderen Stellplätzen auch stehen dürften. "Es kommen ja viele wie wir beide zu ambulanten Behandlungen hierher." Im schlimmsten – und eigentlich nach Hillers Erfahrung – auch häufigsten Fall, parken aber nicht berechtigte Fahrzeuge auf den vier Behindertenparkplätzen. Weil’s halt so bequem ist – und die Parkplätze auch insgesamt (zumindest im Augenblick noch) sowieso immer viel zu knapp seien am Klinikum Nagold.
Lesen Sie auch: Nagolder Klinik bekommt mehr Parkplätze
Früher ist Hiller in so einem Fall dann immer vorgegangen zum Pförtner des Krankenhauses – Schwager Norbert sicher angegurtet im Auto zurücklassend. "Der Pförtner hat dann einen Ausruf gemacht, und in der Regel wurden die falschgeparkten Autos dann auch umgeparkt." Heute werde Hiller in einem solchen Fall von den Pförtnern immer mit dem Hinweis abgewiesen, er soll doch bitte die Polizei dafür rufen. Hat Hiller auch mehrfach schon getan. Seine ernüchternde Erfahrung: "Die kommen nicht. Bisher nie! In keinem einzigen Fall!" Aber, so Hiller weiter, wirklich nützen würde ihm das Kommen der Polizei wahrscheinlich auch nichts: "Die schreiben dann Knöllchen – aber die falschgeparkten Autos bleiben stehen." Das löst sein Problem, seine Herausforderung in der Logistik mit Schwager Norbert nicht wirklich.
Es braucht einfach mehr Behindertenparkplätze – zumindest an einem Ort wie einem Krankenhaus. Und eigentlich müssten die auch – noch – breiter sein. "Wie brauchen einfach den vollen Platz für weit geöffnete Seitentüren", um Schwager Norbert und seinen Rollstuhl überhaupt manövrieren zu können. Künftig sogar noch mehr, weil demnächst ein "Türschwenksitz" in den VW Touran von Günter Hiller für den Schwager eingebaut werden soll – um den Ein- und Ausstieg für Norbert noch etwas mehr zu erleichtern. "Dann wird es hier richtig knapp mit dem Platz".
"Was passiert in der Bauphase?"
Was Günter Hiller aber noch weit mehr Sorgen macht – weshalb er sich mit seinem Anliegen auch an die Öffentlichkeit wendet: Wenn demnächst der gerade erst vom Calwer Kreistag beschlossene Millionen-schwere Ausbau des Parkhauses am Kreiskrankenhaus Nagold in Angriff genommen wird – "was passiert dann in der Bauphase mit den Behindertenparkplätzen hier oben?" Hillers Forderung an die Verantwortlichen ist klar: "Die Verfügbarkeit von speziell ausgewiesenen Parkplätzen für Inhaber des blauen Parkausweises" wie ihn "muss zu jeder Phase des Parkplatz-Ausbau unter allen Umständen gewährleistet sein."
Ausdrücklich sei es auch keine Alternative, mit seinem "besonderen Fahrgast" jeweils direkt vor die Pforte zu fahren – Schwager Norbert dort in den Rollstuhl umzusetzen – und dann den Wagen auf einen "normalen" Parkplatz zu parken. Weil: "Mein Schwager darf niemals ohne Aufsicht sein."
Im Zweifel würde das bedeuten, es müssten Schwager Norbert immer zwei Personen begleiten – einer als Aufsicht, einer zum Parken des Wagens. Was im Alltag einfach nicht darstellbar sei.
Günther Hiller jedenfalls ist überzeugt: "Die Planer müssen einfach lernen, wesentlich selbstverständlicher immer auch an die Bedürfnisse der behinderten Mitbürger und ihre besonderen Belange zu denken."