Wie ist es um das Thema Fachkräftemangel im Bad Dürrheimer Gesundheitswesen bestellt? Wir haben in drei Kliniken exemplarisch nachgefragt.
Politik und Verbände sehen den Fachkräftemangel im Krankenhaussektor nicht nur als momentanes Problem, sondern als langfristige strukturelle Herausforderung, die sich auf Versorgungsqualität, Arbeitsbedingungen und die wirtschaftliche Lage der Kliniken auswirken kann.
Zuletzt hatte zum Beispiel die Deutsche Krankenhausgesellschaft mitgeteilt, dass der Fachkräftemangel weiterhin eine der größten Herausforderungen für Kliniken in Deutschland sei und eine Vielzahl von Ursachen habe.
Ist das also auch in den Kliniken in Bad Dürrheim ein Thema? Wir haben in dreien von ihnen nachgefragt.
Espan-Klinik
Laut Bernd Baumbach, Geschäftsführer der Espan-Klinik, gibt es sehr viele Bewerbungen für den ärztlichen Bereich und man habe mehr eingestellt als tatsächlich aktuell benötigt. „Wir haben das Glück, dass wir nicht so stark davon betroffen sind,“ erklärt Baumbach.
Im Bereich der Pflegekräfte verzeichne man aber schon einen Mangel. Hier habe man „die Möglichkeit, temporäre Fachkräfte einzustellen, die uns aushelfen. Sie arbeiten dann einige Wochen bei uns“, erläutert der Geschäftsführer.
Er betont, dass das mangelnde Interesse am Beruf der Pflegekraft viele Faktoren habe. „Als Pflegekraft haben Sie Nachtdienst, Wochenenddienst, Silvester, Ostern und so weiter. Das ist natürlich nicht sehr attraktiv. Die Leute wollen eigentlich weniger am Wochenende oder nachts arbeiten“, so Baumbach.
Er sieht das Problem bei der von ihm genannten „Generation Z“. Baumbach kritisiert deren Arbeitseinstellung: „Die jüngere Generation möchte nicht mehr so arbeiten, wie wir es früher gewohnt waren.“
Klinik Limberger
Die Klinik Limberger existiert bereits seit 1976. Geschäftsführer Joachim Limberger hat die Einrichtung von seinen Eltern übernommen. Er zeigt sich besorgt über die Personalgewinnung: „Ganz allgemein stellen wir fest, dass die Gewinnung von fachlich qualifiziertem, ausgebildetem Personal über die Jahre hinweg immer schwieriger geworden ist.“
Besonders im ärztlichen Bereich sei es schwer, neue Mitarbeiter zu finden. „Es kann bis zu sechs Monate dauern, eine Stelle adäquat zu besetzen“, erklärt Limberger.
Auch im therapeutischen Bereich gebe es Probleme: „Unternehmen investieren heute enorme Summen in gezielte Social-Media-Kampagnen auf allen möglichen Portalen – und trotzdem haben wir Schwierigkeiten, gute Bewerber zu finden.“
Demographischer Faktor
Selbst die Suche nach einem qualifizierten Koch gestaltet sich für die Klinik schwierig. „Uns fehlen jedes Jahr viele Arbeitskräfte – durch den demographischen Faktor, weil viele in Rente gehen und nichts nachkommt“, betont der Geschäftsführer.
Limberger sieht in ausländischen Fachkräften eine Chance: Die Aufgabe des Landes sei es, Zuwanderung zu ermöglichen, dabei jedoch sicherzustellen, dass Menschen gezielt in den Arbeitsmarkt kommen und nicht unkontrolliert zuwandern.
„Wir haben in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig für Nachwuchs gesorgt – die aktuellen Probleme sind nun die Quittung dafür“, sagt Limberger.
L uisenklinik
Die Luisenklinik gilt in Bad Dürrheim als größter Arbeitgeber. Die Fachklinik für psychische und psychosomatische Erkrankungen hat hier rund 370 Mitarbeiter. Hinzu kommen an den beiden anderen Dependancen in Stuttgart und in Radolfzell noch weitere Kräfte, so dass man insgesamt auf rund 450 Beschäftigte kommt.
Der offenbar branchenübliche Fachkräftemangel kommt hier – jedenfalls derzeit – nicht stark zum Tragen. Vor allem im ärztlichen Bereich habe man „regelmäßig Bewerbungen – viel mehr, als wir einstellen können“, sagt der Ärztliche Direktor der inhabergeführten, privaten Klinik, Norbert Grulke.
„Alle Stellen sind besetzt“, kann er aktuell konstatieren, sowohl was Ärzte als auch Therapeuten und alle anderen Bereiche in dem großen Betrieb angeht.
Seit 2007 ist der Professor Ärztlicher Direktor der Luisenklinik, „und damals war es schon absehbar, dass Deutschland im Gesundheitsbereich in den Fachkräftemangel geht“. Deshalb habe man damals bereits begonnen, Aus- und Weiterbildungen und Praktikumsstellen anzubieten („wer bei uns war, will bei uns bleiben“) und Personal über die verschiedensten Kanäle zu suchen.
Hohe Migrationsquote
Kollegen mit Migrationshintergrund sind ein wichtiger Faktor im Klinikbetrieb, insbesondere im assistenzärztlichen Bereich, hier machen sie über 50 Prozent aus. „Wenn wir sie nicht hätten, könnten wir zumachen“, sagt Professor Grulke, der auch betont, dass es intern entsprechende Aufstiegschancen gibt, „Stellen besetzen wir nach Qualifikation, wenn es geht, intern.“
Weitere Pluspunkte, die sich rumsprechen, wie der Direktor sagt: Flexibilität bei den Arbeitszeitmodellen und bei Urlaubsregelungen zum Beispiel, ein wertschätzender Umgang, Krippenplätze für Kinder von Beschäftigten.
Was für die Klinik in gewisser Weise eine Herausforderung darstellt, ist der hohe Anteil weiblicher Beschäftigter, Norbert Grulke beziffert diesen auf „bestimmt 80 Prozent“, Mutterschutz und Elternzeit sind hier ein Thema und ein großer Teilzeitbedarf. Zudem arbeitet man in vielen jungen Teams.
Aber auch Fluktuation
„Wir haben durchaus auch Fluktuation“, sagt Grulke allerdings auch. Das wiederum hänge unter anderem damit zusammen, dass viele Kinder- und Jugendtherapeuten sich in Richtung nahe gelegener Schweiz orientieren. Besonders gesucht seien zudem derzeit Physiotherapeuten, „das merkt man“.