Die Kliniken des Landkreises geben die Psychiatrie nach Emmendingen ab. Ab 2028 soll es keine roten Zahlen mehr geben.
Die Kliniken im Landkreis Lörrach werden noch zwei weitere Jahre Unterstützung brauchen. Darauf wies Geschäftsführer Udo Lavendel in der öffentlichen Sitzung des Kreisverwaltungsausschusses hin. Er stellte den Wirtschaftsplan 2026 der Kliniken vor und lieferte eine Prognose der Entwicklung bis zum Jahr 2029.
Das Jahr 2026 wird voraussichtlich mit einem Defizit in Höhe von 8,4 Millionen Euro abschließen. Dafür gab der Ausschuss einstimmig grünes Licht, ebenso wie für Betriebskostenzuschüsse in Höhe von 15 Millionen Euro im Jahr 2026 und zehn Millionen Euro im Jahr 2027. Auch soll der bereits gewährte Kreditrahmen des Kernhaushalts an die Kliniken GmbH in Höhe von 52 Millionen Euro beibehalten werden. Die Tilgung wird in den kommenden beiden Jahren weiterhin gestundet.
Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Lavendel wies darauf hin, dass die drei vakanten Chefarztposten in den Fachbereichen Kardiologie, Geriatrie und Wirbelsäulenchirurgie wieder besetzt werden konnten, was unweigerlich mit Leistungssteigerungen verbunden sei. Weiter gesenkt werde zudem der Anteil an Honorarkräften von 29 Personen im laufenden Jahr auf nur noch 13 Leiharbeiter im kommenden Jahr. Gut sechs Millionen Euro, so Lavendel, könnten dadurch eingespart werden.
37 Vollzeitstellen fallen weg
Darüber hinaus sei das Jahr 2026 durch die Abgabe aller Leistungen in der Psychiatrie an das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen geprägt. Das bedeutet, dass alle in diesem Bereich anfallenden Erlöse und Kosten nicht mehr für die Kliniken des Landkreises Lörrach relevant sind. Die psychosomatischen Leistungen verbleiben dagegen weiterhin im Leistungsportfolio, wie Lavendel ausführte. 37 Vollzeitstellen werden durch diese Übergabe in den Kliniken des Landkreises wegfallen.
Für das Wirtschaftsjahr 2028 rechnet Lavendel mit einem ausgeglichenen Haushalt, für das Jahr 2029 sogar mit einem Überschuss in Höhe von etwa einer Million Euro. Im Plan für 2028 seien die Zuschüsse genullt, versicherte der Geschäftsführer. Auch habe sich die Liquidität im laufenden Geschäftsjahr stabilisiert, so dass im Oktober sieben Millionen Euro an den Landkreis zurückgezahlt werden konnten.
Kritische Nachfragen
Kritische Nachfragen gab es durchaus, aber auch die Erkenntnis, mit diesen Schwierigkeiten in guter Gesellschaft sein. „Mit dem Jahr 2025 können wir nicht zufrieden sein. Die Chefarzt-Vakanzen haben wirklich wehgetan“, räumte Lavendel ein. Vom Ende der privaten Helios-Rosmann-Klinik in Breisach verspricht er sich zwar potenzielle neue Mitarbeiter, jedoch keine neuen Patienten. Das sei doch eine ganze Ecke weg, erklärte Lavendel auf Nachfrage. Der Trend zur Hybrid-OP sei erkannt, erklärte der Geschäftsführer weiter. Durch bildgebende Anlagen ermöglicht ein solcher Operationssaal minimalinvasive Eingriffe, die keine größeren Wunden verursachen und für die Patienten weniger traumatisch sind. Dies wiederum erlaubt in vielen Fällen ein ambulantes Operieren mit maximal einer Übernachtung im Krankenhaus. Seit 2024 habe dieses Thema erheblich an Bedeutung gewonnen, erklärte Lavendel. Er fordert jedoch eine bessere Vergütung dieser erwünschten ambulanten OPs.
Neue Medizinstrategie berücksichtigt
Für die einzelnen Wirtschaftsjahre hatte er in seinem Bericht die sich daraus ergebenden Mindererlöse aufgeführt. Im kommenden Jahr rechnet er durch das eingeplante ambulante Operieren mit 900 000 Euro weniger gegenüber den herkömmlichen Methoden.
Ab dem Jahr 2027 wurde die für den Neubau konzipierte Medizinstrategie mit den entsprechenden Maßnahmen anteilig in der Planung berücksichtigt. Das Dreiland-Klinikum wird seine Tätigkeit nach aktuellen Erkenntnissen im April 2027 aufnehmen.