Eine eigene Station für chronische Schmerzen gibt es bald in Freudenstadt. Die multimodale Schmerztherapie verdoppelt damit ihre Kapazitäten.
Mit dem Klinik-Neubau bricht für alle Abteilungen am Klinikum Freudenstadt eine neue Ära an, wird in einer Pressemitteilung des Klinikums Landkreis Freudenstadt verkündet. Eine Abteilung, welche dieser neuen Zeit mit besonderer Vorfreude entgegenblickt, ist die multimodale Schmerztherapie. Denn diese wird künftig eine eigene Station belegen und ihre Angebotskapazitäten verdoppeln.
Die multimodale Schmerztherapie hat vor sechs Jahren mit sechs Betten am Klinikum Freudenstadt begonnen. Bald waren diese belegt, denn das Angebot ist in der bundesdeutschen Kliniklandschaft dünn gesät. „ Zu uns kommen Patienten bis aus dem Raum Stuttgart“, sagt Hermann Schwarz, Leiter der multimodalen Schmerztherapie.
Interdisziplinärer Ansatz in einem kleinen Haus leichter umsetzbar
Dass Freudenstadt ein eher kleines Klinikum ist, sieht Schwarz, Facharzt für Orthopädie, physikalische und rehabilitative Medizin, spezielle Schmerztherapie, Manuelle Medizin und Sozialmedizin dabei als günstigen Faktor. Multimodale Schmerztherapie ist ein ganzheitlicher, umfassender und interdisziplinärer Therapieansatz, in dem Fachleute aus verschiedenen Disziplinen und Berufsgruppen von Fachärzten verschiedener Disziplinen und Abteilungen über Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sporttherapeuten bis zu Psychotherapeuten abteilungsübergreifend zusammenarbeiten. „Das ist in einem kleinen Haus besser umsetzbar als in großen Häusern, wo die einzelnen Disziplinen als eigenständige Kliniken oft eher nebeneinander als miteinander arbeiten“, erklärt Schwarz.
Auch das Team wird mitwachsen
Die neue Station umfasst aber nicht nur mehr Betten und neue, größere Räume – auch das Team wird mitwachsen. Ohnehin sei das Team aufgrund der ganzheitlichen Ausrichtung der Behandlung ein zentraler Faktor in der multimodalen Schmerztherapie. Die inhaltliche und qualitative Aufstellung der multimodalen Schmerztherapie soll im Neubau beibehalten werden.
Das Klinikum Freudenstadt ist zudem Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akut-Kliniken“ (ANOA), einem Verbund von Krankenhäusern, der sich auf Schmerzerkrankungen spezialisiert hat und sich in dem Zusammenschluss einer kontinuierlichen freiwilligen Qualitätssicherung unterzieht. Mit dem Umzug in die eigene Station soll die Arbeit in einem neuen Maßstab stattfinden.
Schmerz als komplexes Zusammenspiel aus Körper und Psyche
Schmerz ist mittlerweile als eigenständige Erkrankung wissenschaftlich erforscht und klassifiziert. „Die multimodale Schmerztherapie hilft, wenn der Schmerz sich verselbstständigt hat und das eigenständige Problem ist. Es ist aktuell die einzige wissenschaftlich belegt funktionierende Behandlungsweise der chronischen Schmerzkrankheit“, beschreibt Schwarz. Diese ist für betroffene Menschen eine massive, leidvolle Belastung.
Schwarz ist es daher immer wieder wichtig zu betonen: „Es gibt keinen eingebildeten Schmerz. Schmerz ist immer real. Die Ursache kann aber im Schmerzsystem selbst liegen.“ Genauso wenig sei Schmerz eine rein psychische Sache, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Körper und Psyche.
Wo es nicht mehr völlig schmerzfrei geht, bleibt zumindest die Chance auf Verringerung der Belastung und die Schaffung von Lebensqualität.