Das ZfP in Calw-Hirsau hat beim Tag der offenen Tür gezeigt, wie die Arbeit in einer modernen Psychiatrie aussieht. Das Interesse war enorm.
Krankenhäuser sind häufig zentral und jeder landet irgendwann dort – ob als Patient, Mitarbeiter oder Besucher. Ganz anders sieht es aus im Krankenhaus, das hoch oben auf dem Berg bei Hirsau liegt. Die Psychiatrie Nordschwarzwald besteht seit 50 Jahren, ist aber weit abgelegen, zufällig verirrt sich niemand dort hin.
„Uns ist wichtig, dass die Psychiatrie ins Zentrum der Gesellschaft gerückt wird“, sagt Geschäftsführer Michael Eichhorst. Um zu zeigen, was Psychiatrie bedeutet, vor allem moderne Psychiatrie, hat die Einrichtung zum „Tag der offenen Tür“ geladen.
Das Interesse an dem Angebot ist enorm. Die eigentlich großen Parkplätze vor dem Eingang sind restlos belegt, die Werksfeuerwehr weist auf den Parkflächen ein.
Die Idee einer Psychiatrie auf dem Gelände ist weitaus älter als „nur“ 50 Jahre. Bereits 1958 kam die Idee auf, der Grundstein wurde allerdings erst zwölf Jahre später gelegt. 1975 wurde schließlich der erste Patient aufgenommen. Nach und nach wurde die Psychiatrie erweitert und hat sich mit der Zeit verändert.
Spazierengehen auf dem Psychiatrie-Gelände
„Das ganze Gelände ist zum Verweilen“, erklärt Geschäftsführer Michael Eichhorst. Und das wird von den zahlreichen Besuchern ausführlich erkundet. Auf Bänken im grünen, weitläufigen Gelände lassen sich Besucher nieder, auch viele Kinder sind dabei.
Um zu zeigen, wie es im Inneren aussieht, öffnen auch einige Stationen ihre Pforten. Die Depressions- und Borderline-Station im Hauptgebäude wirkt von innen wie eine herkömmliche Krankenhausstation. Lange Gänge mit weißen Wänden und farbigen Linien, hinter matt-türkisfarbenen Türen liegen die Patientenzimmer. An diesem Wochenende ist die Station weitestgehend unbewohnt. Die meisten Patienten haben die sinnbildliche „Käseglocke“ der Klinik verlassen und sind auf Konfrontation mit dem Alltag.
„Denn zuhause beginnt das normale Leben“, meint Jessica S., stellvertretende Stationsleiterin. Um den Datenschutz zu wahren, sind an diesem Wochenende an den Türschildern nicht Patientennamen angebracht, sondern Sinnsprüche. Die Station AP 5 ist eine offene Station – das heißt, die Patienten dürfen am Tag die Station verlassen, es ist nicht abgeschlossen. Nachts hingegen schon – die Mitarbeiter sind alleine, da gehe es auch um Schutz.
Arbeit mit scharfen Bonbons und Kirschkernen
Auf der Station werden Menschen mit Depression und Persönlichkeitssstörungen – wie dem Borderline-Syndrom – behandelt. Das bedeutet für die Mitarbeiter auch, dass sie mit Selbstverletzungen ihrer Patienten zu tun haben. Krankenschwester Lisa Klabes zeigt, welche „Skills“, also Möglichkeiten es für „Borderliner“ gibt, die Selbstverletzung abzuwenden: mit Reizen wie starke Gerüche, ein Kirschkern im Schuh oder scharfe Bonbons.
Besonders viel Interesse weckt der Maßregelvollzug. Hier sind Menschen untergebracht, die wegen einer Suchterkrankung straffällig geworden sind. Anstelle im Gefängnis zu sitzen, kann ein Teil der Haftstrafe für die Therapie genutzt werden. Die Station selbst sieht aus wie eine Wohngruppe. Das Gebäude ist jedoch von einem hohen, widerstandsfähigen Zaun umgeben.
Nicht weit davon liegt die psychiatrieeigene Gärtnerei. Zwischen Tomatenpflanzen, Shcmucklilien und Auberginen kann hier eine Gartentherapie stattfinden. Diese muss vom Arzt verordnet werden.In einem der Gewächshäuser fühlt man sich fast wie in einem Tropenhaus. Dichte, großblättrige Pflanzen stehen in Kübeln. Und: Es wachsen Bananenstauden.
Das geerntete Gemüse geht entweder an die Küche oder wird an Patienten, Besucher und Mitarbeiter verkauft. Auch am Tag der offenen Tür nutzen manche das Angebot, Salatgurken und Tomaten zu erwerben.