Mit 14 Jahren startete der gebürtige Furtwanger Bernward Janzing eine Wetterstation. Die Faszination fürs Wetter hält bis heute an. Über seine Erkenntnisse und Erfahrungen nach 45 Jahren Wetteraufzeichnung hat er mit unserer Redaktion gesprochen.
„Gegen Zweifel am Klimawandel hilft selber messen“, schreibt Bernward Janzing in seinem neuen Buch „Protokoll des Klimawandels“. Und auch im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er: „Ich hab‘ jetzt so viele Daten, und kann bei der Diskussion zum Klimawandel ein bisschen mitreden.“
Mit einem Buch über Wetterkunde hat die Begeisterung für das Wetter bei Janzing angefangen. „Ich habe das Buch gelesen und irgendwie dachte ich dann, dass ich jetzt mit Messungen anfangen könnte“, berichtet der Fachjournalist.
Das ist nun 45 Jahre her. „Andere Leute basteln mit was anderem rum, und ich fand‘ das Wetter faszinierend.“ In diesen 45 Jahren konnte Janzing einige spannende Erkenntnisse über das Klima in Furtwangen gewinnen.
Schneemengen machen Klimawandel deutlich
Am meisten beeindruckte den 59-Jährigen, wie sich die Schneemengen veränderten. „Da sieht man optisch am besten, was sich verändert hat, es wird sehr greifbar.“ Bei der Temperatur falle es einem nicht unbedingt auf, wenn es ein halbes Grad wärmer geworden ist. „Aber an die Schneemengen kann man sich noch erinnern. Wir sind tatsächlich durch zwei Meter Schnee zur Schule gegangen, das hat es dann später nicht mehr gegeben“, erinnert sich der gebürtige Furtwanger.
Deutlich wird das aber auch an einem Beispiel aus Janzings neuestem Buch: „Die maximale Schneehöhe in 45 Beobachtungsjahren wurde 1981 mit 201 Zentimetern gemessen. Am unteren Ende der Statistik steht der Winter 2022/23, dessen schneereichster Tag gerade auf 18 Zentimeter kam.“
Furtwangen ist ein interessanter Wetter-Standort
Das besondere an Bernward Janzings Wetterstation: Zuvor gab es keine in der „höchstgelegenen Stadt Baden-Württembergs“, wie sich Furtwangen selbst bezeichnet. „Grundsätzlich ist Furtwangen ein interessanter Standort, um das Wetter zu messen“, sagt Janzing über seine Messstation.
Diese besteht zum einen aus einer Wetterhütte mit einem Temperaturschreiber. „Der zeichnet über die ganze Woche rein mechanisch die Temperatur auf“, erklärt Janzing. Einmal die Woche muss der Registrierstreifen gewechselt werden. „Da habe ich jemanden, der das ganz toll und mit Leidenschaft betreut.“ Das sei auch eine der Voraussetzungen gewesen, dass er überhaupt weiter messen konnte.
Seit ein paar Jahren besitzt Janzing aber auch eine vollautomatische Messstation. „Die schickt mir die Daten dann einmal am Tag übers Handynetz.“ Beides zu haben, findet er gut. „Falls es mal technische Probleme gibt, bin ich abgesichert“, sagt der 59-Jährige.
Nachts wird es nicht mehr so kalt wie früher
Eine weitere, grundlegende Beobachtung, die Janzing über die Jahre machen konnte: „Vor allem die nächtlichen Tiefsttemperaturen sind angestiegen.“ Das sei ein Ergebnis, das viele überrascht habe. „Der Effekt, dass es nachts nicht mehr so kalt wird, ist stärker, als dass wir tagsüber mehr Hitze haben“, berichtet der Wetterexperte.
Die Wetterstation in Furtwangen hat auch den beruflichen Lebensweg des mittlerweile in Freiburg lebenden Journalisten geprägt. Im Studium beschäftigte er sich ebenfalls mit Klimatologie. „Die Station war zwar immer ein Hobby, aber sie war auch nie berufsfremd. Die Wetterbegeisterung hat ein Stück weit meinen Lebensweg mitgeprägt.“
Janzing möchte weiterhin Wetter aufzeichnen
Solange es keinen Grund gibt, die Wetteraufzeichnung zu beenden, möchte Janzing weiter messen. Und er verrät jetzt schon: „50 Jahre Wetteraufzeichnungen sind nochmal ein guter Termin.“