Der Oktober war wärmer als mancher Hochsommermonat in Furtwangen. Foto: © Smileus – stock.adobe.com

Das Jahr 2022 dürfte als das wärmste seit Jahrzehnten enden. Furtwangen erlebte nämlich den mit Abstand wärmsten Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979.

Furtwangen - Mit einer Mitteltemperatur von 11,5 Grad war der Monat an der Wetterstation auf dem Kussenhof um 4,7 Grad zu warm. In den vergangenen Jahrzehnte, gab es sogar Hochsommermonate, die kälter waren – etwa der Juli 2000 mit 11,0 Grad oder der August 2006 mit nur 10,6 Grad.

Bislang war der Oktober 2001, dicht gefolgt von Oktober 2006, mit 9,4 Grad der wärmste der Furtwanger Wetterstatistik gewesen. Dass ein bestehender Monatsrekord um volle zwei Grad überboten wird, ist äußerst ungewöhnlich.

Spitzenwerte traten erste Ende des Monats auf

Damit steuert auch das Jahr 2022 auf einen neuen Rekordwert der Temperatur zu. Die ersten zehn Monate waren im Mittel um 2,3 Grad zu warm – der bisherige Spitzenwert im Vergleichszeitraum lag im Jahr 2001 bei einem Plus von 2,0 Grad. Ungewöhnlich im Oktober: Die Spitzenwerte traten erst zum Monatsende auf. Die Tagesmitteltemperatur am 30. Oktober war gemessen am langjährigen Mittelwert eines 30. Oktobers um gut elf Grad zu mild. Der Spitzenwert des Monats belief sich am 29. Oktober auf 24,5 Grad. In der bisherigen Wetterstatistik hatte der Höchstwert in der zweiten Oktoberhälfte im Jahr 2006 bei 23,5 Grad gelegen. Von den 31 Tagen des zurückliegenden Oktobers waren übrigens lediglich zwei zum Monatsanfang kälter als nach dem langjährigen Durchschnitt zu erwarten.

14 Prozent mehr Regen als üblich

Nach einem bisher trockenen Jahr brachte der Oktober leicht überdurchschnittliche Regenfälle. Mit 173 Litern pro Quadratmeter betrug der Überschuss 14 Prozent. Mit gut 61 Litern pro Quadratmeter war der 15. Oktober sogar der regenreichste Oktobertag seit 1986 und der bisher regenreichste Tag des Jahres. Gleichwohl liegt das Jahr 2022 mit einem Defizit von 210 Litern aktuell noch 15 Prozent im Minus.

Trotz überdurchschnittlich hoher Regenmengen war der Oktober zugleich auch recht sonnig. Die Einstrahlung belief sich auf 75 Kilowattstunden pro Quadratmeter, was einem Überschuss von 13 Prozent entspricht. Der sonnigste Tag des Monats war mit 4,5 Kilowattstunden der 5. Oktober – das entspricht fast dem maximal möglichen Wert um diese Jahreszeit.

Sonnenfinsternis feststellbar

Am 25. Oktober machte sich dann eine partielle Sonnenfinsternis auch an der Wetterstation bemerkbar, indem diese bei sonnigem Himmel die Einstrahlung zum Höhepunkt um 16 Prozent reduzierte. In der Tagessumme gingen durch das astronomische Schauspiel rund drei Prozent der Einstrahlung verloren, entsprechend etwa 0,1 Kilowattstunde pro Quadratmeter. Den Jahressollwert hat die Sonneneinstrahlung unterdessen schon lange überschritten; nie zuvor waren die ersten zehn Monate eines Jahres so sonnig. Sollten der November und der Dezember zumindest durchschnittliche Werte bringen, würde das Jahr 2022 auch in der Gesamtbilanz als das sonnigste bisher in die Statistik eingehen. Aktuell steht das Jahr 2003 noch an der Spitze der bisherigen Messreihe mit 1294 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Furtwangen ist keine Ausnahme

Auch der November begann mit Mittagstemperaturen um 15 Grad deutlich zu mild. Im langjährigen Mittel ist in diesem Monat in Furtwangen eine Temperatur von 1,8 Grad zu erwarten. Doch was sagen heute noch die langjährigen Mittelwerte? In den Achtziger- und Neunzigerjahren kam der November im Durchschnitt noch auf rund ein Grad. In den Nullerjahren war er mit 2,3 Grad schon deutlich wärmer, die Zehnerjahre kamen sogar auf 2,8 Grad. Betrachtet man sich die Jahreswerte, so waren die Zehnerjahre im Durchschnitt 1,3 Grad wärmer als die Achtzigerjahre – der Trend in Furtwangen entspricht damit etwa den Beobachtungen, die Meteorologen auch an anderen Orten im Zuge des Klimawandels machen.

1996 lagen im November 80 Zentimeter Schnee

Die Niederschläge zeigen unterdessen noch keine so deutliche Veränderung, wenngleich die häufige Trockenheit im Sommerhalbjahr in den letzten Jahren auffallend war. Im November sind nun im langjährigen Mittel 160 Liter pro Quadratmeter zu erwarten, rund ein Fünftel davon als Schnee. An spektakulären Werten hat die Novemberstatistik ferner zu bieten: 139 Liter pro Quadratmeter an einem Tag (im Jahr 2015), 80 Zentimeter Schnee (1996) und Temperaturen bis minus 17,5 Grad (1993).