Der Chefplaner der Region, Thomas Kiwitt, entwickelt maßgeschneiderte Konzeptionen für die Kommunen. Foto: Wilhelm Mierendorf/Wilhelm Mierendorf

Thomas Kiwitt ist als Chefplaner des Verbands Region Stuttgart auch für die Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen zuständig. Er kennt die Chancen – weist aber auch auf die Probleme hin.

Thomas Kiwitt ist als Chefplaner des Verbands Region Stuttgart auch für die Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen zuständig. Er kennt die Chancen, aber auch die Probleme bestens.

 

Herr Kiwitt, welchen Beitrag leistet die Region für Maßnahmen zur Klimaanpassung?

Im vergangenen Herbst haben wir zusammen mit dem Landkreis Böblingen „KlimaBB“ vorgestellt. Auf mehr als 300 Seiten wurden für jede Gemeinde im Landkreis eine klare und maßgeschneiderte Konzeption entwickelt, was konkret getan werden kann, um auf Starkregenniederschläge und starke Hitzeeinstrahlung zu reagieren. Allerdings: neu ist das Thema nicht. Schon vor 20 Jahren wurden bei der Regionalplanfortschreibung ein Klimaatlas entwickelt der zeigt, das auf den Klimawandel reagiert werden muss.

Was ist seither passiert?

Wir haben damals vorausschauend Frischluftschneisen in der Region Stuttgart freigehalten und klimarelevante Flächen vor Bebauung geschützt. Es gibt also bereits wichtige Elemente einer Klimaanpassungsstrategie, die wir nun aber weiter entwickeln müssen. Dabei geht es auch darum, Maßnahmen im Siedlungsbestand zu ergreifen.

Was ist denn dank „KlimaBB“ konkret passiert?

Naja, wir haben das Programm erst im vergangenen Herbst vorgestellt. So schnell geht es leider nicht. Gerade bei Projekten im öffentlichen Raum wird es kompliziert. Dort beispielsweise Bäume zu pflanzen, klingt zunächst banal: Straße aufreißen und Baum rein. Aber in der Praxis liegen dort Kabel und Leitungen, sind Eigentumsfragen zu klären, und Anwohnende zu beteiligen. Alles Dinge, die etwas Zeit brauchen. Für uns ist daher wichtig, dass man bereits bei neuen Baumaßnahmen von vornherein klimaangepasst vorgeht und dass man, immer wenn sich Gelegenheiten bieten, eben auch im Bestand entsprechenden Sanierungsmaßnahmen einleitet.

Hat das Böblinger Beispiel Schule gemacht?

Beschlossen wurde in der Regionalversammlung, dieses wichtige Thema allen Kreisen in der Region anzubieten. Schon jetzt sind wir in guter Kooperation mit dem Landkreis Göppingen, der sich mit Förderung des Bundes diesem Thema annimmt. Darüber hinaus sind wir mit mehreren Gemeinden im Gespräch um konkrete Beiträge zur Anpassung an den Klimawandel vorzubereiten.

Welche Erkenntnisse haben Sie denn mit KlimaBB gewonnen?

Eine solche Klimaanpassungskonzeption ist ausgesprochen wichtig. Sie muss aber unbedingt in die übrigen Aufgaben, die eine Gemeinden sonst noch zu erfüllen hat, integriert werden: Jeweils eigenständige Konzeptionen für Klimaanpassung, Klimaschutz, die Deckung des Wohnraumbedarf und die Entwicklung von Gewerbeflächen helfen nicht weiter. Es kommt vielmehr darauf an, gemeinsam mit den Gemeinden schlüssige Gesamtkonzepte entwickeln, um die drängenden Fragen mit einer Lösung „aus einem Guss“ beantworten zu können. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass sich die vielfältigen Anforderungen am Ende nicht mehr zusammenbringen lassen.

Überrascht Sie die Aufregung in der Klimaanpassungsdebatte?

Klar ist der Klimaschutz heute – und das vollkommen zurecht - oben auf der Agenda. Allerdings gehört es seit jeher zu guter Stadt- und Regionalentwicklung, die herrschenden Klimabedingungen zu berücksichtigen. Es ist jetzt wärmer, Unwetterereignisse nehmen zu und man ist sensibilisiert. Aber die Erkenntnis, besser nicht in Hochwassergebieten zu bauen, ist dennoch nicht ganz neu.