Informieren über vom Klimaschutzfonds gefördere Projekte: Delia Kuhnert (v. l.), Martin Haas, Christian Zimmer, Markus Hurter, Stefan Maier, Cornelia Hartmann, Andrea Reynolds, Anna Janki, Alexander Sladek und Bürgermeister Dirk Harscher. Foto: Thomas Winckelmann

In Schopfheim wurden die vom Klimaschutzfonds der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) in diesem Jahr geförderten ökologischen und nachhaltigen Projekte vorgestellt.

Auf den Bergen über Schopfheim produzieren die Windräder nicht nur umweltfreundlichen Strom. Aus dem Gewinn werden unten im Tal seit fünf Jahren im Blick auf den Klimaschutz regelmäßig ökologische und nachhaltige Projekte gefördert. Möglich macht dies der Klimaschutzfonds der Schönauer Stromrebellen. Jedes Jahr stellen die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) 35.000 Euro für Klimaschutzprojekte für die Anrainer des Windparks auf dem Rohrenkopf, in Schopfheim, Zell und Häg-Ehrsberg, zur Verfügung.

 

Wasser als Ressource

Eines der technisch und organisatorisch spannendsten Vorhaben ist das sogenannte „Keyline-Design“ auf dem Dinkelberg. Martin Haas vom Hof Dinkelberg, der bereits einen Großteil der Fläche Schopfheims bewirtschaftet, präsentierte ein Konzept, das in dieser Größenordnung in Deutschland Seltenheit hat. Auf einer Kernfläche von rund 100 Hektar soll die Topographie so genutzt werden, dass Wasser nicht mehr zum Problem, sondern zur Ressource wird. „Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie kritisch es für das Vieh wird, wenn im Sommer auf den Weiden nichts mehr wächst“, erklärte Haas. Das Keyline-Konzept setzt genau hier an: Durch das Anlegen von Baumreihen, Hecken, Teichen und speziellen Sickergräben entlang der natürlichen Höhenlinien wird das Gelände wie ein Schwamm aktiviert. Starkregen, der früher ungenutzt und oft schadhaft ins Tal schoss, wird nun gebremst und gezielt zur Versickerung gebracht. Die Herausforderung dabei ist nach den Worten Haas’ jedoch nicht nur die Natur, sondern auch die Bürokratie: Mit etwa 70 verschiedenen privaten und öffentlichen Verpächtern, darunter auch der Landkreis Lörrach, gleicht das Projekt einem diplomatischen Drahtseilakt. Die Förderung des Fonds ermöglicht nun die notwendige Detailplanung, um dieses komplexe Wassermanagement Schritt für Schritt in die Realität umzusetzen.

Schutz der Quellbereiche

Dass Klimaschutz im Südschwarzwald oft eine Frage der Grundversorgung ist, verdeutlichten die Berichte aus Häg-Ehrsberg und Gersbach. Landwirt Stefan Maier schilderte eindrücklich, wie die traditionelle Weidewirtschaft unter den Extremwetterereignissen leidet. „Bei Starkregen verstopfen die Quellen durch Sedimente, in der Hitze bricht die Schüttung zusammen“, so Maier. Mit Unterstützung des EWS-Fonds sollen vier Quellen saniert werden. Dabei geht es nicht nur um neue Rohre.

Ein ökologischer Fokus liegt auf dem Schutz der Quellbereiche: Die Tränken für das Vieh werden räumlich von der eigentlichen Fassung getrennt, um Verunreinigungen und Trittschäden zu vermeiden.

Ein lebendiges Beispiel für bürgerschaftliches Engagement ist die solidarische Landwirtschaft „Möhreblick“. In Zusammenarbeit mit dem Sattelhof experimentiert der neu gegründete Verein auf einem Hektar Land, was später im Großen Schule machen könnte. Andrea Reynolds berichtete unter anderem von der Pflanzung von Hecken am Rand des Geländes und vier großen Obstbaumreihen quer durch die Gemüsefelder.

Solidarische Landwirtschaft

Dieses „Agroforst-System“ soll mehrere Probleme gleichzeitig lösen: Die Bäume sollen den Sonnenbrand beim empfindlichen Gemüse verhindern. Die Hecken bremsen die Bodenerosion durch den Wind auf der exponierten Muldenlage. Im Rahmen eines großen Workshops halfen mehr als 60 Teilnehmer bei den Pflanzungen und lernten die Landwirtschaft der Zukunft kennen. Die Solawi Möhreblick diene nicht nur dem Zweck Gemüse anzubauen, sondern sei, so Reynolds, „ein Gesamtpaket“ mit dem auch Bewusstsein für die ökologischen Zusammenhänge geweckt werde.

Besonderes Interesse fand das Thema Pflanzenkohle. In sogenannten „Kon-Tiki“-Meilern wird Heckenschnitt vor Ort verköhlert.

Nachhaltigkeit

Auf Nachhaltigkeit setzt schließlich auch das Projekt des Familienzentrums Schopfheim., das Cornelia Hartmann und Anna Janki vorstellten. Im Second-Hand-Laden des Zentrums werden gut erhaltene Baby-und Kinderkleidung, aber auch Spielzeug und Babyausstattung wie Autositze und ähnliches angenommen und gegen eine Spende wieder abgegeben. Die Nachfrage steigt ständig, daher platze der dafür genutzte Raum aus allen Nähten, berichtete Janki. „Der Bedarf ist da, aber der Platz fehlt“, bestätigte auch Cornelia Hartmann. Mit Unterstützung des EWS-Fonds, sollen der Raum umgestaltet, aber auch durch das Einziehen einer zusätzlichen Wand die Heizkosten verringert werden.

Teil eines größeren Puzzles

Bereits zu Beginn verdeutlichten Schopfheims Bürgermeister Dirk Harscher und die städtische Klimaschutzmanagerin, Delia Kuhnert, dass die lokalen Projekte Teil eines größeren Puzzles sind. Schopfheim, so Harscher, produziere bereits jetzt rechnerisch mehr Strom als alle Haushalte benötigen – vor allem dank der Windkraft, aus deren Erträgen wiederum der Klimafonds gespeist wird. Die Vision für die nächsten 20 Jahre sei die vollständige Vernetzung der regenerativen Energieträger und ein konsequenter Ausbau der Nahwärmenetze, um die Stadt schrittweise von fossilen Importen und den Ölmultis unabhängig zu machen. „Es geht“, hieß es in der Runde, „im Kern um unsere lokale Freiheit und Unabhängigkeit.“

Anträge auf Förderung entsprechender Klimaschutzprojekte im nächsten Jahr können bis 31. Juli über die Website der Stadt Schopfheim gestellt werden. Dort sind auch weitergehende Informationen abrufbar. Weitere Infos unter: www.schopfheim.de/EWS-Spende