Lambert Straub, Vorsitzender des Nabu Horb im Gespräch. Der Naturschützer sagt, warum das „Waldjuwel“ bei Rexingen jetzt aus dem Teilregionalplan Windenergie heraus muss. Wie man als Bürger seine Stimme erhebt.
Jetzt geht die Diskussion um die Windkraft im „Waldjuwel“ Großer Hau in Rexingen wieder los. Unsere Redaktion sprach mit Lambert Straub, Vorsitzender des Naturschutzbundes Nabu Horb.
Warum soll diese Fläche aus dem Teilregionalplan Windkraft raus?
Wir vom Nabu kennen alle Flächen im Teilregionalplan Windkraft in Horb. Der Große Hau wurde bereits 2012 gründlich bezüglich Vögeln und Fledermäusen untersucht. Der Große Hau/Ihlinger Berg ist unter den vorgeschlagenen Gebieten das wertvollste und sensibelste Gebiet für den Naturschutz und den Artenschutz.
Warum?
Es ist nicht nur das größte zusammenhängende unzerschnittene Waldgebiet in Horb. Der Große Hau/Ihlinger Berg liegt zwischen den Naturschutzgebieten Dießener Tal und Osterhalde. Wenn man hier die Infrastruktur für Windkraft mit Erschließungsstraßen, Fundamenten und gerodeten Flächen schafft, dann hat das dramatische Folgen für Natur- und Artenschutz. Der Wald wird durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Das heißt: Damit verliert der Große Hau sein Waldinnenklima. Die Fähigkeit, die Feuchtigkeit im Boden zu erhalten, geht verloren. Der Boden wird viel mehr besonnt, trocknet aus. Das hat auch Auswirkungen auf die Felder drumherum – die Feuchtigkeit morgens kommt in Form von Nebel aus dem Wald, der sich als Tau niederschlägt. Ohne Wald würden auch die Felder um den Wald im Sommer trockener werden
Was heißt das für den Wasserschutz?
Der Große Hau ist einer der wenigen ebenen Waldflächen in Horb, die sauberes und unbelastetes Grundwasser generiert und hat so auch Auswirkungen auf das Grund- und Trinkwasser. Wenn wir dieses System zerstören, leidet auch das die Naturschutzgebiet Dießener Tal darunter.
Kann man den Großen Hau/Ihlinger Berg als Naturrefugium bezeichnen?
Definitiv. Für Natur und Artenvielfalt ist es sinnvoll, einen möglichst großen Bereich zu schützen. Im Dießener Tal gibt es eine wunderbare Entwicklung mit dem Biber und auch der Schwarzstorch, Weißstorch, Grau- und Silberreiher sind dort regelmäßig auf Nahrungssuche. Sie schrauben sich in der Thermik am Hang zum Großen Hau nach oben und wären wie auch der Rot- und Schwarzmilan durch nahe stehende Windräder extrem gefährdet. Die Funktion des Großen Hau als wichtige Wasserquelle für das Naturschutzgebiet würde erheblich eingeschränkt. Nicht zu vergessen die Risiken und der Lebensraumverlust für die elf Fledermausarten und die über 70 Brut- und Gastvogelarten und das Milandichtezentrum, das schon im Jahr 2012 hier amtlich festgestellt wurde.
Sind die anderen vorgeschlagenen Flächen in der Raumschaft Horb auch so kritisch?
Wo kann Windkraft besser installiert werden als am Industriegebiet? Nördlich davon auf der Fläche WF 10 ist kein Wald. Hier gibt es laut Windatlas mehr Wind als auf dem großen Hau / Ihlinger Berg. Das wäre die Idealfläche. Die Fläche südlich davon – WF 11 – wird ohnehin durch die Umfahrung Rauher Stich beschnitten werden. Sie ist auch durch die unmittelbare Nähe zum Containerterminal schon belastet. Auf der Fläche WF 9 zwischen Waldachtal und Grünmettenstetten befindet sich auf Horber Seite die Erddeponie Hagenbuch, die ohnehin schon Feld- und Wirtschaftswege hat. Dort fährt auch schon Schwerlastverkehr, der Schaden für die Natur wäre hier geringer. Die Fläche WF 3 nördlich von Talheim überlappt mit Haiterbach und ist in der Nähe vom Industriegebiet Haiterbach. Die Hälfte dieser Fläche liegt außerhalb vom Wald. Auf der Fläche WF 15 zwischen Empfingen und Betra ist auch Wald betroffen. Das ist nicht optimal, aber der Wert dieser Fläche für Natur- und Artenschutz ist mit dem Großen Hau nicht vergleichbar.
Was schließt der Nabu aus seiner Abwägung?
Wir haben uns im Klimarat der Stadt auch für den Ausbau der Windenergie eingesetzt. Dabei müssen wir aber differenzieren: Wo entsteht der größte Schaden? Unsere Forderung, den Großen Hau herauszunehmen, ist auch für uns ein Kompromiss aus der Sicht von Natur- und Artenschutz. Das ist die einzige Möglichkeit, den Ausbau der Erneuerbaren einigermaßen naturverträglich zu machen. Wir wollen verhindern, dass ein Totalausverkauf der Natur in Horb stattfindet.
Gefährdet das den Ausbau der erneuerbaren Energien?
Durch den jetzt vorgelegten Regionalplan sind 5,2 Prozent der Fläche von Horb für Windenergie vorgesehen. Nimmt man den großen Hau raus, sind es noch vier Prozent. Mit diesen vier Prozent würde Horb flächenmäßig eines der größten „Windkraftopfer“ in der Region Nordschwarzwald bringen. Selbst wenn die restlichen Flächen noch kleiner würden, blieben bestimmt noch gut drei Prozent. Weit über der Vorgabe des Landes von 1,8 Prozent.
Bei den jüngsten Konflikten in der Stadt wie beim Stadteingang Süd hieß es: Lasst uns erst mal frei planen. Was wirklich passiert, erfahren wir erst nach dem Wettbewerb. Ist es hier auch so?
Nein. Wenn man den Großen Hau / Ihlinger Berg aus diesem Plan nicht jetzt herausbekommt, dann wird auch dieses Naturjuwel mit Windkraft belegt. Der Einspruch von Gemeinde, Bürgern und Verbänden bei dieser Offenlegung ist die letzte realistische Chance, das zu verhindern.
Wie kann man Einspruch gegen die Windkraft einlegen?
Die Frist
Regionaldirektor Sascha Klein: „Die Frist für die Einwendungen von Bürgern endet am 15. März 2024. Diese Einwendungen können per Brief auf dem Postweg an unsere Adresse, per Mail oder im Internet gemacht werden.“
Per Brief
: Postadresse: Regionalverband Nordschwarzwald, Westliche-Karl-Friedrich-Straße 29-31, D-75172 Pforzheim.
Per Mail
: stellungnahmen@rvnsw.de
Im Internet
: beteiligung-regionalplan.de/nordschwarzwald_wind/