Premiere am Flughafen Stuttgart: das erste Tankfahrzeug, bei dem sowohl der Motor der Zugmaschine wie auch die Kraftstoffpumpe aus der Batterie des Lkw gespeist werden. Foto: Ines Rudel

Der Stuttgarter Flughafen-Geschäftsführer Ulrich Heppe sieht einen weiteren Meilenstein beim Klimaschutz erreicht: Erstmals kommt ein strombetriebener Tanklaster auf Basis eines Mercedes-Trucks zum Einsatz.

Bis zum Jahr 2030 will der Flughafen Stuttgart die komplette Flugabfertigung klimaneutral bewältigen. Als erster europäischer Airport hat der Betrieb sämtliche Passagierbusse und Gepäckschlepper mit batterie-elektrischen Antrieben ausgestattet. Jetzt folgt – als weltweite Premiere – ein weiterer „großer Meilenstein“, wie Flughafen-Geschäftsführer Ulrich Heppe sagt. Auch die Flotte der Tankfahrzeuge soll umgestellt werden. Ein erstes Modell auf Basis einer eEconic-Zugmaschine von Mercedes Benz Special Trucks wurde am Freitag in Echterdingen an den Dienstleister Skytanking übergeben.

 

57 Tonnen wiegt das 18,5 Meter lange Fahrzeug, wenn der Tank mit 40 000 Litern Kerosin bis zur maximalen Kapazität gefüllt ist. 1500 Liter können pro Minute ins Flugzeug gepumpt werden. „Einmal voll, bitte“ dauert bei einem gewöhnlichen Ferienflieger damit weniger als 20 Minuten.

Die technische Innovation, die Daimler Truck und der hessische Fahrzeugaufbauten-Spezialist Esterer entwickelt haben, liegt im gemeinsamen Antrieb: Sowohl die Motoren der Niederflur-Zugmaschine, die unter der Flugzeugtragfläche durchfahren kann, wie auch die Kraftstoffpumpe werden mit Energie aus der 300-Kilowattstunden-Batterie des Lkw versorgt. Eine Stunde Ladezeit soll reichen, um das Fahrzeug einen kompletten Tag lang betreiben zu können.

Der Minister verweist mit Sorge auf blühende Osterglocken

Laut Flugemissionsrechner von „Atmosfair“ entstehen bei der Verbrennung von 40 000 Litern Kerosin gut 126 Tonnen CO2. Im Vergleich dazu wirkt der Klimaschutzeffekt elektrisch betriebener Tanklaster überschaubar. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der auch Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats ist, verweist aber auf die Bedeutung auch der kleineren Schritte.

„Jeder, der sieht, wie am 1. März schon die Osterglocken blühen, sollte wissen, was die Stunde geschlagen hat“, sagt Hermann. Der Klimawandel sei sichtbar – und deshalb habe sich die Flughafengesellschaft vorgenommen, „alles, wofür wir direkt verantwortlich sind, möglichst klimaneutral zu machen“. Die Treibhausgas-Emissionen sollen bis 2040 auf Null reduziert werden, die Flugabfertigung soll schon zehn Jahre früher klimaneutral sein – ein Transformationsvorhaben mit Kosten von rund zwei Milliarden Euro. Schwieriger dürfte es werden, dem Fliegen selbst die CO2-Emissionen auszutreiben. Ein Weg könnten synthetische Kraftstoffe sein. Der Flughafen ist in diesem Zusammenhang an Pilotprojekten beteiligt.

Julia Esterer, die Geschäftsführerin der auf Fahrzeugaufbauten spezialisierten Ulrich Esterer GmbH, ist überzeugt, dass elektrische Tanklaster nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern auch wirtschaftlich. Die höheren Anschaffungskosten – derzeit kostet die Zugmaschine rund 300 000 Euro und damit etwa das Doppelte des dieselbetriebenen Pendants – würden über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs hereingespielt. Denn die Wartungskosten seien geringer und Strom für den Betrieb billiger als Diesel.

Mit dem neuen Tanklastwagen soll Stuttgart auch für andere Flughäfen zum Vorbild werden. Der Betrieb wird von der Technischen Hochschule Aachen wissenschaftlich begleitet und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mitfinanziert. Julia Esterer sagt, es gebe nicht nur in Europa, sondern weltweit Interesse an den neuartigen Tanklastern.