Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ hatten die Besucher der Stadtwerke VS in der Pforzheimer Straße in Villingen am Samstag die Gelegenheit, sich eingehend über saubere Energien und Nachhaltigkeit zu informieren, um sich dem „gemeinsamen Weg zur Klimaneutralität“ anschließen zu können.
Aus den bisherigen Energiewende- und Nachhaltigkeitstagen ist in diesem Jahr landesweit der „Klima-Länd-Tag“ geworden, an dem sich die Stadt und ihre Stadtwerke dem gemeinsamen Ziel widmeten, die Stadt bis 2035 klimaneutral zu machen und die Bürgerinnen und Bürger durch fachliche Informationen anzuregen, sich daran zu beteiligen.
Erfreulich viele Menschen folgten der Einladung. Oberbürgermeister Jürgen Roth nutzte die Gelegenheit, um einmal mehr die kommunale Wärmeplanung und deren aktuellen Umsetzungsstand zu erläutern.
Die Transformation der Wärmeversorgung ist eingeläutet, der Beweis sind die zahlreichen Tiefbauarbeiten, die im Stadtgebiet derzeit ins Auge fallen. Der Ausbau von Wärmenetzen und dezentralen Versorgungslösungen werde durch den Energieversorger vorangetrieben, so Roth. „Das ist für die SVS gerade wie Tetris spielen, damit bis 2035 ein schlüssiges Wärmebild entsteht“.
Beim Städtebau
Auch der Städtebau habe bei der Innenentwicklung das Klima immer im Blick. So werde in der Beethoven- und der Villinger Straße in Schwenningen mehr grüne Infrastruktur geschaffen und Radwege gebaut, im Neubaugebiet Oberer Brühl in Villingen kommen wiederverwertete Baustoffe und Holz zum Einsatz sowie eine klimaneutrale Wärmeversorgung mit Geothermie, nannte er Beispiele.
Thema Bertholdshöfe
Auch müsse bei der Energieerzeugung der Anteil erneuerbarer Energien erhöht werden, sprach Roth die umstrittene PV-Freiflächenanlage bei den Bertholdshöfen an. Um eine entsprechende Energiemenge zu gewinnen, bräuchte man „deutlich teureres“ Photovoltaik auf 900 kommunalen Dächern oder über 10 800 Parkplätzen.
In Sachen Mobilität setze die Stadt aktuell ihre Radwegskonzepte um, weise Fahrradstraßen aus und erweitere den ÖPNV, erarbeite ein Parkraumbewirtschaftungs-konzept und erhöhe die Zahl von E-Ladesäulen. 16 kommunale Fahrzeuge fahren bereits mit Strom und für die wichtigsten kommunalen Gebäude entstehe ein Gesamtsanierungsplan. Die Klimaneutralität erreiche die Stadt aber nicht alleine, „wir brauchen Sie“, schloss Roth und bot Beratungen durch das Baurechtsamt und die Energieagentur an.
„Das ist eine Mammutaufgabe“, bestätigte der SVS-Bereichsleiter Markt, Sebastian Wilhelm. 85 Prozent der VS-Haushalte werden momentan noch mit Öl oder Gas beheizt. „Unsere Aufgabe ist es, regenerative Alternativen anzubieten“, so Wilhelm, denn die Rechnung für immer teurer werdendes Gas bezahlen die, die zuletzt noch vom Gasnetz abhängig sind.
Weitere Beteiligte
Sein Kollege Georg Haas, bei den Stadtwerken Bereichsleiter für Unternehmensentwicklung und Energielösungen, sprach von 5,9 Millionen Euro, die die SVS 2024 im Sinne der Klimaneutralität investiere. 2021 waren es noch knapp zwei. Er dankte für das Verständnis für die aktuellen Baumaßnahmen und wies auf die Homepage (www.stadtwerke-vs.de) hin, von der weitere geplante Arbeiten abzulesen seien. Man nehme die Klimakrise ernst und handle entschlossen. „Es ist ein Marathon, aber wir sind auf Kurs“, schloss Haas.
Außerhalb der Vorträge rundeten Informationen über das städtische Solarpotential-Kataster und über regeneratives Heizen, Aktionsstände von der Baugenossenschaft Familienheim, der Stiftung Liebenau, dem Umweltzentrum, dem BUND, dem Reparaturverbund „Werkboxx“, dem Fahrradclub ADFC und der Initiative „Foodsharing“ den Klima-Länd-Tag ab.