Bäume und Hecken oder auch Grünflächen und kleine Parkanlagen verbessern das Kleinklima in Städten. Foto: Beatrice Ehrlich

Alle großen Kreisstädte müssen bis 31. Juni 2031 ein Klimaanpassungskonzept erstellen. Weil am Rhein will dieser Pflicht schon dieses Jahr nachkommen.

Der Bau- und Umweltausschuss empfahl am Dienstag dem Gemeinderat, die Verwaltung mit der Erstellung eines kommunalen Klimaschutzkonzeptes zu beauftragen und dafür entsprechende Konnexitätsmittel zu beantragen.

 

„Wir würden diese lokale Klimaschutzstrategie gerne so schnell wie möglich erstellen, am besten noch 2026“, erläuterte Ruben Richter vom Stadtbauamt im Ausschuss.

Zur Reduzierung von Hitze-Hotspots habe man bereits Rahmenpläne entwickelt und auch zur Prävention von Schäden durch Starkregen lägen mit den Erosionsgefahrenkarten des Landkreises (Erol) schon Daten vor, auf die man zurückgreifen könne.

Nur für den dritten Bereich, die zunehmende Trockenheit, müssten neue Basisdaten erhoben werden.

Drei Bausteine

Das Konzept bestehe aus drei Bausteinen, so Richter weiter. Zunächst erfolge eine Klimawirkungsanalyse, die ermittle, welche Klimawandelphänomene für Weil am Rhein relevant sind. Dies seien eben vor allem Hitze, Starkregen und Trockenheit.

Danach werde in einer Betroffenheitsanalyse untersucht, welche Stadtbereiche, Bevölkerungsgruppen und Infrastrukturen besonders vulnerabel sind. Die Erkenntnisse dieser Analysen münden dann in einen konkreten Katalog von Anpassungsmaßnahmen, der auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten sei, erklärte Richter.

Vor Klimaschäden bewahren

Ziel sei es, nicht nur mehr Grün, Schatten und Wasserelemente in die Stadt zu bringen und damit die Lebensqualität zu erhöhen, sondern auch, vorausschauend zentrale Strukturen und Einrichtungen vor Klimaschäden zu bewahren. Auch Maßnahmen zur Förderung von Rad- und Fußverkehr sollen Teil des Konzeptes sein.

Werde dieses Konzept aus einem bereits bestehenden heraus weiterentwickelt, erhalte die Kommune dafür Gelder in Höhe von zwei Euro je Einwohner. Müsse das Papier komplett von Null neu erstellt werden, verdopple sich der Betrag. Da bereits Rahmenpläne und Grundlagen vorliegen, gehe man zunächst von der niedrigeren Summe aus, was aber immer noch 64 000 Euro bedeute.

Dies sei auf jeden Fall auskömmlich, ergänzte Bürgermeister Lorenz Wehrle, die Stadt müsse also keinen finanziellen Eigenanteil leisten. Im Gegenteil, es werde ein Überschuss bleiben, der nicht zurückgezahlt werden müsse, sondern in erste Maßnahmen fließen könne.

Förderung

Sollte der Fördergeber die vorhandenen Grundlagen noch nicht als Konzept ansehen, freue man sich natürlich umso mehr über die doppelte Summe. „Wenn wir nur zwei Euro beantragen, bekommen wir auch nur zwei Euro“, meinte dagegen Thomas Bayer, der sich wunderte, dass sich die Verwaltung von vornherein mit der niedrigeren Unterstützungsquote zufriedengibt. Das tue man keineswegs, versicherte Wehrle, man werde den Antrag entsprechend offen formulieren.

Grünplanungsabteilung führt Feder

Federführend bei der Erarbeitung ist die Grünplanungsabteilung des Stadtbauamts, die aber über Workshops alle anderen Ressorts einbinden werde, kündigte Ruben Richter an. Selbstverständlich sollen auch externe Akteure wie Landwirte, Naturschutzorganisationen und andere Gruppen sowie die Bürger Gelegenheit bekommen, mitzuwirken.

Mehr als Workshops

Neben Workshops seien auch moderierte Infoabende oder Online-Befragungen dafür denkbar. Axel Schiffmann bat darum, „über die Nerds hinaus“ auch möglichst breite Schichten „aus der kompromissbereiten Mitte“ zu mobilisieren. Dabei betonte er aber, dass er die ohnehin schon sehr Engagierten, also die Nerds, sehr schätze und für unverzichtbar halte.

Höhere Förderung wäre möglich

Die Landesgelder könnten, sobald der Gemeinderatsbeschluss vorliege, unbürokratisch ohne weitere Auflagen sofort beantragt werden, so Ruben Richter. Im Idealfall liege das Konzept schon am Ende dieses Jahres vor. Das hätte den Vorteil, dass die 3-Länder-Stadt dann bereits ab 2027 für Maßnahmen, die aus dem Klimaschutzkonzept hervorgehen, eine höhere Förderung (90 statt 70 Prozent) aus dem Programm „Klimopass“ erhalte, meinte der Sachbearbeiter abschließend.