Die Quelle der Brigach liegt unter dem Hirzbauernhof bei St. Georgen und macht diesen zu einem beliebten Ausflugsziel.
Weiher sind im Schwarzwald keine Seltenheit. Zum traditionellen Bauernhof in Alleinlage gehört neben dem Haupthaus mit seinem tiefen Dach häufig ein Gewässer. Es diente traditionell als Löschteich und auch zur Fischzucht. Der Weiher beim Hirzbauernhof bei St. Georgen ist aber etwas Besonderes: Er fasst die Quelle der Brigach und damit jenen Fluss, der sich 40 Kilometer später mit der Breg vereinigt und die Donau auch sprichwörtlich zuwege bringt.
Schon deshalb ist an dem unscheinbaren Gewässer des Hirzbauernhofs immer etwas los. Wanderer machen halt, sie setzen sich auf frisch gehobelte Bänke und studieren die erklärende Tafel. Auch Radfahrer, die von St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis/VS) heraufkommen, steigen ab und staunen, dass aus diesem leise hervorsprudelnden Wasser einmal ein wichtiger europäischer Fluss werden soll.
„Die Quelle befand sich früher im Keller unseres Hauses“, erklärt Hansjörg Heinzmann. Zusammen mit seinem Sohn Adrian und den Ehefrauen bewirtschaftet er den Hirzbauernhof. Der kernige 65-Jährige schraubt gerade an einem seiner fünf Traktoren, die angriffslustig in der flachen Halle stehen.
Die Quelle hat immer zum Hof gehört, sie ist das herausstechende Merkmal des einsam liegenden Anwesens. Im Jahre 1898 ergriff der Schwarzwaldverein die Initiative und verlegte die Quelle nach draußen. Über ein Rohr plätschert die Brigach in den Weiher, wo man sie bis heute bestaunen kann. Später fließt sie das zierliche Tal hinunter, an St. Georgen und Villingen vorbei, bis sie im Schlosspark von Donaueschingen zur Donau wird.
Manche Besucher kommen von weit her
Manche Besucher reisen von weit an, etwa Hydrologen aus Rumänien oder Historiker aus Ungarn, berichtet Heinzmann. „Sie wollen der Sache auf den Grund gehen“, sagt der Landwirt. Und das ist die Brigach sowie die Breg, die einige Kilometer entfernt entspringt. Dabei zieht die Breg mehr Neugierige an, da sie der volumenreichere Fluss ist.
Für die Heinzmanns ist die Brigach der Normalfall. Wie viele Bauern macht sich auch der Seniorchef Sorgen um die Zukunft seines Hofes. Knapp 40 Milchkühe stehen im Stall, sagt er. Er ist froh, dass mit Adrian einer der drei Söhne den Hof übernimmt. Auch die anderen beiden Söhne haben „was Rechtes“ gelernt, wie er sagt. Sie können mit Maschinen und Werkzeug umgehen. Die Milchkühe alleine könnten den stattlichen Hof nicht stabil halten. Vier Ferienwohnungen sind in den drei Häusern des Hofes eingerichtet, zwei davon im Leibgeding (das Haus, in dem früher der Altbauer lebte).
Die Ferienwohnungen sind bei jungen Familien beliebt
Vor allem junge Familien buchen die rustikalen Räume zwischen dem berühmten Fluss und vielen Tieren. Wie es dort zugeht, lernen die jungen Gäste ziemlich schnell: Während des Reporterbesuchs kommt ein Mädchen aufgeregt zu Lea Heinzmann gelaufen. Das Kind hat ein Huhn ohne Kopf entdeckt. „Das war der Fuchs“, sagt die Vermieterin Heinzmann. Der sei leider immer wieder unterwegs. Ein Wolf wurde im oberen Brigach aber noch nicht gesichtet, „Gottseidank“, sagt die junge Bäuerin.
Die Familie sitzt seit 1798 auf dem Hof. „Der Vorbesitzer musste verkaufen, er war verschuldet“, berichtet Hansjörg Heinzmann. Seitdem wurde der Hof von einer Generation an die nächste vererbt. Von dem unscheinbaren Tal nahm die große Welt lange Zeit keine Notiz. Erst der Bau der Schwarzwaldbahn erschloss die einsame Gegend für die ersten Urlauber. „Die Bahn hat Touristen heraufgebracht“, sagt Heinzmann. So wurden die ersten Fremdenzimmer hergerichtet, wie es damals hieß, und später zu Appartements erweitert – Quellwasser und Hühnerdiebstahl inklusive.