Die Spielbühne Schopfheim steht in den Startlöchern. Geprobt wird Max Frischs Parabel „Biedermann und die Brandstifter“, die neue Aktualität erhält.
„Die Kultur und die Aktivitäten in Schopfheim sind toll“, findet Christof Hoelger. Der gebürtige Bremer, der seit 1990 in der Gegend, in Weil-Ötlingen lebt, spielt erstmals bei der Spielbühne Schopfheim mit.
Für Hoelger eine ganz neue und besondere Erfahrung: „Es macht Spaß, in so einem Stück mitzuspielen“, sagt der Norddeutsche, der sich die Rolle in der neuen Produktion selber ausgesucht hat – eine kleinere Rolle zwar, aber immerhin.
Hoelger findet auch das Stück sehr gut: „Biedermann und die Brandstifter“, ein Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Eine dramatische Parabel aus den 1950er Jahren, die ungeahnte Aktualität bekommen hat angesichts der politischen Weltlage.
Für Christof Hoelger ist das Theaterspielen etwas ganz Neues. Er hat in diesem Stück, in dem auch der Chor wie in der antiken Tragödie eine Rolle spielt – es sind Außenstehende, die das Geschehen beurteilen und kommentieren – den Part des „Guten“, des Feuerwehrhauptmanns, übernommen.
Vom Tanz zum Schauspiel
Noch zwei weitere Neuzugänge stehen in den Startlöchern: Eine von ihnen ist Nina Homolka, die in der Region als Tanzpädagogin und Choreografin bekannt ist. Man kennt sie durch ihre jährlichen großen Tanzaufführungen in der Waldorfschule. Auch sie spielt erstmals bei der Spielbühne mit.
Für die erfahrene Tanzspezialistin aus Hausen, die auch schon mit einer Theaterpädagogin Regie gemacht hat, ist das Sprechtheater zwar Neuland, aber eigentlich doch nur eine weitere Bühnensprache. „Tanz ist und bleibt mein Beruf“, sagt sie selber. Aber man müsse auch als Tänzer schauspielerische Qualitäten mitbringen. Man darf also davon ausgehen, dass sie Homolka auch mal tänzerisch auf der Theaterbühne bewegen wird.
Sie spielt das Dienstmädchen, auch eine Außenstehende, die alles beobachtet. Sie hat zwar im Hause Biedermann nur zu bedienen, kapiert aber schneller als ihre Herrschaft, dass die beiden Ganoven nicht ganz harmlos sind. Ein vielschichtigeres Stück, als es auf den ersten Anschein aussieht, sagt Homolka, die sich auf die weitere Probenarbeit freut.
Neue Herausforderung
Der dritte Neue im Ensemble ist Stefan Wetzel aus Schopfheim. Er verfügt bereits über reichlich Bühnenerfahrung, vor allem im Bereich Gesang und Musiktheater. Durch seinen Freund Gerhard Abt, der wie einige andere langjährige Darsteller wie Magda Brase und Boris Heilscher in diesem Jahr pausiert, kam Wetzel zur Spielbühne. Beide kennen sich durch ihre Tangoleidenschaft im Tangoverein.
Als Zuschauer kannte Wetzel die Spielbühne längst. Er selber hatte viele Engagements im Ensemble „Musiktheaterfreunde“, das unter Regie der verstorbenen Brigitte Brecht Oper und Operette in der Region aufgeführt hat, auch im Zeller Textmuseum und als Freilichtaufführung im Riedlinger Theater im Hof.
In der „Fledermaus“ hat Wetzel den Doktor Falke verkörpert, im „Schwarzwaldmädel“ den Schulmeister, auch in der Puccini-Musikkomödie „Gianni Schicchi“ und einem Mozart-Pasticcio wirkte er mit.
Jetzt im Ruhestand sieht Wetzel im Mitspielen bei der Spielbühne eine neue Herausforderung. Er verkörpert die wichtige Rolle des Brandstifters Josef Schmitz, seines Zeichen ein Hausierer und ehemaliger Ringer.
Ensemble teils neu formiert
So stellt sich das Ensemble anders formiert dar: mit drei etablierten Mitwirkenden und drei Neuen. Eine interessante Mischung. Mit dabei ist wie immer Marianne Tittel in der Titelrolle des „guten, lieben Gottlieb Biedermann“, der die Brandstiftung in Kauf nimmt und so eine Art moderner Jedermann wird. Susanne Kita gibt Babette, die Gattin des Fabrikanten, und Gabriele Steffler den zweiten Brandstifter.
Die Regie liegt wieder in bewährten Händen von Stammregisseur Wolfgang Künzel, der im Vorjahr pausierte und den Regiestuhl Arnd Heuwinkel vom Theater in den Bergen überlassen hatte.
„Lehrstück ohne Lehre“
Nun inszeniert Künzel dieses Stück der Stunde, das derzeit auch am Theater Basel und an anderen größeren Häusern gespielt wird. Woran man die Aktualität gut erkennen kann. Diese war es auch, die Künzel und das Ensemble bewogen hat, das „Lehrstück ohne Lehre“, wie es ironisch im Untertitel heißt, einzustudieren. Seit September ist die Spielbühne intensiv am Proben, vorerst in der Waldorfschule, ab Mitte des Monats im Museumsgewölbe, dem eigentlichen Spielort.
In der Ankündigung der Spielbühne heißt es, dass das Stück zeige, „wie politische und gesellschaftliche Katastrophen nicht nur durch die Bösartigkeit der Täter, sondern vor allem durch die Passivität und Bequemlichkeit der Mehrheit ermöglicht werden“.
Trotz des ernsten Hintergrundes bietet diese Satire auf Dummheit und Mitläufertum aber auch viel Komik und überraschende Wendungen. Man darf gespannt sein, in welcher Richtung Künzel dieses Schauspiel über den Konflikt zwischen persönlicher Verantwortung und Wegschauen inszeniert: zeitlos oder überspitzt, abstrakt und allgemeingültig.
Symbolisch eindrücklich ist das Drama allemal. Wollen die Brandstifter nicht nur den Dachboden abfackeln oder das Haus niederbrennen, sondern die ganze Welt anzünden? Man wird es in dieser Aufführung sehen.
Aufführungen der Spielbühne vom 17. April bis 10. Mai im Museumsgewölbe. Tickets ab Mitte März in der Regio Buchhandlung.