Die Polizei hat eine 41-Jährige in Portugal verhaftet. Sie soll ihre beiden Kleinkinder allein im Wald ausgesetzt haben. Die Familie soll aus dem Elsass stammen.
Der Fall hat internationale Schlagzeilen gemacht und sorgt für Entsetzen: Am Dienstag wurden im Süden Portugals ein vier und ein fünf Jahre altes Kleinkind am Rand einer Landstraße aufgegriffen.
Ihre Mutter (41 Jahre alt) und deren Lebensgefährte (55) hatten sie zuvor mit verbundenen Augen und nahezu ohne Lebensmittel und Ausrüstung im Wald ausgesetzt und ihnen vorgemacht, dass sie dort nach Spielzeug suchen könnten. Das Paar wurde am Donnerstag in einem Café weit vom Tatort entfernt ebenfalls in Portugal entdeckt und festgenommen.
Nun ist klar: die beiden Kinder waren in Colmar bereits seit dem 11. Mai als vermisst gemeldet, weil sie nicht im Kindergarten aufgetaucht waren. Das hat die zuständige Staatsanwaltschaft nun mitgeteilt.
41-Jähriger droht nun eine langjährige Haftstrafe
Bürgermeister Eric Straumann zeigte sich einem Bericht der Zeitung „l’Alsace“ zufolge erleichtert dass die Kinder gerettet wurden. Laut Staatsanwaltschaft habe der Vater der Kinder, der nicht in Colmar lebt, sich bei den Behörden gemeldet.
Verdeckte Ermittlungen hätten ergeben, dass die Mutter und die Kinder auf der iberischen Halbinsel unterwegs sind. Die Mutter habe das Sorgerecht gehabt, der Vater lediglich ein Besuchsrecht, so Staatsanwalt Jean Richert.
Der Mutter drohe eine langjährige Haftstrafe unter anderem wegen Misshandlung und Kindesaussetzung. Derzeit werde untersucht, ob die beiden Kinder möglicherweise Opfer sexueller Gewalt geworden seien. Sie hätten Hämatome gehabt, als sie gefunden wurden, schreibt „l’Alsace“.
Bereits der zweite Fall innerhalb weniger Wochen
Der Vorfall ist bereits der zweite Fall von schwerer Kindesmisshandlung, der binnen weniger Wochen das Elsass erschüttert. Zuletzt war in Mulhouse ein kleiner Junge gerettet worden, der von seinem Vater seit über einem Jahr im Innenhof eines Mehrfamilienhauses in einem Kleinlaster gefangen gehalten wurde, weil offenbar die neue Partnerin des Mannes den Bub nicht leiden konnte.
Das Verschwinden des Jungen war offenbar lange Zeit niemandem aufgefallen oder verdächtig vorgekommen, bis schließlich Nachbarn Verdacht schöpften und die Polizei alarmierten. Die Beamten fanden das Kind daraufhin unbekleidet und unterernährt vor und verhafteten den 43-jährigen Vater, dem nun Medienberichten zufolge 30 Jahre Haft drohen könnten.