Alle, die sich für den Umbau der Werkrealschule in Stetten zu einem Kindergarten eingesetzt hatten, erlebten am Dienstag eine Enttäuschung: Der Gemeinderat entschied sich gegen diesen Vorschlag der Stadtverwaltung. Am Mikrofon: Dagmar Pfeffer, Leiterin des städtischen Kindergartens Stetten. Foto: Kost

Noch vor einer Woche gab es Zweifel, ob der Gemeinderat in der Lage ist, kurzfristig Entscheidungen in hochkomplexen Kindergartenfragen zu treffen. Doch genau das tat er jetzt. Und wie immer in solchen Fällen gab es Gewinner und Verlierer.

Haigerloch - Die Gemeinderatssitzung am vorgestrigen Dienstagabend (erneut in der Witthauhalle) war der vorläufige Schlusspunkt unter eine fulminante Debatte, welche die gesamtstädtische Kommunalpolitik seit Wochen auf Trab hält: es geht um die Schaffung von Betreuungsangeboten für Kleinkinder und die damit verbundenen Investitionen.

Mit der vor allem von jungen Frauen gut besuchten Sondersitzung des Gemeinderates vor sieben Tagen hatte das Thema nochmals deutlich an Geschwindigkeit zugelegt. Verschiedene Rednerinnen hatten den Gemeinderäte und -rätinnen in dieser Sondersitzung nämlich überdeutlich mitgeteilt, was sie von ihnen erwarten: Nehmt die Bedürfnisse junger Eltern ernst. Schafft schnelle Lösungen für ein familienfreundliches Klima. Sorgt für eine bedarfsgerechte Kleinkindbetreuung.

Weil sie wussten, dass sie liefern mussten, trafen sich deshalb alle Gemeinderatsfraktionen am vergangenen Freitag ohne Bürgermeister und Stadtverwaltung, um ganz unter sich nochmals über das Pro und Contra verschiedener Lösungsvorschläge zu diskutieren und zu einem Konsens zu kommen.

Enttäuschung bei Vertreterinnen aus Stetten

Das gemeinsam erarbeitete Ergebnis dieser mehrstündigen Beratung trug Matthias Deppert, Sprecher der Freien Wähler, vor. Die Worte aus seinem Munde waren leider nicht zur Freude aller, die das Thema beschäftigt.

Vor allem unter den Vertreterinnen aus Stetten dürfte die Enttäuschung groß gewesen sein. Mit Hingabe hatten sich dort Frauen in den vergangenen Tagen für einen Umzug des städtischen Kindergartens in das leer stehende Werkrealschulgebäude im Andreasweg stark gemacht haben.

Jetzt bekamen sie von Matthias Deppert jedoch zu hören, dass der Gemeinderat momentan weder den Bedarf für einen mit Kosten von 3,8 Millionen Euro verbundenen Umzug des Kindergartens in die Werkrealschule sieht, noch eine fast gleichteure Sanierung des bestehenden Kindergartens für akut hält.

"Wir möchten noch keinen teuren Schnellschuss machen", erklärte der FWV-Sprecher die Entscheidung. Der Bedarf an Betreuungsplätzen in Stetten bleibe vorerst konstant (52 Kinder, davon sieben U3) und nehme dann leicht ab.

Fraueninitiative kann Teilerfolg feiern

Deppert wies ergänzend darauf hin, dass im Kindergarten Stetten in den vergangenen Jahren Sanitärbereich und Dach saniert wurden und man einen U3-Gruppenraum mit Schlafmöglichkeiten eingerichtet habe.

Nein, dem Gemeinderat schwebt zur Verbesserung der Kleinkindbetreuung eine ganz andere Lösung vor. Statt rund 300.000 Euro oder noch mehr in einen Funktionsanbau am Bittelbronner Kindergarten zu stecken oder 1,26 Millionen Euro für die Sanierung des Kindergartens in Weildorf auszugeben, empfiehlt man der Stadtverwaltung einen Neubau in modularer Bauweise für Kosten von rund 900.000 Euro zu prüfen.

Idealerweise an einen zentralen Standort, der für Eltern aus dem neuen Haigerlocher Wohnbaugebiet Stieglesfeld und aus den Ortschaften Weildorf und Bittelbronn gleich gut zu erreichen ist.

Der Neubau, fasste Matthias Deppert zusammen, solle Platz für mindestens drei U3-Gruppen und zwei Ü3-Gruppen bieten, außerdem solle geprüft werden, ob dort gleich eine Kindertagesstätte eingerichtet werden könne. "So können schnell und günstig neue Plätze geschaffen werden", erklärte er.

Weniger Bauchschmerzen bereiteten andere Entscheidungen, weil sie leichter umzusetzen sind. In Gruol soll die Verwaltung mit der Kirche über die sofortige Einrichtung einer Ü3-Gruppe im katholischen Kindergarten verhandeln – die würde im Bedarfsfall auch Reserven für 13 Kinder aus Haigerloch bieten.

Zumindest einen Teilerfolg durften die Fraueninitiative aus Hart feiern. Der Gemeinderat ließ sich zwar nicht zu dem kühnen Plan überreden, das komplette obere Stockwerk der ehemaligen Verwaltungsschule in der Tannwaldstraße einem Regelkindergarten und dem Waldkindergarten zu überlassen, wohl aber entschied man sich dafür, die von einem Wasserschaden heimgesuchten Räume im Untergeschoss wieder kindergartentauglich zu machen (Kosten rund 390.000 Euro).

Die entsprechenden Beschlüsse wurde auf der Basis der Gemeinderatsvorschläge dann auch so gefasst.

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