Wohl noch bis mindestens 2030 steigen in Gechingen die Bedarfszahlen für Plätze in Krippe und Kindergarten. Foto: © Oksana Kuzmina - stock.adobe.com

Die Inbetriebnahme der neuen Gechinger Kita Wolfswiesen 2023 schafft Luft in der Kleinkindbetreuung. Diese reicht jedoch nicht sehr weit: Die Bedarfszahlen für Plätze in Krippe und Kindergarten steigen wohl noch bis mindestens 2030.

Gechingen - Die bestehende Kita Weingarten aus dem Baujahr 1994 muss saniert und wegen des Platzbedarfs auch erweitert werden. Die Frage in der jüngsten Sitzung war, ob um eine oder zwei Gruppen. Markus Speitelsbach, im Ortsbauamt für die Hochbauthemen zuständig, hat sich in die Kita-Thematik eingearbeitet, nachdem der bisherig zuständige Kämmerer Andreas Bastl die Gemeinde verlassen hat. Speitelsbach hat den Räten den aktuellen Bestand an Gruppen und den Bedarf, wie er sich zum Ende des Jahres ergibt, bildhaft aufbereitet.

Zeitlicher Mehraufwand

Aktuell gibt es im Naturkindergarten eine Regelgruppe (RG) für maximal 20 Kinder. Weiter in der alten Kita Wolfswiesen drei RG à maximal 25 Kinder und in der jetzigen Kita Weingarten zwei Ganztagsgruppen GT mit je maximal 20 Jungen und Mädchen. Eine RG ist ausgelagert in der Sporthalle, was für die Erzieherinnen einen erheblichen zusätzlichen Aufwand bedeutet, wenn dort Veranstaltungen sind und das Foyer geräumt werden muss. An Krippenplätzen (U3) stehen derzeit in der Kita Zauberwald 20 Plätze, aufgeteilt auf zwei Gruppen, zur Verfügung.

Nur noch eine Gruppe als Puffer

Die Bedarfsanalyse zum Jahresende 2022 zeigt laut Speitelsbach, dass es in der neuen sechsgruppigen Kita Wolfswiesen (zwei RG, eine GT und zwei U3) nur noch eine Gruppe als Puffer gibt: entweder als RG für 25 Kinder oder als GT für 20 Kinder. Der Naturgarten soll weiter nur mit einer RG für 20 Kinder betrieben werden, die Nachfrage ist für eine zweite Gruppe laut Vorlage noch zu gering. Auch die zwei U3-Gruppen im Zauberwald werden voll belegt sein im nächsten Jahr. Es galt jetzt eine Entscheidung zu treffen, ob die Kita Weingarten um einen oder um zwei Gruppenräume erweitert werden soll. Ein Gruppenraum wird schon belegt sein, wenn die temporär in die Sporthalle ausgelagerte RG wieder zurückkehrt. Speitelsbach plädierte dafür, zwei neue Gruppenräume anzubauen, um künftig auch noch einen Puffer für maximal zehn Krippenplätze zu haben. Sollte 2030 "der Kinder-Peak überschritten sein, könnte dann die Kita Zauberwald aufgelöst werden und die Gruppen in die Kita Weingarten integriert werden".

Derzeit Maximalbelegung

Derzeit seien alle Kindergartengruppen mit Maximalbelegung voll besetzt, so Speitelsbach. Wenn man davon ausgehe, dass auch Integrationskinder dazukommen (sie belegen rechnerisch zwei Plätze), dass Flüchtlingskinder aufzunehmen sind und Familien zuziehen, sei die Erweiterung um zwei Gruppen im Weingarten unabdingbar.

Die Räte machten sich die Entscheidung nicht leicht und jonglierten munter die Gruppen zwischen den drei gemeindlichen Kitas hin und her. Dass geht aber gar nicht so einfach, machten Speitelsbach und auch Stefanie Weiss (Gesamtleitung Kindergärten) dem Gremium klar: Jede Gruppenart, ob RG, GT oder U3, habe ihr eigenes pädagogisches Konzept, brauche eine separate Genehmigung und habe unterschiedlichen Personalbedarf. Den Zauberwald auflösen und Weingarten gleich um drei Gruppen erweitern wollte Konstantin Böttinger (BU), auch um die Erzieherinnen an nur zwei Standorten zu konzentrieren.

Für einen zweiten "Dagobert"

Jan Wentsch (FW) plädierte für nur eine neue Gruppe im Weingarten und einen zweiten "Dagobert"-Bauwagen für eine zweite Naturkindergarten-Gruppe, weil das die kostengünstigste Möglichkeit für weitere Betreuungsplätze sei. Bürgermeister Jens Häußler hatte nämlich Zahlen genannt: 800 000 bis eine Million Euro muss man für eine neue Gruppe rechnen. Ein "Dagobert" wäre für einen niedrigen fünfstelligen Betrag zu haben.

Der Schultes machte deutlich, dass man die Pufferräume in den Wolfswiesen und im Weingarten auf jeden Fall braucht. Es sind bis jetzt "rechnerische Puffer, die wir aber auf jeden Fall belegen werden". Die Kita Wolfswiesen wird zum Kindergartenjahr 2023/2024 in Betrieb gehen und die erweiterte Kita Weingarten steht frühestens 2025 oder 2026 wieder zur Verfügung, heißt es in der Tischvorlage.

Personelle Engpässe

"Wir machen Kindergärten und wo bleibt’ s Personal?", sprach Gerhard Mörk (SPD) einen anderen Engpass an. Und wenn er höre, dass Gechinger Familien nach Unterhaugstett zum Waldkindergarten fahren müssen, weil sie hier keinen Platz bekommen, "wäre ein zweiter ›Dagobert‹ doch die günstigste Erweiterung". Klaus Böttinger (FW) findet den Vorschlag der Verwaltung mit zwei neuen Gruppen im Weingarten gut: "Das ist das, was wir Freien Wähler auch wollten, nur mit einer Gruppe: Es sollte so modular gebaut werden, dass man auch danach flexibel bleibt für eventuell weitere Erweiterungen und gruppenmäßige Umnutzungen".

Gegen die Stimme von Jan Wentsch (FW) wurde die Erweiterung der Kita Weingarten im Zuge ihrer auch energetischen Sanierung um zwei Gruppen zugestimmt. "Das ist jetzt erst die Vorbereitungs- und Vorplanungsphase", sagte Häußler, "wenn die Kinderanmeldungen im Frühjahr neue Erkenntnisse zum Bedarf bringen, können wir immer noch reagieren". Wenn schließlich gebaut wird, ziehen die Weingarten-Kinder solange um in die dann freien Räume der alten Kita Wolfswiesen.