Ramona Bürkle hält Katze „Runa“ ganz fest in ihrem Arm. Die Hoffnung, dass das Tier eines Tages wieder zurück zur Familie kommt, hat sie nie aufgegeben. 14 Monate war „Runa“ verschollen. Foto: Boller

Vor 14 Monaten verschwand eine Katze aus Niederschopfheim spurlos. Trotz eifriger Suche blieb das Tier von Familie Bürkle zunächst unauffindbar. Nun wurde „Runa“ gefunden.

Es ist ein kleines Weihnachtswunder: Im Oktober 2024 war die damals 14 Monate alte Katze „Runa“ verschwunden – 14 Monate später ist sie in Ottenheim gefunden worden.

 

Die überglückliche Familie Bürkle schloss die Rückkehrerin sofort in die Arme. „Es war eine riesige Anteilnahme da“, erzählt Ramona Bürkle unserer Redaktion. „Wenn uns Leute begegnen, rufen sie uns zu: ,Super, dass die Runa wieder da ist.‘ Autofahrer geben uns die Lichthupe oder strecken uns den nach oben gereckten Daumen entgegen.“

Wie es zu dem Wiedersehen kam, schildert Désirée Henninger von der Initiative „Für alle Felle“. Eine Frau habe ihr geschrieben, dass in Ottenheim eine Katze aufgefunden worden sei. Dort war eine Spaziergängerin unterwegs, als ihr ein Kätzchen über den Weg lief und sich nicht mehr „abschütteln“ ließ. Schließlich nahm sie das Tier mit nach Hause und wandte sich an die Tierschutzorganisation „Tasso“, die als erste Anlaufstelle für vermisste und wiedergefundene Tiere gilt. Dort gab sie die Chipnummer der Katze an. „Dort war man direkt aus dem Häuschen“, berichtet Henninger. Denn die Nummer gehörte zu der Katze „Runa“, deren Besitzer – eine Familie aus Niederschopfheim – ihr vierbeiniges Familienmitglied bereits seit 14 Monaten verzweifelt gesucht hatten.

Für die Familie Bürkle begann die Ungewissheit von einem Tag auf den anderen: „Runa war plötzlich weg“, so Ramona Bürkle. „Wir dachten zuerst, ein Fuchs habe sie geholt. Oder sie sei versehentlich mit dem Firmenauto meines Mannes mitgefahren und unterwegs verloren gegangen.“ Die Familie tat alles, was in ihrer Macht stand, ging wochenlang tagsüber und abends mit der Taschenlampe durch Runas altes Revier und rief nach der jungen Katze.

Die Hoffnung auf ein Wiedersehen gabFamilie Bürkle nie auf

Sämtliche Tierheime und Tierschutzorganisationen wurden kontaktiert und es wurden Flyer aufgehängt – doch Runa tauchte nicht wieder auf.

Da entschied sich die Familie, eine weitere Katze aufzunehmen. Mit „Ria“ zog eine Schwester Runas aus dem nächsten Wurf derselben Katzenmutter ein. „Aufgegeben haben wir die Hoffnung, Runa wiederzusehen, trotzdem nie“, sagt Bürkle. Vor allem die sechs- und achtjährigen Söhne litten sehr unter dem Verlust. „Das war ihre Katze“, erklärt Bürkle, „und sie fühlten sich von Anfang an für sie verantwortlich.“

Als Runa Anfang Dezember nach Niederschopfheim zurückkehrte, war die Freude in der Familie riesengroß. Henninger brachte die mittlerweile zweieinhalbjährige Katze in einer Transportbox nach Niederschopfheim. „Wir waren alle super aufgeregt“, erzählt Bürkle unserer Redaktion. Und was machte Runa? „Sie ist direkt an ihren angestammten Platz gelaufen, so, als sei sie nie weggewesen.“

Das erste Wiedersehen mit „Runa“ Foto: privat

Die Familie hatte auch einen besonderen Lockruf für ihre Runa: „Fiet-Fiet-Fiet“, macht ihn Bürkle im Gespräch mit unserer Redaktion vor. Dann lacht sie und zeigt Richtung Flur. Dort steht Runa und blickt erwartungsvoll zu ihrer Besitzerin.

Das Weihnachtsmärchen der Familie Bürkle hat jedoch auch einen kleinen Schatten. Beim Gespräch mit der Redaktion ist Runa erst rund eine Woche wieder zu Hause. Wie eine Katze, die lange Zeit in der Wildnis verbracht hat, sieht sie aber nicht aus – ganz im Gegenteil: Sie ist wohlgenährt. Im Vergleich zu ihrer Schwesterkatze könnte man sogar sagen, sie hat etwas zu viel auf den Rippen. „Sie war die komplette Zeit nicht draußen“, sagt Bürkle, und ihre gute Laune ist schlagartig verflogen.

Runa wurde in einer Wohnung gehalten, so die Vermutung

Bürkle deutet auf Runas Pfoten – schneeweiß sind diese. Ihre Schwester, die Runa äußerlich gleicht, hat dagegen deutliche gelblich-bräunliche Verfärbungen. „Das kommt vom Draußensein“, sagt Bürkle. Auch ihre Tierärztin habe bestätigt: Runa war in Obhut – und sie wurde als Hauskatze gehalten.

Schwer zu glauben ist für die Familie, dass die Menschen, die sich zwischenzeitlich um Runa gekümmert haben, nicht wussten, dass es sich um eine Katze handelte, die jemandem gehörte und schmerzlich vermisst wurde. Bürkle verweist auf Runas Ohr: Der grüne Zahlencode zur Kennzeichnung ist nicht zu übersehen. Für die Familie bleibe deshalb bei aller Freude über das Wiedersehen ein fahler Beigeschmack. Die Ungewissheit darüber, was Runa während der langen Zeit widerfahren ist, nage sehr an ihr, gibt die Niederschopfheimerin zu – vor allem für den älteren Sohn sei es schwer zu verstehen.

Fundtierunterschlagung

Wer ein Fundtier findet, muss laut Tierschutzorganisation Tasso gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch entweder bei dem Verlierer, dem Eigentümer oder wenn diese unbekannt sind, bei der zuständigen Behörde eine ordnungsgemäße Fundmeldung abgeben. Wer dies unterlässt, mache sich einer Fundunterschlagung strafbar, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden könne.