Es ist Hochsaison für Spargel: Doch welche Rolle spielt der Spargel in der Ortenau? Und mit welchen Herausforderungen kämpfen Erzeuger? Ein Experte gibt Antwort.
Historisch gesehen spielt der Spargel in der Ortenauer Landwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Andere Sonderkulturen wie Tabak, Obst oder Weinreben sind weit stärker vertreten.
Ein Blick in die Daten des Statistischen Landesamts zeigt: Spargel wird im Kreis nur auf rund 50 Hektar angebaut. Obstbau wiederum findet auf etwa 4000, Weinbau auf 2700 und sogar Tabakanbau noch auf 200 bis 400 Hektar statt – doch woran liegt das?
„Mannheim, Heidelberg, Bruchsal oder Schwetzingen – traditionelle Anbaugebiete haben eigentlich leichte Böden“, verrät Alfred Altmann, für den Kreis zuständiger Spezialberater Gemüseanbau in Breisach. In der Ortenau gibt es nur wenig sandige Böden. Die brauchte es aber lange Zeit für den Spargelanbau, weiß Altmann. „Mittlerweile ist es aber so, dass mehr auf schweren Böden angebaut wird.“ Möglich geworden sei das durch den Einsatz von Kunststofffolien.
Schwere Böden neigen zum Verschlämmen und Verbacken
Diese lösten in den 1980er-Jahren ein großes Problem: Denn schwere Böden neigten bei Niederschlägen zum Verschlämmen, bei Sonnenschein werde die Oberfläche dann regelrecht verbacken, so Altmann.
Der Spargel komme durch die harte Kruste dann entweder nicht durch oder man könne ihn bei der Ernte im Boden nicht ausmachen. Denn wo das Stangengemüse durch den Boden brechen wird, machten die Erntehelfer anhand feiner Risse in der Oberfläche aus.
Falls in den schweren Böden Risse entstünden, seien diese jedoch meist so tief, dass der Bleichspargel zu viel Sonne abkriege und sich violett verfärbe. Deckt man die Spargeldämme mit Folien ab, werde das Verschlämmen verhindert, das Erdreich bleibe feucht und locker.
Hitzewellen und zu warme Winter schaden Qualität
Insgesamt habe Südbaden als Spargelanbaugebiet durch den Einsatz der Folien seit etwa 50 Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Allerdings macht sich zunehmend ein weiteres Problem bemerkbar: der Klimawandel.
So wirken sich laut Altmann etwa fehlende Niederschläge negativ aus: „Vertrocknen tut eine etablierte Spargelpflanze aufgrund tief gehender Wurzeln nicht. In trockenen Jahr kann sie aber weniger Reservestoffe einlagern, was im kommenden Jahr weniger Produktion bedeutet“, erläutert der Experte. Neue Pflanzen, die frischen Rhizome würden in nur wenigen Zentimetern Tiefe gesetzt und seien in trockenen Jahren auf Beregnung angewiesen.
Wärme Temperaturen sorgen für Turbo-Wachstum
Zudem stellten die wärmeren Temperaturen für die Landwirte eine Herausforderung dar: „Früher war das Ziel, frühe Sorten zu haben, denn früher Spargel wird am Besten bezahlt.“ Das sei durch wärmere Temperaturen im Frühjahr kein Thema mehr, da häufig im Juni bereits Spargel in „schöner Qualität“ geerntet werden könne. In manchen Jahren müssten die Anbauer bereits Anfang Juni bei frühen Sorten zu stechen aufhören.
Des Weiteren bereiteten auch Hitzewellen Sorgen. „Dann lässt die Qualität nach“, weiß Altmann. „Oder wenn es sehr warm ist, müsste man zwei Mal pro Tag ernten – das schafft kein Betrieb.“ Auch zu warme Winter sind ein Problem: Denn der Spargel brauche einen „Kältereiz“, um im folgenden Jahr ordentlich auszutreiben.
Nobles Bleichgemüse
Landläufig ist zu hören, die Römer brachten den Spargelanbau in die Region. Ob das wirklich so war, konnte Gemüsebau-Spezialberater Alfred Altmann nicht sagen. „Man weiß, dass die Römer Spargel verzehrt – nicht unbedingt gepflanzt – haben. Es gibt ja auch den Wildspargel“, erläuterte der Experte. Was er zudem bemerkenswerte finde: In Deutschland und den Niederlanden werde hauptsächlich der weiße Bleichspargel verzehrt. Im Rest der Welt sei die grüne Variante beliebter.