Die finanzschwache Gemeinde Tunau findet keinen langfristigen Ausweg aus der Verschuldung. Eine Eingemeindung sieht der Bürgermeister kritisch.
Nicht erst seit gestern hat die kleine Gemeinde Tunau, die zum Gemeindeverwaltungsverband Schönau gehört, mit Geldsorgen zu kämpfen. Zwar kündigte die stellvertretende Rechnungsamtsleiterin Meike Schelshorn in der jüngsten Ratssitzung im Haushaltsplan 2026 ein positives Gesamtergebnis von 30 400 Euro an, doch das Problem sind vor allem die liquiden Eigenmittel. Große Einnahmen kann die kleine Gemeinde nicht generieren. Und vor allem der längerfristige Blick in die Zukunft trübt das Bild.
Gemeinde sieht Eingemeindung kritisch
Bereits im Sommer hatte die Kommunalaufsicht eine Eingemeindung Tunaus an die Stadt Schönau angeregt. Der Gemeinderat hatte sich einstimmig dagegen entschieden. Und auch Bürgermeister Dirk Pfeffer betont heute nochmals, dass dies für ihn keine längerfristige Lösung sei. „Von uns geht da nichts aus. Wenn es vom Regierungspräsidium kommt, sieht das anders aus. Aber ich glaube nicht, dass es dann nur uns betrifft.“ Er sei, was das Thema anginge ganz „tiefenentspannt“.
Finanzieller Nutzen eine Frage der Ausgestaltung
Ob die Eingemeindung finanziell etwas bringe, sei auch eine Frage des Konstrukts und was dann mit der Gemeinde passiere: „Bildet man dann einen Ortschaftsrat mit Ortsvorsteher oder gar nichts?“ Immerhin bekäme ein Ortsvorsteher den Mindestsatz eines ehrenamtlichen Bürgermeisters und auch dies müsse dann finanziert werden.
Längerfristig keine Lösung
Zurück zu den aktuellen Haushaltszahlen: Das positive Gesamtergebnis für 2026 hat einen Haken. Denn in diesem ist ein möglicher Verkauf von Ökopunkten in Höhe von 107 000 Euro eingerechnet. Sollte dieser Verkauf aber nicht zustande kommen, wird das Tunauer Haushaltsjahr 2026 erneut mit einem Defizit abschließen. Ohnehin sei der Verkauf von Ökopunkten ein „Einmaleffekt“, sagt Bürgermeister Dirk Pfeffer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Sind sie verkauft, sind sie weg.“ Also: „Längerfristig sieht es nicht gut aus.“
Sondervermögen rettet nicht
Die liquiden Eigenmittel werden sich weiter verschlechtern und zum Jahresende 2026 bei einem Minus von rund 263 000 Euro liegen. Die Finanzplanung für die Folgejahre ergibt keine Verbesserung. Auch das Sondervermögen des Bundes, auf das Pfeffer vor wenigen Monaten noch gesetzt hatte, rettet den Haushalt nicht. Über dieses soll die Gemeinde für die nächsten zwölf Jahre 116 928 Euro erhalten, also jährlich 9 744 Euro.
Umlagen ein „großer Batzen“
Das Problem: Die Ausgaben wie etwa die Umlagen an Kreis- und Verband steigen jährlich. Einnahmen wie etwa durch Gewerbesteuer hat Tunau so gut wie keine. Für 2026 sinken immerhin die Umlagen für den GVV Schönau um annähernd 50 000 Euro auf 190 715 Euro. Doch gerade diese Verbandsumlage sei in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, so Pfeffer.
Investitionen „dringend notwendig“
„Das Problem liegt nicht an uns, sondern an den Vorgaben des Staates“, sagt der Bürgermeister. „Wir sind sparsam unterwegs, haben aber trotzdem peu a peu investiert“, erläutert er. Denn: Mit dringend notwendigen Investitionen hätte man nicht warten können, sonst wäre man in einem Investitionsstau gelandet, führt Pfeffer aus. Dank rechtzeitig beantragter Fördermittel habe man so den Einbau einer neuen Pellets-Heizung im Rathaus mit nur geringen Eigenmitteln finanzieren können. „Wir mussten reagieren, bevor es zu spät ist.“ Auch sei Tunau die erste Gemeinde im Landkreis Lörrach, die die komplette Ortsbeleuchtung auf LED umgestellt habe – und habe damit für Jahre Energiekosten eingespart.
Pfeffer regt eine Flächenkomponente bei der Berechnung von Schlüsselzuweisungen vom Land an. Diese werden aktuell noch nach Einwohnerzahlen berechnet. Gemeinden mit weniger Einwohnern, aber größeren Flächen, die sie unterhalten müssen, bekämen somit aktuell weniger Geld.