Bischof Krämer feiert das Abendmahl. Foto: Peter Morlok

Eine festliche Messe, starke Bilder und eindringliche Worte: Bischof Klaus Krämer setzt in der Horber Stiftskirche ein Zeichen für Hoffnung und Zusammenhalt.

Genau vor einem Jahr, am 1. Advent, dem wichtigsten Tag im katholischen Kirchenjahr, wurde Klaus Krämer zum neuen Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart geweiht. Und exakt ein Jahr später, am vergangenen Sonntag, kehrte er in die Stadt auf dem Berg, wie er Horb in seiner Predigt nannte, zurück. Zu Beginn der 1990er-Jahre war Krämer dort als Diakon tätig und kehrte nun als Bischof für einen Tag zurück an seine alte Wirkungsstätte.

 

Ein großes Ereignis, das die katholische Seelsorgeeinheit Horb gemeinsam mit allen acht Kirchengemeinden im Rahmen eines zentralen Gottesdienstes in der Stiftskirche, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, feierte.

Doch damit nicht genug, denn diese besonders feierliche Eucharistiefeier, bei dem Pater Jennis Thomas und Diakon Klaus Konrad ihrem Bischof zur Seite standen, wurde vom Kolping Chor Stuttgart musikalisch mit der selten aufgeführten Wöss-Messe umrahmt.

Nach dem Einzug der Geistlichen sang man gemeinsam das Adventslied „Macht hoch die Tür“ und begrüßte so die Adventszeit. Der Bischof segnete den Adventskranz und Pater Jennis zündete die erste Kerze an.

Freude über den Besuch

In seiner Ansprache sagte der Pater, dass er sich sehr freue, den neuen Bischof das erste Mal in Horb begrüßen zu dürfen. Er wünschte Krämer, der von den Kirchenbesuchern mit Applaus begrüßt wurde, alles erdenklich Gute, Weisheit und den Segen Gottes für sein herausforderndes Amt.

Mit der Kyrie und Gloria erklangen dann zum ersten Mal die Stimmen des Männerchors unter Leitung von Daniel Kasparian von der Empore herab, bevor Diakon Konrad eine Passage aus dem Evangelium vortrug. „Der Messias kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet – drum seid wachsam“, so die Kernbotschaft dieser Lesung, die vom Bischof in seiner Predigt aufgegriffen wurde.

Sie hielten den Gottesdienst: Pater Jennis Thomas, Bischof Klaus Krämer und Diakon Klaus Konrad Foto: Peter Morlok

Die Predigt des Bischofs

Bischof Krämer nannte Horb „die Stadt auf dem Berg“ und die Stiftskirche als eine Art Abbild Jerusalems. Doch Krämer hielt sich nicht lange mit Metaphern auf. Er wusste, dass die Worte des Propheten Micha, der einst sagte „es werden Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern“ fern unserer aktuellen Realität sind. „Und manchmal hat man den Eindruck, es wird immer schlimmer und die apokalyptischen Texte zum Jahresende, in denen davon gesprochen wird, dass die Sterne vom Himmel fallen und sich die Sonne verfinstern wird, werden immer realistischer“.

Doch der Geistliche tröstete, indem er feststellte, dass das Reich des Friedens keine Utopie oder gar realitätsferne Zukunft sei, sondern die Botschaft des Advents. „Wir Christen sollten Hoffnung für die Menschheit sein. Vor allem für die Ausgegrenzten sollten wir Zeichen setzen“, so sein sinngemäßer Appell. „Nicht nur polarisieren, nicht nur seinen eigenen Interessen nachgehen, sondern sich auch um die Belange anderer zu kümmern“, so sein Wunsch.

Der Kolping Chor Stuttgart singt unter Leitung von Daniel Kasparian. Foto: Peter Morlok

Hauptwerk der Wöss-Messe

Nach dieser eindrucksvollen Predigt folgte ein nicht weniger eindrucksvoller Liedvortrag. Der Chor widmete sich zusammen mit seinen Solisten dem mächtigen Hauptwerk der Wöss-Messe: Dem Credo. Diese großartige Demonstration der Musica sacra, der heiligen Musik, zog die vielen Gläubigen in ihren Bann.

Mit den Fürbitten, den liturgischen Vorbereitungen für das Abendmahl, der Kommunion und dem Segen ging dieser besondere Gottesdienst, an dem auch die vielen Ministranten aus der gesamten Seelsorgeeinheit teilnahmen, zu Ende.

Bischof Krämer nutzte anschließend den Besuch im Steinhaus zu Begegnung mit vielen bekannten Menschen, die er zum Teil noch aus seiner Zeit der ersten pastoralen Erfahrungen kannte.