Klaus Fischer: „Nur wer sich mit der Zukunft beschäftigt, wird erfolgreich sein.“ Foto: Uli Deck/dpa

Die Beine fest auf dem Boden, den Blick nach vorne gerichtet: Das ist die typische Haltung von Klaus Fischer, der am Sonntag 75 Jahre alt wird.

Nachdem sich sein Leben jahrzehntelang – der Diplom-Ingenieur (FH) feiert dieses Jahr auch sein 50-jähriges Dienstjubiläum – um das Unternehmen drehte, möchte er nun kürzertreten, auch „mal 14 Tage gar nichts tun“, mit seinem Jagdhund mehr Zeit in der Natur verbringen, Urlaub machen. Denn, so sagt er kurz vor seinem 75. Geburtstag am 17. August: „Es gibt noch andere Dinge im Leben, als nur in der Firma zu sein.“ Angekündigt hatte er das schon vor Jahren. „Aber jetzt ist es so, dass ich es wirklich machen werde“, sagt Fischer. Die Geschäftsführung sei sehr gut aufgestellt für die Zukunft. Mit dem Vorsitzenden Alexander Bässler tausche er sich regelmäßig aus. „Aber ich muss sagen, ich brauche eigentlich nicht mehr alles wissen.“

 

Das war nicht immer die Einstellung des Unternehmers. Die Staffelübergabe an einen seiner beiden Söhne vor mehr als zehn Jahren scheiterte. Man hatte sich nicht über die Ausrichtung der Geschäftspolitik einigen können. Auch andere Geschäftsführer kamen – und gingen wieder.

Bei seinem Handeln war stets Bauchgefühl im Spiel

Klaus Fischer selbst ist als 25-Jähriger in das von Vater Artur gegründete Unternehmen in Waldachtal-Tumlingen im Nordschwarzwald eingetreten. Fünf Jahre später übernahm er das Ruder bei den Fischerwerken. Als Erstes habe er ein Jahr Kurzarbeit in der Sparte Fischertechnik eingeführt, erinnert er sich. Gegen den Willen des Vaters, zu dem das Verhältnis nicht immer einfach war. Der Bereich habe stabilisiert werden müssen.

Es folgten Jahrzehnte des Aufschwungs und der Expansion. Heute vertreibt Fischer Produkte in rund 120 Länder, hat 50 Gesellschaften unter anderem in den USA, Indien und China. In Saudi-Arabien soll demnächst eine neue hinzukommen, kündigt der Inhaber an. Rund 4700 Beschäftigte weltweit erwirtschafteten vergangenes Jahr einen Umsatz von 1,11 Milliarden Euro. Als er in das Unternehmen einstieg, erzielte Fischer mit rund 1000 Beschäftigten einen Umsatz von 102 Millionen Mark (circa 51 Millionen Euro).

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz nimmt zu

Zunehmend spielen Künstliche Intelligenz und Digitalisierung eine Rolle, Unterlegscheiben mit Sensoren etwa ermöglichen Bauwerk-Überwachung. „Mit neuen Formen des Bauens, mehr Fertigbau und härterem Beton wird sich viel tun“, ist Fischer überzeugt.

Darum stellt sich die Gruppe, die unter anderem auch Konstruktionsbaukästen und Beratung bietet, neu auf. Dazu gehört, dass sich Fischer 2024 von der Automotive-Sparte trennte, die zum Beispiel Lüftungsdüsen herstellte. Der Bereich sei zu klein gewesen, um zu überleben, sagt Fischer. Die Entscheidung sei eine der wenigen, wegen derer er schlecht geschlafen habe.

Bei seinem Handeln habe er sich oft vom Bauchgefühl leiten lassen. „Ich glaube nicht, dass man das lernen kann“, sagt Fischer. Dabei sei es wichtig, dass auch junge Leute wieder verstärkt unternehmerisch denken. In Kindergärten und Schulen sollten sie nach Interessen und Talenten gefördert und nicht nach Schema F ausgebildet werden, fordert er. „Wenn Kinder Spaß haben, bringen sie auch Leistung.“ Den Leistungsgedanken müsse man wieder zulassen.

Über eine Stiftung fördert er regelmäßig Projekte

Das Thema Bildung ist Fischer so wichtig, dass er über eine Stiftung regelmäßig Projekte fördert. Auch im Konzern stehen Aus- und Weiterbildung im Fokus, es gibt zum Beispiel sogenannte Talent Pools und ein eigenes Bildungszentrum. Bereits 1987 führte er ein Firmenleitbild ein. Die Werte „innovativ“, „eigenverantwortlich“ und „seriös“ wurden gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeitet und gelten bis heute. Aus dem Leitbild und aus der Philosophie des japanischen Kaizen, der kontinuierlichen Veränderung zum Besseren, entstand das fischer ProzessSystem.

Als Fischer diese vor Jahren in Waldachtal-Tumlingen etabliert habe, sei das einigen schon komisch vorgekommen, erinnert sich Susanne Schmid-Häcker, Betriebsratsvorsitzende für den Standort Tumlingen. „Aber es hat dadurch sehr viele Verbesserungen gegeben.“ Das Unternehmen sei schlanker und effizienter geworden.

Er lebt die Werte des Unternehmens vor

Klaus Fischer lebe tatsächlich die Werte des Unternehmens, sagt Schmid-Häcker. Auch sei er nahbar, komme regelmäßig zum Mittagessen ins Betriebsrestaurant und setze sich zur Belegschaft. Auch wenn er die Geschicke an die Geschäftsführung übergeben habe, gelte: „Herr Professor Fischer ist Fischer und ist das Gesicht von Fischer. Sein Wort zählt.“

Fischer selbst will übrigens weder den 75. noch sein 50-jähriges Firmenjubiläum groß feiern. Stattdessen sei im September ein „Wasen-Fest“ geplant – nicht zu seinem Geburtstag, sondern als Dank für die Mitarbeitenden.