Wolfsburgs Manager Klaus Allofs: Nachdenken über einen Job mit vielen Möglichkeiten. Foto: dpa

Der VfL Wolfsburg arbeitet an seiner Runderneuerung. An diesem Samstag (15.30 Uhr/live auf Sky und Liga total) empfängt er den VfB Stuttgart. Ein Neustart mit gewissen Risiken.

Stuttgart – Der VfL Wolfsburg arbeitet an seiner Runderneuerung. An diesem Samstag (15.30 Uhr/live auf Sky und Liga total) empfängt er den VfB Stuttgart. Ein Neustart mit gewissen Risiken.

Guten Tag, Herr Allofs. Sie sind 56 Jahre alt, haben Sie die Midlife-Crisis schon hinter sich?
(Blickt etwas verwundert, lächelt dann) Ich weiß jetzt gar nicht . . .

. . . Männer suchen in solchen Phasen gerne neue Herausforderungen. Ein Jobwechsel wirkt da manchmal Wunder.
Ich kann nicht sagen, ob ich jemals so was wie eine Midlife-Crisis hatte. Ich war aber sicher in einer Phase intensiven Nachdenkens. Und ich habe mir Fragen gestellt wie: Bist du in Bremen noch am richtigen Ort? Ist es das, was du auch in den kommenden Jahren noch machen willst?

Und dann lockte das Abenteuer VfL Wolfsburg.
Ich war fast 13 Jahre lang in Bremen, da war der Reiz, noch mal etwas Neues zu machen, noch einmal voll gefordert zu werden, schon sehr groß.

Bremen war die verlässliche Konstante in Ihrem Berufsleben, Wolfsburg ist eine Wundertüte. Da muss man gut überlegen . . .
. . . oder gar nicht (lacht). Es ist doch so: Man kann sich das noch so gut überlegen, was einen erwartet, es schließt Überraschungen nicht aus. Mich hat die Neugier getrieben. Ich wollte wissen: Kannst du das? Wie fühlt sich das an, noch mal für einen anderen Club zu arbeiten?

Der Wohlfühlfaktor hatte in Bremen zuletzt ja auch ein wenig gelitten.
So würde ich das nicht sagen. Ich bin bei Werder zusammen mit Thomas Schaaf durch dick und dünn gegangen, wir haben Höhen und Tiefen erlebt. Zuletzt gab es nach der Umgestaltung der Mannschaft positive Signale, es hat wieder richtig Spaß gemacht. Es war keine Entscheidung gegen Werder.

Ärmer hat Sie der Wechsel ins Volkswagen-Team mit Sicherheit auch nicht gemacht.
Bei aller Neugier, Abenteuerlust und sonstigen Möglichkeiten, die sich hier in Wolfsburg bieten, kam dieser Aspekt noch hinzu.

„Es ist ja in gewisser Hinsicht normal, dass Spieler kommen und gehen“

Verträge dienen einer verlässlichen Planung der Personal- und Geschäftspolitik. Sind sie zu bloßen Absichtserklärungen verkommen?
Nein, sie sind nach wie vor sehr wichtig. Im Vertrag unseres Trainers Dieter Hecking mit dem 1. FC Nürnberg stand aber eine Ausstiegsklausel. Und deshalb war mein Kollege Martin Baader auf diesen Wechsel auch nicht unvorbereitet. Das ist im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen absolut sauber abgelaufen.

Können Sie Ihre Schuhe noch ruhigen Gewissens zum Schuster tragen?
(Schmunzelt) Ja, aber natürlich. Bernd Schuster war ein Kandidat für den Trainerposten, aber die Dinge haben sich so entwickelt, dass er das irgendwann nicht mehr war. Ich kann seine Enttäuschung verstehen, aber das lässt sich bei Personalentscheidungen nicht immer verhindern.

Und bei Ihnen selbst?
Da war es anders. Ich hatte dieses Angebot vom VfL, und ich wollte es nach 13 Jahren bei Werder annehmen. In Bremen waren alle wichtigen Dinge angeschoben und die Planungen für die laufende Saison abgeschlossen. Von daher war aus meiner Sicht auch der Zeitpunkt des Wechsels sowohl für die Bremer als auch für mich in Ordnung. Werder konnte ohne mich in Ruhe die weitere Zukunft planen.

Jetzt planen Sie die der Wölfe. Die hatten zuletzt einen Personalwechsel, als seien sie eine Zeitarbeitsfirma.
Es ist ja in gewisser Hinsicht normal, dass Spieler kommen und gehen. Wir sind hier aber tatsächlich in der Vergangenheit an Grenzen gestoßen. Und das nicht nur in Bezug auf die Spieler, auch beim sonstigen Personal. Das sorgt immer für viel Unruhe. Da wollen wir wieder mehr Kontinuität reinbekommen. Vertrauen muss wachsen können.

Ist der große VfL-Kader nicht leistungs- und stimmungshemmend?
Wir hatten im Trainingslager eine prima Stimmung. Aber Sie haben natürlich recht, auf Dauer birgt das Konfliktpotenzial. Ein Kader sollte immer so beschaffen sein, dass jeder Spieler auch die realistische Aussicht hat, irgendwann zum Einsatz zu kommen. Dieter Hecking will 20 Feldspieler, drei Torhüter und dazu vier Nachwuchskräfte. Das sind 27 Spieler, im Trainingslager hatten wir 32. Das geht noch.

„Wir wollen noch sympathischer werden“

Sie müssen verkaufen.
Es wird sich bis Ende Januar sicher noch was tun. Aber wir betreiben keinen Ausverkauf. Wir haben Qualität anzubieten und Spieler, die zum einen oder anderen Verein passen.

Wohin wollen Sie mit der Marke VfL?
Wir wollen noch sympathischer werden. Wir wollen mit dem starken Partner Volkswagen eine nachvollziehbare und seriöse Arbeit leisten, die mit attraktivem Fußball zum sportlichen Erfolg führt. Es soll sich hier eine Tradition entwickeln, auf die wir alle stolz sein können.

Was ist für Sie ein Star?
Das ist jemand, der individuell außergewöhnliche Leistungen bringt, die er gewinnbringend für die Mannschaft einsetzt. Er lebt den Beruf des Profifußballers positiv vor und wirkt auch außerhalb des Spielfelds sympathisch im Sinne des Clubs.

Ist Diego ein Star?
Er bringt alle Voraussetzungen dafür mit. Solche Spieler sind immer etwas sensibler oder extremer in den Ausprägungen ihrer Charaktereigenschaften. Da ist das fast schon eine Notwendigkeit.

Haben Sie eine Ader für Pflegefälle?
Ich versuche die Spieler so zu behandeln, wie ich früher gern behandelt worden wäre. Das passt meistens.

Der VfB gehörte in Bremer Zeiten nicht zu Ihren bevorzugten Gegnern.
Das kann man so sagen. Da gab es einige aufregende Spiele.

Wie stark schätzen Sie das Leistungsvermögen des VfB aktuell ein?
Als sehr stark, er gehört zu den Topteams der Liga, er hat noch Perspektiven in allen drei Wettbewerben. Das sagt eigentlich alles.

Wie würden Sie als Journalist das Duell gegen den VfB überschreiben?
Vorsicht – der VfL kommt!