Zu hören gab es eine Collage aus Klassik, Tango, Jazz und Pop. Dabei wurden auch immer wieder die Hörgewohnheiten der Besucher herausgefordert.
Der eigenwillige und sehr anspruchsvolle Mix (neudeutsch „Crossover“) kam beim Publikum an. Das Parktheater war für ein Sinfoniekonzert gut besucht und gerade bei den Stücken, die Hörgewohnheiten herausgefordert haben, war der Beifall entsprechend groß. Da waren zwei Zugaben letztlich ein Muss.
Die Philharmonie unter der Leitung von Bernd Ruf ist ein kleines Orchester. Aufgrund der Größe und des gerade daraus resultierenden Klangkörpers war das Zusammenspiel mit den Solisten Ivo (Klarinette) und Ilja Ruf (Flügel, Klarinette) sowie Nikolai Gast (Klarinette) großartig. Der Titel „Klassik, Tango, Jazz’n Pop“ erfüllte an diesem Abend sicher alle Erwartungen.
Was Klassik in diesem Konzert bedeutet hat, war angesichts zweier Konzerte mit zwei Soloklarinetten (Ivo Ruf und Nikolai Gast) erstaunlich. Ob viele der Besucher den Namen Franz Krommer gekannt haben, oder sein Konzert für zwei Klarinetten und Orchester, No. 2, Op. 91? Franz Krommer gehört als ein Zeitgenosse der Komponisten Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven eigentlich eindeutig zur Wiener Klassik. Bernd Ruf stellte, wie auch bei den anderen Werken des Abends, den Schöpfer kurz vor.
Perfektes Zusammenspiel von Solisten und Ensemble
Die drei Sätze – Allegro, Adagio und Alla Polacca – entsprachen zunächst den Erwartungen, die man an ein renommiertes Ensemble und ein klassisches Konzert haben würde – wenn da dann nicht die ersten Töne des dritten Satzes gewesen wären. „Alla Polacca“ bezeichnet bei den Musikanweisungen eine Polonaise. Das hat bereits Johann Sebastian Bach in seinem Ersten Brandenburger Konzert verwendet. In diesem Konzert fiel dieses Intro aber eindeutig aus dem Rahmen der Klassik. Ein Verdienst Krommers war der des Neuerers, wie Ruf dem Publikum vorher erklärt hatte.
Eine Überraschung und eine gelungene Anforderung an die Lahrer Zuschauer war das „Double Concerto for two Clarinets and Orchestra“, das Ilja Ruf komponiert hat. Bernd Ruf hatte angekündigt, dass diese beiden Werke innerhalb des Konzerts korrespondieren würden. In der Tat: Der Komponist hat recht einfache Melodiefolgen, die in den drei Sätzen immer wieder auftauchten, kunstvoll mit vielen anderen sehr unterschiedlichen Elementen verschachtelt. Zum musikalischen Grundgerüst gehörten daneben Anklänge an die Atonalität und einige wenige Geräusche (ohne Noten), die zur Neuen Musik gehören. Das Zusammenspiel der Solisten und des Ensembles – in diesem Fall überwiegend moderne Klassik – war perfekt.
Auch ein Musikstück aus dem Film Barbie erklingt
Die Reminiszenz des Pop war ein Arrangement von Billie Eilish: Das Lied „What was I made for“ stammt aus dem Film Barbie. Aus dem Off wurden kurze Texte der Barbiepuppe mit ihrem Schöpfer eingespielt. Das Ganze war so solide, wie das Konzert der Wiener Klassik. Ilja Ruf am Flügel übernahm einen Teil des Gesangs.
Die Kompositionen „Please, take me“ und „Night Train to Brooklyn“ gehörten zum Jazz mit Elementen des Klezmer. Der Komponist hatte bei der Ankündigung seiner Nachtfahrt durch den New Yorker Stadtteil erklärt, wie er damit das Völkerkonglomerat Brooklyns musikalisch sehe. Beide Klarinetten überzeugen hier mit dem ganz eigenen Stil des Klezmer, verwoben mit vielen Elementen, die ein ganz eigenwilliger Mix vom Ende der Big-Band-Ära, Bebop, Cool Jazz und moderner Klassik sind.
Zuletzt war die zweite Zugabe, ein Adagio für „nur“ drei Klarinetten, so schön, wie nur ein Mozart es schaffen kann.
Das Trio Clari-Noir
Ivo und Ilja Ruf gründeten gemeinsam mit Nikolai Gast im Herbst 2013 das Trio Clari-Noir und besuchten im Januar 2014 den Nordland Kammermusikkurs in Rendsburg. Nach Erfolgen beim Regional- und Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ gewann das junge Trio bei einem Preisträgerkonzert in Norderstedt im April 2014 den Hamburg-Airport-Publikumspreis. Beim anschließenden Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Juni 2014 erhielt das Ensemble einen ersten Preis mit Höchstpunktzahl.