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Klares Ja zur Ehe für alle Bundestag drückt an falscher Stelle aufs Tempo

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Der Weg zur Ehe ist nun auch für Homosexuelle frei: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (links) und Jörg Steiner, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, freuen sich. Foto: dpa

Stuttgart. - Von einem historischen Tag ist die Rede. Das kann man so sehen. Immerhin hat der Bundestag entschieden, dass Ehe nicht mehr nur die dauerhafte Mann-Frau-Verbindung als Keimzelle von Familie und Gesellschaft meint und entsprechend Förderung des Staates genießen soll, sondern alle Dauer-Paarbeziehungen.

In ihrer Wirkung historisch – und damit relativiert sich diese Einschätzung schon erheblich – ist diese Entscheidung allerdings nur für eine Minderheit. Schließlich ändert sich für die große Mehrheit der in Mann-Frau-Beziehung Lebenden nichts.

Als wirklich historisch wird sich hingegen die aktuelle Schwerpunktsetzung von Politik und öffentlichem Diskurs erweisen angesichts der Herausforderungen des Landes. Ob gleichgeschlechtliche Ehe, Feinstaubbelastung oder digitale Teilhabe von Dreijährigen – es sind solche Themen, die in Deutschland mit erstaunlicher Lautstärke und Konsequenz beredet und beackert werden.

Auch solche Fragen haben Bedeutung. Aber das sind alles keine Schicksalsfragen für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Insofern fällt am Tag der Entscheidung für die Ehe für alle vor allem eines auf: Tempo, öffentliche Aufmerksamkeit und politische Entschlossenheit, mit der darüber entschieden wurde, stehen in einem problematischen Missverhältnis dazu, wie das für große Mehrheiten Entscheidende angegangen wird: die Veränderung der Arbeitswelt, der Kommunikation und der individuellen Freiheit durch die Digitalisierung, die Zuwanderung oder die Krisen der Währung, der Alterssicherung, der wichtigsten Bündnisse Deutschlands. Es ist höchste Zeit – und wird eine Kernaufgabe des neuen Bundestages – die politischen Schwerpunkte richtig zu sortieren.

christoph.reisinger@stuttgarter-nachrichten.de

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