Kein schöner Anblick ist der Ortskern von Schura mit abbruchreifen Gebäuden. Foto: Ingrid Kohler

Wolfgang Schoch spricht Klartext. Der Ortsvorsteher hält ein neues Dorfentwicklungsprogramm aber dennoch für verfrüht.

„Insgesamt betrachtet bietet Schura im Dorfkern nicht gerade die beste Ansicht und Lebensqualität“, weiß Ortsvorsteher Wolfgang Schoch.

 

Er blickte in der Ortschaftsratssitzung bis zu 150 Jahre zurück, als Schura als Straßendorf für die heimischen Handwerker und Betriebe, Gasthäuser und Bäckereien eine vorteilhafte Lage hatte, „weil viele durchfahren mussten. Doch seit der Anbindung an die Bundesautobahn ab 1975 hat sich in Schura ein kompletter Wandel vollzogen“, so Schoch.

Der Durchgangsverkehr hat sich mit rund 10 000 Fahrzeugen an Werktagen vermehrfacht, die Landwirtschaft hat sich aus dem Dorfkern zurückgezogen, wodurch in der Folge neue, große Baulücken entstanden.

Zu spät erkannt

Die negativen Folgen für Schura seien erst Anfang der 1980er-Jahre deutlich erkannt worden, viel zu spät, denn „bereits zuvor hatte Schura genügend Angebote seitens des Landes zum Bau einer Umgehungsstraße ausgeschlagen, zuletzt mit dem Bau der Mülldeponie“.

Die Landwirte hätten den Verlust von einem Teil ihrer Wiesen und Äcker befürchtet, sollte eine Umgehungsstraße gebaut werden. „Auch die damaligen Ortschaftsräte meinten, so schlimm wird es doch nicht kommen, welch Irrtum“, betonte Schoch.

Um dennoch für Schura mit seinen 1200 Einwohnern das Beste herauszuholen, sei im Jahr 1985 ein Dorfentwicklungskonzept erstellt worden, das sich vornehmlich auf die Gestaltung des Dorfkerns konzentrierte.

Zweiter Abschnitt ab 1992

Aufgrund des vom Regierungspräsidium genehmigten Konzeptes wurde die Dorfkernsanierung vorgenommen. Das neue evangelische Gemeindehaus wurde errichtet, nachdem zunächst landwirtschaftliche Gebäude abgerissen wurden.

Das Rathaus wurde saniert und die Flächengestaltung zwischen der Kirche und dem Rathaus neu festgelegt. Im zweiten Bauabschnitt wurde ab 1992 die Weitergestaltung der Dorfmitte vorgenommen mit Pflasterung und Grünbereichen, auch ein Kinderspielplatz wurde errichtet.

Im Jahr 1997 sah das Programm vorwiegend eine Verbesserung im Wohn- und Gewerbebereich vor, sowie die Errichtung eines Jugendzentrums im ehemaligen Farrenstall, die Erweiterung des Kindergartens und die Ausweisung der Baugebiete Rübenäcker und Pfarrgasse, wobei auch alles umgesetzt wurde. 15 Jahre später griff der Ortschaftsrat erneut die Initiative zu einer Fortsetzung der Dorfentwicklung auf mit Schwerpunkt Verkehrssituation. Der geplante Bau einer Nord-Ost-Umfahrung ließ sich nicht verwirklichen, jedoch die Süd-Ost-Umgehung, die heute rund 6000 Fahrzeuge auf sich zieht und von Schura fernhält.

Verkehr als Hauptproblem

Das große Problem ist nach wie vor der Verkehr, der aus Nordwesten durch Schura nach Westen, Richtung Spaichingen und Tuttlingen fährt. Ein Verkehrs-Lenkungs-Konzept, das vorsah, zumindest den Schwerlastverkehr durch verkehrslenkende Maßnahmen auf den bereits bestehenden Umgehungsstraßen um Schura herum zu führen, wurde vom damaligen Bürgermeister und vom Gemeinderat aber abgelehnt und zurückgewiesen.

Aktuell sind es vor allem die Gebäude Lange Straße 23 und gegenüber die ehemalige Bäckerei Pfründer, die nicht gerade für einen schönen Dorfkern sorgen. Für das Gebäude Lange Straße 23 scheint aktuell eine Lösung gefunden zu sein, doch wie es mit dem Gebäude der ehemaligen Bäckerei weitergeht, stehe noch in den Sternen, betonte der Ortsvorsteher. Die Bäckerei Pfründer war 25 Jahre lang von der Bäckerei Rottler bis zum 24. Dezember 2024 als Verkaufsfiliale betrieben und dann geschlossen worden. Es sei ihm noch nicht möglich und auch nicht erlaubt, aus dem Nähkästchen zu plaudern,so Schoch. „Es gibt verschiedene Denk-Modelle, die gerade weiter durchdacht und auch durchgerechnet werden – es könnte sich also etwas tun“. Doch wohin die Reise gehe, sei noch offen, denn „es geht auch um viel Geld, das von jemanden investiert werden muss“.

Klare Vorstellung nötig

Außerdem sollte das Konzept für Schura dann auch passen. Insgesamt sieht der Ortsvorsteher ein neu aufgelegtes Dorfentwicklungsprogramm im Moment als zu verfrüht, denn „alle angedachten baulichen Maßnahmen könnten über das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) gefördert werden“.

Diesem Programm ist Schura vor rund vier Jahren beigetreten. „Dies bedeutet, wir verpassen dadurch keine Förderung, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt werden“. Ein Dorfentwicklungsprogramm, benötige vorab eine klare Vorstellung seitens der Kommune. Hierzu wäre die Fragestellung „wo und in welchen Bereichen möchten wir uns entwickeln und in welchen Zeiträumen“. Dies müsste vorab in einer Sonder- oder Klausursitzung unter fachlicher Anleitung beraten werden.

Verfall befürchtet

Der Ortsvorsteher befürchtet aber einen weiteren städtebaulichen Verfall im Innengefüge von Schura und damit zugleich eine Minderung der objektiven und noch mehr oder subjektiven Attraktivität. „War es früher der schiefe Kirchturm, der hervorgestochen hatte, sind es heute zwei alte abbruchfähige Häuser direkt gegenüber und mitten im Dorfzentrum, die den Betrachtern beim Durchfahren durch Schura als erstes ins Auge stechen und in Erinnerung bleiben“, fasst Wolfgang Schoch die aktuelle Situation zusammen.