Gut 200 Zuschauer verfolgten gespannt die Vorstellung der Pläne für ein „Haus des Abschieds“ in Grafenhausen. Foto: Köhler

Investoren um die Familie Rottenecker haben in Grafenhausen die Pläne für eine Einäscherungsanlage vorgestellt. 200 Besucher zeigten sich interessiert, hatten aber auch Fragen.

Gescheitert in Ichenheim, gescheitert in Nonnenweier, erfolgreich in Grafenhausen? Die Infoveranstaltung in der Festhalle verlief für die Bestatter zufriedenstellend. Gut 200 Interessierte hatten sich eingefunden, um Informationen zum „Haus den Abschieds“ aus erster Hand zu erhalten.

 

Die Ausgangslage: Janik Rottenecker, der gemeinsam mit seinem Vater Ralph das Projekt der Bestattergruppe initiiert hatte, stellte den Grafenhausenern die Anfänge vor: Nachdem bekannt worden war, dass die Stadt Lahr das Krematorium am Bergfriedhof nicht mehr verpachten sondern selbst betreiben möchte, „haben wir gesagt: Das ist keine Art. Sobald etwas kommunal wird, wird es langsamer, komplizierter. Wir sind die Bestatter, wir wissen, was den Leuten wichtig ist.“ Nachdem man mit den Plänen in Ichenheim und Nonnenweier aufgrund des massiven Protests aus der Bevölkerung gescheitert war, sei man nun auf Kappel-Grafenhausen zugekommen und habe sich nach einem Grundstück im Gewerbegebiet Rhinova erkundigt. „Schnellstmöglich“, so Janik Rottenecker, wollte man auch aufgrund der Erfahrungen aus dem Ried nun die Öffentlichkeit mitnehmen.

Die Stimmung: Bürgermeister Philipp Klotz, der als Moderator fungierte, appellierte für einen „wertschätzenden und respektvollen Umgang“. Auch er hatte mitbekommen, wie emotional der Protest in Ichenheim und in Nonnenweier verlief. Sein Wunsch ging in Erfüllung. Die Fragen waren fast durchgehend vernünftig, sowohl für Fragensteller als auch für Antworten der Investoren gab es Applaus. „So herzlich und ruhig war es bisher noch nie“, sagte auch Janik Rottenecker eingangs. Der Eindruck sollte sich bestätigen.

Auf der Grünfläche links neben der Fertighauswelt soll das Krematorium entstehen. Foto: Martin Bildstein

Die Pläne: Das „Haus des Abschieds“ soll auf dem angrenzenden Grundstück westlich der Fertighauswelt entstehen. Also einige Hundert Meter entfernt von der nächsten Wohnbebauung. Etwa 3000 bis 4500 Einäscherungen soll es geben, „ab 3000 rentiert es sich“, begründete Janik Rottenecker diese Leitlinie. Neben der reinen Dienstleistung der Einäscherung sollen Trauerfeiern für Angehörige möglich sein. Diese Räumlichkeiten würden „klar getrennt“ vom technischen Bereich. „Die gesamte Trauererfahrung unter einem Dach. Das gibt es in der Region so bisher nicht.“ Das Fachpersonal werde zum Teil vom Lahrer Krematorium übernommen.

Sichtschutz zur Fertighauswelt

Investor Franz Semling, der das Krematorium bauen und an die Bestatter vermieten möchte, stellte vor, dass die Anlage 3400 Quadratmeter umfassen soll, wovon 1200 bebaut werden. Für die Bestatter werde es eine Zufahrt geben, dazu werden Parkplätze erstellt und ein Sichtschutz zur Fertighauswelt gerichtet. „Wir sind ein ruhiger Nachbar“, versicherte Janik Rottenecker und sein Vater ergänzte: „Wir machen es definitiv besser als jede Kommune.“

Thies Heinrich (von links, Firma Cremtec), Bauherr Franz Selming und Bestatter Janik Rottenecker stellten die Pläne für ihr Krematorium der Öffentlichkeit vor. Foto: Decoux

Der Verkehr: Nach der Vorstellung ging es in die Fragerunde. Die Inhaberin einer Kfz-Werkstatt in der Nachbarschaft wollte wissen, wie viel Mehr an Verkehr denn zu erwarten sei. Thies Heinrich von der Firma Cremtec, die das Krematorium betreiben soll und die daher in die Planung eng eingebunden ist, versuchte zu beschwichtigen: Nur ein kleiner Teil der Einäscherungen, etwa fünf Prozent, würden mit Familienanhang stattfinden und Verkehr nach sich ziehen. Die Leichenwagen würden stets mehrere Särge transportieren, um effizienter zu sein. „Außerdem ist das kein Schwerlastverkehr“, so Heinrich.

Die Emissionen: Sorgen wurden auch vor den Emissionen wie Lärm und Geruch geäußert. Hier verwiesen die Investoren darauf, dass man die Grenzwerte unterschreite. „Ein Wohngebiet ist lauter“, meinte Heinrich aus praktischer Erfahrung. Außerdem rieche ein Krematorium nicht, „aus den Schornsteinen kommt nichts heraus, was bedenklich ist“. Die notwendigen Filter würden regelmäßig kontrolliert, mögliche Schäden würden so frühzeitig erkannt.

Die Gewerbesteuer: Eine Frage, die in ähnlicher Form mehrfach gestellt wurde, war die nach der Gewerbesteuer und der Ausrichtung des Gewerbegebiets. Janik Rottenecker erklärte, dass eine neu zu gründende GmbH & Co. KG ihren Sitz in Grafenhausen haben würde – und entsprechend dort Gewerbesteuer zahlen müsse. Noch entscheidender seien aber die Gebühren, die für die Genehmigung einer Kremation an die Gemeinde zu bezahlen seien. Bei 15 Euro pro Einäscherungen kämen so im Jahr 45 000 Euro „ohne Verwaltungsaufwand“ zustande, rechnete Ralph Rottenecker vor.

Ex-Bundestagsabgeordneter Thomas Seitz war einer der Fragensteller. Foto: Decoux

Bei der Gewerbesteuer bremste er etwas. 200 000 Euro jährlich, wie zuvor vom früheren Bundestagsabgeordneten Thomas Seitz im Publikum vorgerechnet worden war, seien nicht zu erwarten. Zwölf Jahre lang würden noch die Abschreibungen zu Buche schlagen. „Danach können sie sich überlegen, was sie mit dem Geld anstellen“, so Ralph Rottenecker flapsig.

Andere Betriebe stören sich nicht an Krematorium

Seitz hakte zudem nach, ob man mit der Ansiedlung eines Krematoriums nicht das Gewerbegebiet schwäche. Denn ein auszuweisendes Sondergebiet müsse geschützt werden, Man habe im Hinterkopf, so Klotz, dass man bestimmte emissionslastige Betriebe in der Nachbarschaft nicht mehr ansiedeln könne. Eine andere Anwohnerin sorgte sich, dass ein Krematorium im Gewerbegebiet weitere Firmen möglicherweise abschrecke. Der Bürgermeister beteuerte, dass potenzielle Investoren im Gespräch ihm vermittelt hätten, eine Einäscherungsanlage würde sie nicht stören. Ein Beispiel: Christoph Windscheif, Geschäftsführer der Fertighauswelt. Er bedankte sich für die Ausführungen und interessierte sich für die Optik des Gebäudes. Hier bestätigten die Investoren, dass keine Schornsteine das Sichtfeld stören würden. „Es gibt gute Co-Existenzen“, hob Franz einen Vorteil hervor, sich in einem Gewerbegebiet anzusiedeln. Heinrich bekräftigte aus der Praxis, dass man etwa Synergieeffekte mit benachbarten Werkstätten nutze, um die Leichenwagen zur Wartung zu bringen.

Das Fazit: Als „sehr positiv“ bewertete Initiator Ralph Rottenecker im Nachgang im Gespräch mit unserer Redaktion den Abend. Nun liege es am Gemeinderat, das Projekt ins Rollen zu bringen. Er zeigte sich erfreut über das rege Interesse und die sachliche Stimmung.

So geht’s weiter

Damit ein Krematorium entstehen darf, muss die Gemeinde ein Sondergebiet ausweisen, erklärte Bürgermeister Philipp Klotz. Mit einer einfach Änderung des Bebauungsplans ist es nicht getan, da Krematorien in Gewerbegebieten eigentlich nicht zulässig sind. Den Beschluss werde man nun vorbereiten und im März oder April dem Gemeinderat vorlegen.