Der katholische Kindergarten St. Raphael – auch hier ändern sich die Elternbeiträge. Foto: Martin Gruhler

Eltern von Kindergartenkindern müssen bald tiefer in die Tasche greifen. Die Beiträge im U3-Bereich steigen in Bad Dürrheim innerhalb der Empfehlungen – im Ü3-Bereich sogar stärker.

Die Elternbeiträge für die Kindergartenbetreuung steigen. Das beschloss nun der Verwaltungsausschuss. Angepasst wurden die Beiträge für die Kindergartenjahre 2026/2027 und 2027/2028. Für Kinder unter drei Jahren (U3) wird der Kindergartenplatz im ersten Jahr 4,5 Prozent teurer, im zweiten Jahr vier Prozent. Für Über-Dreijährige steigen die Beiträge pauschal um zehn Euro pro Jahr.

 

Der Verwaltungsausschuss machte es sich bei der Beschlussfassung für die Erhöhungen nicht leicht. Fast zwei Stunden nahmen die hinführenden Erläuterungen durch Interims-Stadtkämmerer Mario Grieshaber und die anschließenden Diskussionen des Gremiums in Anspruch. Die Elternbeiträge waren zuletzt im Juni 2024 für die Jahre 2024/2025 und 2025/2026 erhöht worden.

Seit dem 1. September betragen die Gebühren als Eckpfeiler für ein dreijähriges Kind aus einer Familie mit einem Kind in der Regelbetreuung 159 Euro pro Monat, für die verlängerte Betreuung 173 Euro und die Ganztagsbetreuung 244 Euro. Für ein Kleinkind betragen die Gebühren unter denselben Rahmenbedingungen 391 Euro in der Vormittagsbetreuung, in der Verlängerung 471 Euro und 690 Euro für den den ganzen Tag.

Höhere Kostendeckung ist Ziel

Wegen der klammen Kassenlage verfolgt die Stadtverwaltung das Ziel, ab Herbst 43.100 Euro im Bereich der Kleinkindkindbetreuung generieren zu können. Ab 1. September 2027 werden jährlich 42.400 Euro mehr erwartet. Orientierung für die Erhöhungen waren die Empfehlungen von des Gemeindetag, Städtetag und Kirchen, die für die kommenden Kindergartenjahre 4,5 sowie vier Prozent vorschlagen.

Für die Stadtverwaltung plädierte Kämmerer Grieshaber, die prozentualen Vorschläge für die Kleinkindbetreuung/Krippe (U3) zu übernehmen. Eine darüber hinaus gehende Anhebung soll es ob der schon recht hohen Gebühren in diese Bereich nicht geben.

Stadt schießt noch immer Millionen zu

Für die Anpassung der über dreijährigen Kinder wollte das Rathaus nach Beschlusslage der Haushaltsbegleitkommisson über den Vorschlag der Landesvertreter und Kirchen hinaus gehen – und hatte zwei Optionen vorbereitet: entweder die Pauschal-Erhöhung um zehn Euro in den kommenden beiden Jahren oder eine prozentuale Erhöhung zunächst um neun, im folgenden Jahr dann um acht Prozent. Letzteres wurde Mehreinnahmen von zunächst 51.900 Euro, im Jahr darauf 49.900 Euro bedeuten.

Die Zustimmung fast aller Kindergartenträger zu den Erhöhungen hatte die Stadtverwaltung schon im Vorfeld der Sitzung eingeholt – von der Luisenklinik mit ihren Luisenzwergen möchte man selbige noch erlangen. Der Kostendeckungsgrad für die Kindergärten aus Elternbeiträgen liegt bei den städtischen Einrichtungen zwischen zehn und elf Prozent. Die Stadt trägt somit jährliche Kosten von etwa 4,5 Millionen Euro pro Jahr.

Diskutiert wurde im Gremium vor allem um die Erhöhung bei den Ü3-Kindern: Die Prozentlösung würde Eltern bevorteilen, die Zehn-Euro-Variante die Stadtkasse. „Es gibt kein Richtig oder Falsch“, stellte Bürgermeister Jonathan Berggötz, selbst Familienvater, heraus. Nicht als einziger vertrag der Rathauschef die Meinung, dass der Kindergartenbesuch eigentlich gar nichts kosten sollte.

Letztes Kindergartenjahr kostenlos – wer zahlt’s?

In die Diskussion hinein wurde der aktuelle Beschluss der neuen Landesregierung offenbart, der den beitragsfreien Kindergartenbesuch im letzten Jahr vor dem Schulbeginn vorsieht. Die Umsetzung wird wohl erst in zwei Jahren oder mehr erfolgen. Im Gremium hoffen Stimmen, dass das Land dann auch die Kosten dafür übernimmt.

Tatsächlich gebe es in Bad Dürrheim Kinder, die ob der Kosten nicht einen Kindergarten besuchen, wurde ins Forum festgestellt. Finanziell schwach aufgestellte Familien würden etwa mit dem Familienpass und durch das Landratsamt unterstützt.

„Wir müssen da verdammt aufpassen“

Für die LBU resümierte Wolfgang Kaiser: „Das ist gesellschaftlicher Sprengstoff, wir müssen da verdammt aufpassen.“ Der frühere Gymnasiallehrer ergänzte, durch ein falsches Signal könne „ein Problemfeld entstehen, das die Gesellschaft spaltet“.

CDU-Gemeinderätin Regine Mäder stellte wie weitere Ausschussmitglieder heraus, dass die Kindergartensituation in Bad Dürrheim eine sehr positive, gar „auf einem Fünf-Sterne-Niveau“, sei. Auch der Begriff „Kinderparadiese in Bad Dürrheim“ wurde genannt. Im Gremium wurden (arbeitende) Mütter zitiert, die über die verlässliche und gute Arbeit in den Kindergärten regelrecht ins Schwärmen gerieten. Auch die bauliche Situation wird nach den vielen Investitionen der Stadt in der nahen Vergangenheit als hervorragend beurteilt. Viele Kostensteigerungen, auch etwa für die Gehälter nach neuen Tarif-Abschlüssen, würden die höheren Kindergartenbeiträge gleichfalls rechtfertigen.

LBU-Fraktionsvorsitzende Karen Roeckl fürchtete: „Der große Aufschrei wird so oder so kommen.“ Bis auf drei Stimmen votierte das Gremium für die Kindergartenbeitragserhöhungen.